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Steiermark: Grüne Lage, die Nähe zum Wein und zu den Hauben

Alte bäuerliche Architektur, aber auch neues Bauen ist gefragt.

An der Frage, ob man die Südsteiermark noch immer „steirische Toskana“ nennen darf oder ob die Region mittlerweile so viel zu bieten hat, dass sie den Vergleich gar nicht mehr nötig hat, scheiden sich die Geister. Einig sind sich aber viele darin, dass der Besitz eines Anwesens in eben dieser Gegend etwas sehr Erstrebenswertes ist, für das etliche Käufer auch bereit sind, Liebhaberpreise zu zahlen. Und dabei geht es den meisten nicht mehr nur um den Wein. „Viele schätzen natürlich das milde Klima“, so Karin Marchl, geschäftsführende Gesellschafterin von Herzog Immobilien, „und die Genusswelten, die die Südsteiermark heute zu bieten hat. Das ist nicht mehr nur der Wein, sondern auch viel Kulinarisches, mittlerweile gibt es wirklich ausgezeichnete Buschenschenken und Haubenlokale.“

Und die sind nicht nur bei den Grazern beliebt. Sie locken auch mehr und mehr Wiener, Deutsche, Schweizer und Westösterreicher an – wiewohl die Steiermark als Ganzes zu den beliebtesten Nahzielen fürs Freizeitwohnen gehört. „Viele Tiroler schätzen den milden Frühling und den langen warmen Herbst und ziehen dann in der Pension her“, weiß Bianca Zitz, Inhaberin von BZ Immobilien in Leibnitz. Und auch Gerd Nemetz, Leiter des Realbüros Dr. Max Huber in Graz, beobachtet eine wachsende Nachfrage aus dem Westen: „Das sind häufig Kunden, die von den langen Wintern die Nase voll haben, aber in Österreich bleiben und nicht ins wärmere Ausland ausweichen wollen“, so der Makler. In der Mehrheit sind die Kunden, die in der Pension dauerhaft ihren Wohnsitz in die wärmeren steirischen Gefilde verlegen, allerdings nicht. „Meist geht es um Immobilien als Ergänzung zum Hauptwohnsitz“, so Nemetz, und da seien einfach besondere Liegenschaften gefragt und Kompromisse eher selten.

 

Keine Kompromisse

„Die Kunden finden entweder genau das, was sie suchen, oder kaufen eben nichts“, erklärt er, „da sagt keiner ,Dann nehme ich halt was ohne Ausblick‘.“ Ganz oben auf der Wunschliste steht das traditionelle Kellerstöckl, das gut, aber aus ist. „Da ist die Nachfrage definitiv wesentlich größer als das Angebot“, weiß Marchl. „So etwas wird im Familienbesitz weitergegeben und kommt ganz selten auf den Markt“, bestätigt auch Zitz, „das hat eine solche Wertigkeit bekommen, dass es unter der Hand weitergegeben wird.“ Außerdem seien die meisten inzwischen hergerichtet.

Wenn es denn nicht alt sein kann, muss es zumindest ganz weit oben sein und eine unverbaubare Aussicht haben: Gesucht sind Hügel- und Kuppenlagen, auf denen es sich unbeeinträchtigt vom Nachbarn und den Touristenbussen im Herbst gemütlich leben lässt. Zu den gefragtesten Orten gehören die Klassiker Gamlitz und Kitzeck, die aber auch zu den touristisch attraktivsten Zielen gehören, Ehrenhausen und St. Nikolai, aber seit einiger Zeit weichen die Kunden auch auf Orte wie Eichberg-Trautenburg aus, so Zitz. Gezahlt werden in diesen Orten für Aussichtslagen Liebhaberpreise, die bei 500.000 Euro beginnen und sich meist noch unterhalb einer Million bewegen, allerdings ist auch hier die Skala nach oben offen. Wobei das Gebäude, das auf dem begehrten Weinberg steht, oft zweitrangig ist, wie Zitz erklärt: „Den Grund allein bekommt man meist gar nicht“, so die Maklerin, und dann wird halt das Gebäude darauf im Bedarfsfall saniert oder muss Neubauten weichen – und die sind seit einiger Zeit auch immer wieder ganz modern. „Definitiv ein Trend“, erklärt Nemetz, „das Thema moderne Architektur wird immer wichtiger, schließlich haben es viele Winzer mit toller Architektur vorgelebt.“ Und diesem Beispiel folgend muss es nun für viele nicht mehr unbedingt ein altes Kellerstöckl, ein kleines Bauernhaus oder gar ein Schloss sein – eine wachsende Anzahl von Grundbesitzern in der Steiermark möchte nun selbst neu bauen und bringt dazu oft den Architekten des Vertrauens gleich mit.

 

Sprachprobleme in Slowenien

Und was tut sich auf der anderen Seite der Grenze? Schließlich lockt auch die slowenische Seite mit dem milden Klima und den sanften Hügeln. „Auch dort sind einzelne Häuser, die vor Jahren noch verfallen sind, inzwischen sehr schön renoviert worden“, so Marchl. Nemetz weiß um die Verlockungen, die das Nachbarland für Immobilienkäufer bereithält: „Slowenien ist natürlich interessant und hat schöne Lagen nur ein paar hundert Meter weiter, außerdem ist durch die EU mittlerweile Rechtssicherheit gegeben.“ Der Teufel wohnt aber wie so häufig auch hier im Detail und die Probleme zeigen sich oft nicht beim Kauf der Immobilie – denn da hat man ja zumeist noch Dolmetscher oder Rechtsberater dabei, sondern beginnen nach dem Einzug ins Feriendomizil bei den kleinen Dingen des Alltags. „Ich höre von einigen Kunden, dass die Behörden ihre Mitarbeiter dort anhalten, ausschließlich auf Slowenisch zu kommunizieren“, berichtet Nemetz, „und das gilt auch für die Frage, wann der Mistkübel geleert wird, sodass man manchmal am Alltäglichen scheitert.“

Das ist nun genau das, was die meisten Kunden bei ihren Zweitwohnsitzen gerade vermeiden wollen: die schnöden Alltäglichkeiten. Von denen gibt es nämlich am Hauptwohnsitz schon genug. (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2014)