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Flug MH17: Doch keine internationale Polizisten zum Absturzort

Australische Polizisten warten auf ihren Einsatz.
Australische Polizisten warten auf ihren Einsatz.(c) Reuters (Valentyn Ogirenko)
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Zehn Tage nach dem Absturz: Prorussische Separatisten erlauben internationalen Ermittlern Schutz zu bieten. Doch diese schlagen das Angebot aus.

Unbewaffnete niederländische und australische Polizisten und OSZE-Beobachter haben einen geplanten Besuch an der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine am Sonntag aus Sicherheitsgründen abgesagt.

"Vor Ort wird weiter gekämpft, wir können das Risiko nicht eingehen", sagte der stellvertretende Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Schweizer Alexander Hug. Die Sicherheitslage sei "inakzeptabel für unsere unbewaffnete Beobachtermission". Ein Fotograf berichtete von Artilleriefeuer nahe dem bisher von prorussischen Separatisten kontrollierten Absturzort. In der Gegend stieg schwarzer Rauch auf, Menschen flohen vor den Gefechten. Eine von den Aufständischen errichtete Straßensperre in der Region lag verlassen da.

Separatisten stimmen zu

Zuvor hatte die OSZE zuvor eine Einigung mit den Separatisten über den Zugang zu der Absturzstelle erreicht. Die prorussischen Separatisten hatten nach Angaben Malaysias zugesagt, ausländische Polizisten den Absturzort des malaysischen Passagierflugs im umkämpften Osten der Ukraine absichern zu lassen. Die Polizisten sollten den internationalen Ermittlern Schutz bieten, wie der malaysische Regierungschef Najib Razak am Sonntag erklärte.

Die Vereinbarung mit Rebellenchef Alexander Borodai sollte den Schutz der Experten gewährleisten. Die Untersuchung wird von den Niederlanden geleitet, da 193 der 298 Opfer Niederländer waren. Australien, von wo ebenfalls viele Opfer stammten, hat angekündigt, bewaffnete Polizisten entsenden zu wollen. 40 niederländische Militärpolizisten befinden sich bereits in Charkow in Warteposition.

Absturzursache nach wie vor ungeklärt

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord abgestürzt. Die Regierung in Kiew und die westlichen Staaten werfen den Separatisten vor, sie mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen zu haben. Die Aufständischen, denen auch die Behinderung der Untersuchungen und der Bergungsarbeiten vorgeworfen wurde, wollen nur einer begrenzten Zahl ausländischer Experten Zugang zu der Absturzstelle gewähren.

Das Flugzeug der Malaysia Airlines war über dem Rebellengebiet der Ukraine abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Bisher gibt es dafür keine Beweise, dass die Boeing 777 abgeschossen wurde. Es ist auch nicht erwiesen, wer hinter einem eventuellen Abschuss stecken könnte und welche Umstände möglicherweise dazu geführt haben. Die Flugschreiber wurden von den Separatisten übergeben. Sie werden in Großbritannien ausgewertet.

Erstes Opfer identifiziert

Indes ist ein erstes Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine ist identifiziert worden. Wie niederländische Medien am Samstag unter Berufung auf die Regierung berichteten, handelt es sich um einen Niederländer. Angaben zu Person und Geschlecht wurden nicht gemacht. Die Angehörigen und der Bürgermeister der Heimatgemeinde seien informiert worden.

Die niederländische Regierung rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle noch weitere Opfer befinden. Um ihre Bergung zu ermöglichen.

13 Zivilisten getötet

Die Kämpfe im Osten der Ukraine gehen jedoch unvermindert weiter. Bei Kämpfen sind nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet worden. Unter den Opfern in der umkämpften Stadt Gorliwka nördlich von Donezk seien zwei Kleinkinder, erklärte die Regionalverwaltung am Sonntag. Die Bemühungen zur Versorgung der Verletzten würden durch "andauernde Feuergefechte" behindert. Ein ukrainischer Militärsprecher hatte zuvor berichtet, die prorussischen Separatisten würden Wohnviertel in der 250.000-Einwohner-Stadt mit Mehrfachraketenwerfern vom Typ BM-21 "Grad" (Hagel) beschießen.

Gorliwka liegt 45 Kilometer nördlich der Großstadt Donezk. Die Region ist seit Wochen heftig umkämpft zwischen den Regierungstruppen und den prorussischen Rebellen, die in den Regionen Donezk und Lugansk "Volksrepubliken" ausgerufen haben. Die Kämpfe werden von beiden Seiten mit großer Härte geführt. Trotz der Mobilisierung großer Kampfverbände mit schweren Waffen macht die Offensive der Regierung nur geringe Fortschritte. Kiew wirft Russland vor, die Rebellen mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen, was Moskau bestreitet.

 

(APA/dpa/AFP/Reuters)