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MH17: Ukraine wirft Separatisten Beweismittel-Vernichtung vor

A pro-Russian separatist stands at the crash site of Malaysia Airlines flight MH17, near the settlement of Grabovo in the Donetsk region
Pro-russischer Spearatist beim Wrack des Flugzeuges(c) REUTERS (MAXIM ZMEYEV)
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Die Untersuchung des Wracks der malaysischen Passagiermaschine würde massiv behindert, Beweismaterial zerstört, so die ukrainische Regierung. Bisher wurden 186 Leichen entdeckt.

Die ukrainische Regierung hat den prorussischen Separatisten im Osten des Landes vorgeworfen, mit Hilfe Russlands Beweismaterial zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine zerstören zu wollen. Die Rebellen hätten 38 Leichen vom Absturzort weggeschafft und hinderten ukrainische Ermittler am Zugang zu dem Gebiet, hieß es in einer am Samstag verbreiteten Regierungserklärung.

Die prorussischen Rebellen hätten den Rettungskräften erlaubt, nach den Opfern zu suchen. "Aber sie haben nicht gestattet, dass irgendetwas aus dem Gebiet weggebracht wurde", sagte der Sprecher des Katastrophenschutzministeriums in Kiew. "Die Rebellen haben alles weggebracht, was sie gefunden haben."

Experten aus Kiew hätten sich lediglich 30 Minuten unter Aufsicht bewaffneter Aufständischer an der Absturzstelle nahe Grabowo aufhalten dürfen, sagte der ukrainische Vize-Regierungschef Wladimir Groisman. Auch die OSZE-Beobachter beklagten, sie hätten sich am Freitag an der Absturzstelle nicht frei bewegen können und nur für rund 70 Minuten Zugang zu dem Gebiet erhalten.

Ukrainische Rettungskräfte haben nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine bisher 186 Leichen entdeckt. Ein Großteil der rund 25 Quadratkilometer großen Absturzfläche sei bereits abgesucht worden, teilte ein Sprecher am Samstag mit.

Wurden Leichen weggebracht?

Der ukrainische Vize-Regierungschef forderte die militanten Gruppen im Osten der Ukraine auf, einer internationalen Kommission den Zugang zu dem Wrack zu ermöglichen. Dem ukrainischen Geheimdienstchef Valentin Naliwaitschenko zufolge stimmten die Aufständischen einer "Sicherheitszone" rund um das Wrack zu. "Wir hoffen nun, dass die Terroristen verschwinden und uns das Arbeiten an der Absturzstelle ermöglichen", sagte er im Fernsehen. Separatistenanführer Andrej Purgin wies das zurück. Die "Volkswehr" bleibe an Ort und Stelle, um eine "objektive Untersuchung" zu gewährleisten.

Die ukrainische Regierung warf den prorussischen Separatisten auch vor, am Absturzort Beweismaterial zu vernichten. Die Aufständischen wollten mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen, hieß es in einer am Samstag in Kiew veröffentlichen Mitteilung. Die Separatisten wollten "Beweise ihrer Mitwirkung an dem Unglück vertuschen".

298 Menschen starben

Das Flugzeug der Malaysia Airlines war am Donnerstag mutmaßlich abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die genauen Hintergründe sind unklar.

Internationale Experten sollen die Absturzstelle unweit der ukrainisch-russischen Grenze unabhängig untersuchen. Nach ukrainischen Angaben sind bisher etwa 170 Helfer im Einsatz.

Die sogenannten Blackboxes der Maschine wurden nach Angaben des Sicherheitsrates in Kiew nicht an die ukrainischen Behörden übergeben. Von ihnen erhoffen sich Ermittler Aufklärung über die Ursache des Absturzes.

Drang Flugzeug in abgeriegelten Luftraum ein?

Der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai sagte in Kuala Lumpur, Flug MH17 habe die Hauptroute genommen und sei nicht in den abgeriegelten Luftraum über den Kampfgebieten eingedrungen. Liow sagte, er sei überzeugt, dass die russische Regierung alles unternehme, damit die Opfer rasch geborgen werden könnten. Liow wollte im Lauf des Tages an die Unglückstelle reisen.

(c) APA

Spezialisten aus Großbritannien und Deutschland

Großbritannien hat Spezialisten für Flugzeugabstürze in die Ostukraine geschickt, um bei der Untersuchung der Wrackteile der malaysischen Passagiermaschine zu helfen. Das sechsköpfige Team solle am Samstag in Kiew eintreffen, teilte die Regierung mit.

Das Außenministerium entsandte zusätzliches Konsulatspersonal in die Ukraine, außerdem sollen britische Polizisten bei der Bergung, Identifizierung und dem Heimtransport der getöteten Passagiere helfen.

Auch Deutschland beteiligt sich an der Bergung und Identifizierung der Opfer, aus Großbritannien wurden am Samstag sechs Spezialisten für Flugzeugabstürze in Kiew erwartet. Zudem sollen britische Polizisten bei der Bergung, Identifizierung und dem Heimtransport der Leichen helfen. Die internationale Polizeiorganisation Interpol schickt ebenfalls ein Spezialteam.

Charkiw auf Anreise Angehöriger vorbereitet

Das ukrainische Innenministerium reservierte in Charkiw (Charkow) für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer Hunderte Hotelzimmer. In der Stadt rund 300 Kilometer von der Absturzstelle entfernt stünden auch Übersetzer und Psychologen bereit. Es war zunächst unklar, ob die sterblichen Überreste nach Charkiw oder Mariupol gebracht werden.

US-Präsident Barack Obama warf der russischen Regierung vor, sie tue nichts, um die Gewalt in der Ostukraine zu unterbinden. Nach US-Angaben wurde das Flugzeug von einer Flugabwehrrakete getroffen, die von einem von Rebellen kontrollierten Gebiet aus abgefeuert wurde.

Obama telefonierte nach dem mutmaßlichen Abschuss von Flug MH17 mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Obama sprach am Freitag auch mit dem britischen Premierminister David Cameron, Polens Premierminister Donald Tusk und Australiens Premierminister Tony Abbott, wie das Weiße Haus mitteilte. Alle fünf Politiker sprachen sich demnach für eine schnelle internationale Untersuchung aus, um die Hintergründe des Absturzes zu klären.

Merkel telefonierte am Samstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide stimmten nach Angaben des deutschen Bundespresseamtes darin überein, dass eine internationale, unabhängige Kommission unter Leitung der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) rasch Zugang zur Absturzstelle erhalten müsse. Außerdem habe Merkel Putin gedrängt, sich bei den prorussischen Separatisten in der Ostukraine für eine Waffenruhe einzusetzen.

(APA/AFP)