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Nahost-Konflikt: 500 Tote und kein Ende der Angriffe

Die radikal-islamische Hamas versucht immer wieder, durch die unterirdischen Gänge nach Israel zu gelangen.
Die radikal-islamische Hamas versucht immer wieder, durch die unterirdischen Gänge nach Israel zu gelangen.(c) APA/EPA/JIM HOLLANDER (JIM HOLLANDER)
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Das erste Mal seit drei Tagen haben militante Palästinenser den Großraum Tel Aviv mit Raketen angegriffen. Israel tötete zehn Palästinenser, die durch Tunnel in Israel eingedrungen sein sollen.

Der seit zwei Wochen laufende Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen hat bereits mehr als 500 Menschen das Leben gekostet. Israels Armee tötete am Montag nach eigenen Angaben mindestens zehn Hamas-Kämpfer, die durch zwei Tunnel in Israel eingedrungen seien. Immer wieder werden auch Zivilisten Opfer der israelischen Bombenangriffe auf vermutete Hamas-Stellungen.

Zu Medienberichten über israelische Opfer schwieg die Armee sich aus. Seit Beginn der Kämpfe am 8. Juli hat sie nach eigenen Angaben insgesamt 18 Soldaten verloren. Außerdem seien zwei israelische Zivilisten ums Leben gekommen.

Auch die Luftangriffe aus dem Gaza-Streifen reißen nicht ab. Erstmals seit drei Tagen haben militante Palästinenser wieder den Großraum Tel Aviv mit Raketen angegriffen. Im Stadtzentrum heulten am Montag zweimal in Folge die Warnsirenen. Es waren Explosionen zu hören. Nach Angaben der Armee wurden zwei Geschosse von der Raketenabwehr über der Mittelmeermetropole abgefangen. Zuletzt hatte es am Freitagabend Raketenalarm in Tel Aviv gegeben.

Präsident und Hamas-Chef nicht einig

Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas und Hamas-Exilchef Khaled Meshaal, haben in Katar über eine Waffenruhe im Gazakonflikt verhandelt. Beide Seiten seien sich nähergekommen, eine Einigung bleibe aber noch außer Reichweite, sagten palästinensische Offizielle am Montag. Abbas will die radikal-islamische Hamas dazu bringen, die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe zu akzeptieren

Unterdessen will Ägypten offenbar der Hamas entgegen kommen. Der ägyptische Vorschlag für eine Waffenruhe in Nahost könne im Sinne der Hamas verändert werden, sagten drei Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters in Kairo. Die Verhandlungen über eine Feuerpause waren vergangene Woche gescheitert.

Unterdessen traf UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zu einem Vermittlungsversuch in Kairo ein, wie eine Quelle vom Flughafen der ägyptischen Hauptstadt berichtete. Geplant ist eine Unterredung mit dem ägyptischen Außenminister Sameh Shukri. Am Abend wird auch US-Außenminister John Kerry in Kairo erwartet.

Israelischer Gefangener?

Zwei der am Sonntag auf israelischer Seite getöteten 13 Soldaten waren nach Angaben des US-Außenministeriums US-Bürger. Beide hätten in den Golani-Brigaden gedient, berichteten US-Medien. Ob sie auch einen israelischen Pass hatten, war unklar. Die Hamas erklärte, sie habe bei den Kämpfen am Sonntag einen israelischen Soldaten gefangen genommen und präsentierte Bilder von Ausweispapieren, nicht aber den angeblichen Gefangenen. Ein israelischer Militärsprecher wollte nicht ausschließen, dass es einen Gefangenen gebe. Zuvor hatte Israels UN-Botschafter die Darstellung der Hamas noch zurückgewiesen.

Bodenoffensive "so lange wie nötig"

Nach tagelangem Raketenbeschuss durch die Hamas und Gegen-Bombardements der israelischen Luftwaffe hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Donnerstag die Bodenoffensive befohlen. Als militärisches Ziel wurde ausgegeben, dass weitverzweigte Tunnelsystem der Hamas zu zerstören und den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. "Wir werden so lange weitermachen wie nötig", sagte Netanyahu. Allein am Sonntag wurden nach palästinensischen Angaben im Viertel Shejaia 50 Palästinenser getötet und 400 verletzt.

Auch in der Nacht zum Montag gingen die Bombardements weiter. Nach Angaben palästinensischer Krankenhaus-Angestellter kamen dabei 25 Mitglieder einer Familie an der Südgrenze zu Ägypten ums Leben. Zehn weitere Palästinenser seien im nahe gelegenen Chan Junis durch israelische Bomben getötet worden. Nach den Worten eines israelischen Militärsprechers bleibt Shejaia östlich von Gaza-Stadt Schwerpunkt der Operationen. Von dort werden nach israelischen Angaben immer wieder Raketen abgefeuert. Zudem sollen sich dort Kommandozentralen der Hamas befinden.

UNO besorgt um Zivilisten

Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich sehr besorgt über die Eskalation der Gewalt im Gazastreifen. Die wachsende Zahl von Opfern sei beunruhigend. Die Mitglieder des Sicherheitsrates forderten nach einer Sondersitzung eine sofortige Beendigung der Feindseligkeiten. Zudem müsse das Völkerrecht - vor allem zum Schutz von Zivilisten - respektiert werden, sagte Ruandas UN-Botschafter Eugene Gasana.

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die USA seien sehr beunruhigt, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Neben den USA drängen auch Ägypten, Katar und Frankreich auf eine diplomatische Lösung zur Beendigung der schlimmsten Kämpfe seit fünf Jahren.