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Israel: Flugsperre ist "Belohnung für den Terror"

Auf dem Flughafen Tel Aviv werden nur wenige Flüge abgewickelt.
Auf dem Flughafen Tel Aviv werden nur wenige Flüge abgewickelt.(c) Reuters (Siegfried Modola)
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Die Regierung beteuert, der Anflug auf Tel Aviv sei sicher. Dennoch streicht die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die AUA gehört, auch für Donnerstag alle Flüge von und nach Tel Aviv.

Israel hat gegen die Einstellung von Flügen nach Tel Aviv durch US-amerikanische und europäische Airlines protestiert: Dies sei seine "Belohnung für den Terror" der radikal-islamischen Hamas, sagte Transportminister Israel Katz laut dem israelischen Rundfunk. Er habe die Airlines dazu aufgerufen, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Am Dienstag war eine im Gazastreifen abgefeuerte Rakete in der Nähe des Ben-Gurion-Flughafens eingeschlagen.

"Wir sind überzeugt davon, dass wir den Flughafen schützen können", beteuerte indes Armeesprecher Peter Lerner. Ähnlich äußerte sich New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg, der den Ben-Gurion-Flughafen "den am besten gessicherten Airport der Welt" nannte und ankündigte, aus Solidarität mit einer Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al nach Tel Aviv zu fliegen. Er wolle zeigen, dass der Flugverkehr dorthin sicher sei.

Lufthansa streicht Flüge auch am Donnerstag

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte zuvor amerikanischen Fluggesellschaften wegen der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten die Flüge nach Israel vorübergehend untersagt. Die Anweisung gelte für 24 Stunden, hatte die FAA am Dienstagabend mitgeteilt. Mehrere Fluglinien aus Europa zogen nach. Auch die österreichische Fluglinie AUA stellt ihre Flüge nach Tel Aviv ein, für mindestens die nächsten 36 Stunden.

Israel bot Mittwochmittag als Alternative den Flughafen Ovda in der Negev-Wüste nördlich von Eilat an. Vorerst hat die Lufthansa dieses Angebot aber nicht angenommen sondern das getan, was sich bereits abgezeichnet hatte: Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die AUA und die Swiss gehören, hat sämtliche Flüge von und nach Tel Aviv am Donnerstag gestrichen. Solange man nicht genau über die Sicherheitslage Bescheid wisse, würde der Flughafen Ben-Gurion auch nicht angeflogen, sagte AUA-Sprecher Peter Thier.

El Al fliegt weiter nach Tel Aviv

Binnen der ersten 36 Stunden der Sperre waren sechs Flüge betroffen. "Pro Flug sind dies rund 160 Personen, es sind also etwa 1000 Passagiere betroffen", erklärte Tier. Die Fluggäste können ihre Flüge kostenlos umbuchen oder stornieren. Die Billigfluglinie Fly Niki zog ebenfalls nach, vorerst für den gleichen Zeitraum wie die AUA. Das erklärte Niki-Geschäftsführer Christian Lesjak gegenüber "Austrian Aviation Network".

Eine direkte Verbindung zwischen Wien und Tel Aviv bietet weiter die israelische Fluglinie El Al an. "Nach derzeitigem Stand führen wir unsere Flüge planmäßig durch", sagte ein Sprecher der Linie. Um 18.40 wird Flug LY 363 aus Tel Aviv in Wien erwartet, für 20.30 ist ein Flug in die Gegenrichtung (Nummer 364) angesetzt.

Auch Lufthansa und Air France stellen Flüge ein

Inzwischen traf auch die deutsche Lufthansa die Entscheidung ihre Flüge nach Tel Aviv für 36 Stunden ein, sagte ein Sprecher in Frankfurt/Main. Betroffen waren noch am Dienstag Flüge von Frankfurt und München nach Tel Aviv sowie ein Flug von Tel Aviv nach Frankfurt. Die Regelung gelte für alle Flüge der Lufthansa, Germanwings, Austrian Airlines und Swiss. Aus Frankfurt, Berlin, München, Zürich und Wien bietet die Lufthansa-Gruppe laut Flugplan sieben bis zehn Flüge täglich nach Tel Aviv an.

Auch die zweitgrößte europäische Gesellschaft Air France zog nach und strich bis auf Weiteres alle Flüge nach Tel Aviv. "Die Sicherheit unserer Passagiere und Besatzungen bleibt unsere oberste Priorität", kommentierte eine Sprecherin am Dienstagabend, ohne Einzelheiten zu der Entscheidung zu nennen. Experten von Air France beobachteten die Situation vor Ort in Echtzeit.

Delta Air Lines leitete Flug nach Paris um

Zuvor hat die US-Fluglinie Delta Air Lines ihre Flüge nach Israel vorerst eingestellt. Die Verbindungen von New York zum Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv seien nach Berichten über mögliche Raketeneinschläge in der Nähe des israelischen Flughafens bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen suspendiert worden, teilte die Airline am Dienstag mit. Auch US Airways kündigte an, den Flug von Philadelphia nach Tel Aviv zumindest am Dienstagabend abzusagen.

Die Entscheidung sei in Absprache mit der US-Luftfahrtbehörde FAA getroffen worden. Eine mit rund 300 Menschen besetzte Delta-Maschine in Richtung Tel Aviv sei am Dienstag nach Paris umgeleitet worden, hieß es weiter. Die Airline musste nach eigenen Angaben am Dienstag eine Boeing 747 mit 290 Menschen an Bord zum Pariser Flughafen Charles de Gaulle umleiten, weil es "Berichte über eine Rakete oder damit verbundene Trümmer" in der Nähe des Ben-Gurion-Flughafens gegeben habe.

Delta erklärte, in "engem Kontakt" mit den US-Behörden zu stehen, um die Lage zu beobachten. Das Weiße Haus erklärte dazu, es gebe keine generelle Weisung oder Empfehlung der Luftfahrtbehörde. Die Entscheidung über Einstellung der Verbindungen nach Israel liege bei den einzelnen Fluglinien.

Bei der Entscheidung über die Einstellung der Flüge dürfte auch der mutmaßliche Abschuss eines malaysischen Flugzeuges über der Ukraine eine Rolle gespielt haben.

Reiseveranstalter fordern Ausweichflughafen

Nach der Streichung zahlreicher internationaler Flüge nach Tel Aviv haben Reiseveranstalter in Israel die Öffnung eines Ausweichflughafens gefordert. Der Militärflughafen Ovda in der Negev-Wüste im Süden des Landes müsse für internationale Flüge zugänglich gemacht werden, verlangte der Vorsitzende des Verbands israelischer Reiseveranstalter, Yossi Fatal.

Die Streichung der Flüge nach Israel füge dem Land immensen Schaden vor allem im Tourismusbereich zu, warnte Fatal am Mittwoch im israelischen Rundfunk. Er sprach auch von einem großen Image-Schaden, weil der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv bisher das "einzige Tor zur Welt" für Israel sei.

(APA/AFP/dpa)