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Nach Platzsturm: Haifa-Match von Tirol nach Salzburg verlegt

Am Mittwoch kam es in Bischofshofen zu Ausschreitungen
Am Mittwoch kam es in Bischofshofen zu AusschreitungenGEPA pictures
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Der Fußballklub Maccabi Haifa hätte am Samstag in Kirchbichl spielen sollen. Nach den Tumulten von Bischofshofen sah sich die Gemeinde aber "nicht in der Lage für die Sicherheit zu sorgen". Nun springt Leogang ein.

Die Ausschreitungen israel-kritischer Zuseher bei einem Testspiel des Fußballvereins Maccabi Haifa am Mittwoch in Bischofshofen sorgen weiter für Aufregung. Das Match der Israelis gegen den französischen Klub Lille musste beendet werden, nachdem mehrere Männer mit palästinensischen Flaggen auf das Feld gestürmt waren und israelische Spieler attackiert hatten. Am Samstag hätte Maccabi Haifa nun in Kirchbichl ein weiteres Testspiel absolvieren sollen, diesmal gegen den deutschen Bundesliga-Aufsteiger Paderborn. Die Tiroler Gemeinde sagte das Match jedoch am Freitag kurzerhand ab, weil man nicht für die Sicherheit der Spieler sorgen könne. Wenig später verkündete die Veranstalterorganisation „SLFC Soccer Camps", dass die Mannschaften nun in Leogang (Salzburg) aufeinandertreffen, und zwar am Samstag um 17 Uhr.

15 bis 20 Polizisten sollen für einen sicheren Ablauf sorgen, so der Veranstalter. Mit neuen Ausschreitungen rechne man ohnehin „überhaupt nicht".  Die Salzburger Exekutive äußerte sich über den bevorstehenden Einsatz nur knapp: "Die Polizei hat vorgesorgt und wird alle notwendigen Maßnahmen setzen", sagte Polizeisprecher Ortwin Lamprecht. Aus taktischen Gründen können keine darüber hinausgehenden Informationen veröffentlicht werden. Koordiniert wird der Einsatz von der Landespolizeidirektion - in Absprache mit dem Bezirkspolizeikommando Zell am See. Auch Leogangs Bürgermeister bekräftigt, dass die „Sicherheit gewährleistet" sei. Man habe „volle Rückendeckung" vom Innenministerium.

Der Club der Freunde Israels hatte die Absage in Kirchbichl zuvor als „beschämend" bezeichnet. Man beuge sich dem „gewaltbereiten Mob", so Sprecher Daniel Kapp.

Verfassungsschutz ermittelt

Nach den Vorfällen vom Mittwoch ermittelt inzwischen das Landesamt für Verfassungsschutz gegen rund 20 Personen, vorwiegend türkischstämmige junge Erwachsene aus dem Pongau. „Wir müssen die Identität der noch unbekannten Täter ausfindig machen und den Verdächtigen die einzelnen Delikte zuordnen. Dann wird angezeigt", sagte ein Polizeisprecher. Parallel dazu wurden Spieler und Trainer der israelischen Gastmannschaft befragt. „Es geht auch darum, ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln", hieß es. Ermittelt wird wegen einer Reihe von Delikten: Verdacht auf Verhetzung, absichtlich schwere Körperverletzung, Nötigung und Störung der öffentlichen Ordnung.

Bundeskanzler Werner Faymann nimmt die Vorfälle zum Anlass für einen Religionsdialog: In einem Monat sollen Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, der Islamischen Glaubensgemeinschaft und aller anderen in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften im Kanzleramt gemeinsam „den Einsatz für ein gedeihliches Zusammenleben unterstreichen".

Die türkische Botschaft in Österreich wehrt sich unterdessen gegen mediale Vorwürfe, wonach die Türkei Antisemitismus nach Österreich exportiere. Der Staat sei zwar gegen die „von Israel betriebene aggressive Politik“, habe aber mit den in der Türkei oder in anderen Staaten lebenden Juden kein Problem, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme.

(APA)