Venezuelas Präsident Hugo Chavez und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkl schütteln sich die Hände. Priorität hat die Aushandlung von Freihandelsabkommen.
Die starken Sprüche von Hugo Chavez gegen Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel waren einer der großen Aufreger vor dem fünften EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima gewesen. Chavez hatte Merkl "Steinewerfen" vorgeworfen und sie sogar in die Nähe von Adolf Hitler gerückt.
Am Freitag dürfte die Angelegenheit aber einigermaßen bereinigt worden sein. Es kam laut Informationen aus der deutschen Delegation zu einem Handshake zwischen Merkel und Chavez. Zudem soll der venezolanische Präsident erklärt haben, dass er Merkel nicht beleidigen wollte.
Merkel bekannte sich nachdrücklich zu dem Ziel der EU, gemeinsam mit den Staaten Lateinamerikas auf eine Halbierung der Armut auf den Kontinent hinzuarbeiten. "Wir geben nicht nur das Bekenntnis ab, sondern wollen es auch ernsthaft und konkret in die Tat umsetzen", sagte die Kanzlerin laut Manuskript. Sie plädierte für eine enge Partnerschaft. Damit würde auch den Europäern die Hilfe zur Armutsbekämpfung leichter fallen.
Erklärung von Lima
Die zum Abschluss des Gipfels veröffentlichte "Erklärung von Lima" der Teilnehmerstaaten führte neben Empfehlungen zum Kampf gegen den Klimawandel auch mögliche Maßnahmen gegen Armut und die weltweite Lebensmittelkrise auf. Zudem bezeichnete sie die Aushandlung von Freihandelsabkommen zwischen den lateinamerikanischen und den EU-Staaten als "politische Priorität". Linksgerichtete Regierungen wie die von Ecuador und Bolivien stehen einer Liberalisierung des Handels allerdings skeptisch gegenüber.
Chiles Präsidentin Michelle Bachelet und ihre argentinische Kollegin Cristina Kirchner schlugen ein Bündnis der EU und Lateinamerikas zur Überwindung der weltweiten Lebensmittelkrise vor. Die rasant gestiegenen Nahrungsmittelpreise treffen die 194 Millionen armen Menschen in Lateinamerika besonders.
Gusenbauer zufrieden
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis des von ihm geleiteten Arbeitskreises zum Thema "Umwelt, Energie und Klimaschutz". "Es war eine sehr positive Diskussion und wir haben in weiten Bereichen Übereinstimmung erzielt", sagte er. Festgehalten wurde die Notwendigkeit einer Erhöhung der Energieeffizienz, so Gusenbauer. "Selbst bei steigendem Wirtschaftswachstum geht es darum, den Energiekonsum zu stabilisieren und dass wir in erneuerbare Energien investieren."
Sein Vorschlag, dass Österreich eine internationale Expertenkonferenz ausrichten soll, wo über erneuerbare Energien diskutiert und ausgetauscht werde, sei auf sehr breite Zustimmung gestoßen, so Gusenbauer. "Wir haben auch einen guten Konsens darüber erzielt, dass wir eine sozial verträgliche Gestaltung der Energieressourcen künftig durchführen müssen."
117 Mio. Euro zur Verfügung gestellt
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte am Rande des Gipfels, der Kampf gegen die Armut und gegen den Hunger sei eine weltweite Herausforderung. Daher habe die EU-Kommission bereits 117 Mio. Euro für den Kampf gegen die Nahrungsmittelkrise zur Verfügung gestellt. Weitere Gelder sollen noch ausgeschüttet werden. Die rascher Steigerung der Lebensmittelpreise bereite ihr große Sorge, sagte sie. (Ag./red)