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Ukraine: Rebellen-Kämpfer gab Abschuss von MH17 zu

Ein Pro-russischer Separatist mitten im Trümmerfeld
Ein Pro-russischer Separatist mitten im TrümmerfeldREUTERS
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Erstmals gestand einer der Aufständischen ein, dass ihre Seite das malaysische Passagierflugzeug vom Himmel geholt hat. Man habe es für einen ukrainischen Militärjet gehalten.

Bisher haben die pro-russischen Rebellen in der Ostukraine jede Schuld am Absturz von Flug MH17 am vergangenen Donnerstag abgestritten. Nun hat erstmals ein Milizionär im Gespräch mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ bestätigt, dass die malaysische Verkehrsmaschine von den Separatisten abgeschossen wurde, allerdings irrtümlich: „Wir haben gerade eine Maschine der Faschisten aus Kiew abgeschossen, haben unsere Kommandanten gesagt“, berichtete der Mann.

Kurz zuvor hätten er und seine Kameraden von der paramilitärischen Gruppe „Oplot“ den Befehl erhalten, mit ausreichend Waffen und Munition versorgt ihre Lkw zu besteigen, erzählt der Mann, der laut der italienischen Zeitung am Bahnhof von Torez die Kühlwaggons mit den geborgenen Opfern von Flug MH17 bewachte. „Einige Minuten - vielleicht zehn - vorher hatten wir eine riesige Explosion am Himmel gehört“, berichtet er. Neben der Meldung, man habe soeben eine ukrainische Transportmaschine abgeschossen, sei dann auch eine Warnung gekommen: „Wir sollten darauf gefasst sein, eventuell mit dem Fallschirm abgesprungene Besatzungsmitglieder bekämpfen zu müssen, es seien weiße Objekte zwischen den Wolken gesichtet worden.“

"Realisierte, dass das tote Zivilisten waren"

Am Absturzort angekommen habe er allerdings keine Fallschirme gesehen. „Auf einer Lichtung habe ich dann erste Stofffetzen entdeckt. Als ich sie hochhob, fand ich darunter die Leiche eines Mädchens, nicht älter als fünf Jahre. Es war schrecklich. Da habe ich realisiert, dass das ein Zivilflugzeug gewesen ist, keine Militärmaschine. Und dass das alles tote Zivilisten waren."

Die US-Geheimdienste haben derweil erklärt, bisher keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem Abschuss zu haben. Dass die Rebellen die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-11 vom Himmel geholt hätten, gehe wahrscheinlich auf ein Versehen zurück, hieß es am Dienstag. Es ließe sich bisher nicht sagen, wer genau für den Tod der 298 Menschen an Bord verantwortlich sei, hieß es nach Angaben des TV-Senders NBC und anderer US-Medien unter Berufung auf Quellen in Geheimdienstkreisen.

Erste Opfer in die Niederlande gebracht

Unterdessen sind am Mittwochnachmittag zwei Flugzeuge mit Todesopfern des Absturzes in der Stadt Eindhoven gelandet. Beide waren am Morgen mit insgesamt 40 Särgen an Bord im ukrainischen Charkow gestartet. Zwei Drittel der Insassen des Flugzeugs, das auf dem Weg von Amsterdam in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur gewesen war, waren Holländer. Die Leichen wurden weiter in einen Militärstützpunkt bei Hilversum gebracht, wo sie identifiziert werden sollen.

Die Opfer

An Bord von Flug MH17 (Amsterdam - Kuala Lumpur) waren am vergangenen Donnerstag 298 Menschen, 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder. Die Herkunft der Opfer gemäß Angaben der Fluggesellschaft Malaysia: Niederlande: 193; Malaysia: 43; Australien: 27; Indonesien 12; Großbritannien 10; Deutschland 4; Belgien 4; Philippinen 3; Kanada 1; Neuseeland 1

Kein Hinweis auf Manipulation der Black Boxes

Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben am Mittwoch erneut die Absturzstelle der Boeing 777 begutachtet. In ihrer Begleitung waren auch Experten aus Malaysia. Sie dokumentierten Trümmerteile und persönliche Habseligkeiten der 298 Opfer. In den vergangenen Tagen waren Bilder und Videos kursiert, die Rebellen zeigen, wie sie Rucksäcke und Taschen durchwühlen. Die Absturzstelle bei dem Ort Grabowo liegt im von Aufständischen kontrollierten Gebiet der Ostukraine.

Die Flugschreiber der Unglücksmaschine kamen am Mittwoch in London an. Dort sollen sie von Experten untersucht werden. Rasche Ergebnisse werden nicht erwartet, alleine für das Auslesen der Daten sind etwa 24 Stunden veranschlagt. Holländische Spezialisten sagten am Abend, es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Flugschreiber manipuliert wurden.

Rebellen schossen zwei ukrainische Jets ab

Für Zivilflugzeuge ist Luftraum bereits seit vergangenem Donnerstag gesperrt, die ukrainische Luftwaffe fliegt dort freilich weiterhin. Mittwochnachmittag wurde bekannt, dass die Rebellen offenbar erneut zwei ukrainische Kampfflugzeuge abgeschossen haben.

(APA/Reuters)