Die Knackpunkte bei einer Abspaltung Schottlands

Universum ´Wilde Alte Welt - Eine Naturgeschichte Europas (3)´
Universum ´Wilde Alte Welt - Eine Naturgeschichte Europas (3)´(c) ORF (Charlotte Scott)
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Wie lebensfähig wäre ein Schottland? Wie lange reicht das schottische Öl noch? Und was wird aus der Mitgliedschaft in Nato und EU? Die zentralen Themen im Überblick:

•Leistbarkeit: Niemand bezweifelt, dass ein unabhängiges Schottland lebensfähig wäre. Aber London sagt, im Vereinigten Königreich hätte jeder Schotte im Jahr 1400 Pfund mehr in der Tasche, während die Nationalisten behaupten, bei der Unabhängigkeit wäre jeder Schotte um 1000 Pfund besser dran.


•Wohlstand: Unter Berücksichtigung der Öleinnahmen weist Schottland ein höheres BIP pro Kopf auf als der britische Durchschnitt. Zugleich sind aber die öffentlichen Ausgaben in Schottland höher als im restlichen Land. Während London behauptet, dass Edinburgh mehr aus dem gemeinsamen Haushalt bekomme, als es an Steuern abführt, behaupten die schottischen Nationalisten genau das Gegenteil.


•Öl: Die Befürworter der Unabhängigkeit sagen, das Nordseeöl reiche mindestens noch 40 Jahre und garantiere jährlich sieben Mrd. Pfund Einnahmen, während London die Prognose für 2020–2041 zuletzt um 25 Prozent reduziert hat und ein Ende der Förderung in 20 Jahren erwartet.


•Haushaltspolitik: Die Unabhängigkeitsbefürworter wollen die öffentlichen Ausgaben um drei Prozent im Jahr erhöhen und die Gewerbesteuer senken. Auch das Studium soll gratis bleiben. Kritiker verweisen darauf, dass Schottland schon heute ein jährliches Budgetdefizit hat.


•Währungsunion: Nachdem der Euro für die Wähler Gift ist, wollen die Nationalisten in einer Währungsunion mit London das Pfund behalten. Alle führenden britischen Parteien lehnen das ab.


•Staatsform:
Ein unabhängiges Schottland soll eine geschriebene Verfassung erhalten, die Queen soll (wie in Kanada, Australien oder Neuseeland) Staatsoberhaupt bleiben. Aus dem Königshaus liegt keine Stellungnahme vor.


•EU: Nach Ansicht der Nationalisten ist Schottland bereits Mitglied und muss nach der Abspaltung nur Anpassungen verhandeln. In der EU-Kommission hält man das für „„extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich“.


•Nato: Schottland will Mitglied des Nordatlantikpakts bleiben, eigene Streitkräfte mit 15.000 Mann aufstellen und das Atom-U-Boot Trident an England loswerden. (gar)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2014)

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