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Kredite: Sich zu verschulden ist billig wie nie

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Die Geldpolitik der Notenbanken hat zu niedrigen Zinsen auf dem Kreditmarkt geführt. Viele Banken bieten ihren Kunden aus diesem Grund die Möglichkeit an, sich die niedrigen Zinsen für viele Jahre zu sichern.

Wien. Die Deutschen würden wohl bloß den Kopf schütteln. Aber nicht, weil ein Haus für die Dauer von 20 Jahren auf Kredit finanziert wird. Sondern weil dies in Österreich vor allem auf Basis variabler Verzinsungen geschieht.

Eine solche Darlehensvariante ist zwar auch unseren Nachbarn bekannt. Dort aber schlichtweg unüblich. Denn für Eigenheimfinanzierungen werden Fixzinskredite als das Nonplusultra betrachtet. In Österreich wollen Verbraucher damit aber eher wenig zu tun haben.

Dabei haben die Banken ihr Angebot in den vergangenen Jahren merklich ausgebaut. Das steht freilich in Zusammenhang mit den niedrigen Geldmarktzinsen. Diese befinden sich auf einem Rekordtief. Das wird aber nicht immer so bleiben.

Ein Fixzinskredit ist zwar aus heutiger Sicht teurer als ein Darlehen, das einen variablen Zinssatz als Basis hat. Auf lange Sicht gesehen könnten Häuslbauer damit aber besser fahren. Zumindest haben sie bei Fixzinskrediten die Möglichkeit, sich den derzeit günstigen Zinssatz für die Dauer von mehreren Jahren zu sichern. Die Bawag bietet solche Vereinbarungen für die Dauer von sechs, zehn und 15 Jahren an. Welche Variante letzten Endes die günstigere gewesen wäre, weiß man erst, wenn das Darlehen abbezahlt wurde.

Nimmt eine 30-jährige Angestellte mit guter Bonität einen Kredit in der Höhe von 100.000 Euro für die Dauer von 20 Jahren auf, so zahlt sie bei der Bank Austria (auf variabler Basis) derzeit einen effektiven Zinssatz ab 2,2 Prozent. Entscheidet sich die Kundin für ein Fixzinsdarlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren, liegt der Zinssatz bei 2,9 Prozent. Im Effektivzinssatz spiegeln sich die Kosten eines Kredits wieder. Am Ende der Laufzeit liegt der Unterschied in der Gesamtkreditbelastung aus heutiger Sicht bei knapp 8000 Euro.

 

Fix oder variabel

Freilich basieren beide Kreditbeispiele auf einer Spekulation. Und auf der Einschätzung der Zinslage in den kommenden 20 oder 25 Jahren. Abgesehen davon rechnen Banken Darlehen mit unterschiedlichen Zinsprognosen durch. Daher sind die Summen, die am Ende zurückbezahlt werden müssen, bloß Annahmen – sie stellen keinen festen Wert dar.

Entscheiden sich Verbraucher für einen Kredit auf variabler Basis (hier ändern sich die Raten laufend, weil der Referenzwert schwankt) können sie in den kommenden Jahren gut damit fahren. Die Banken rechnen in naher Zukunft nicht mit anziehenden Zinsen. Wie die Situation in zehn Jahren aussieht, weiß aber niemand. Steigen die Zinsen dann an, könnte sich der Schaden dennoch in Grenzen halten. Denn der Zinsanteil eines Kredites wird im Laufe der Jahre immer geringer. Steigende Geldmarktzinsen können sich folglich weniger „stark“ auswirken.

Wer lieber den sicheren Weg gehen will, der könnte mit einem fixen Zinssatz besser fahren. Vor allem, wenn die Zinsen in den kommenden Jahren rasant ansteigen. Der Vorteil des Fixzinskredites ist, dass die monatlichen Raten über die gesamte Laufzeit der Vereinbarung hinweg stabil bleiben. Das macht die Berechenbarkeit wesentlich einfacher.

Bei der Erste Bank rät man den Kunden zu Fixzinskrediten, wie Katja Fries erklärt. Nichtsdestotrotz bevorzugen diese eher variable Laufzeiten, sagt Fries. Erste-Bank-Kunden, die sich noch heuer dazu entschließen, ein Fixzinsdarlehen abzuschließen, müssen bei vorzeitiger Rückzahlung ihres Darlehens kein Pönale zahlen. Dieses wird fällig, wenn Kreditnehmer aus einem fix verzinsten Darlehen vorzeitig aussteigen wollen.

Ganz gleich, für welche Variante sich Kunden entscheiden: Beim Kreditvergleichsportal creditnet.at wird Konsumenten dazu geraten, ausreichend Eigenmittel für die gewünschte Immobilie vorzuhalten. Abgesehen davon sind ein stabiler Job und die eigene Bonität wichtige Kriterien, um bessere Konditionen bei der Bank zu erhalten. Creditnet.at weist zudem darauf hin, dass es beim Kreditschutzverband die Möglichkeit gibt, eine kostenlose Selbstauskunft einzuholen. Bis zum Ende der eigenen Erwerbstätigkeit sollte man sein Darlehen jedenfalls getilgt haben. Denn in der Pension ist das Einkommen geringer.

Was Sie beachten sollten bei... Immobilienkrediten

Tipp 1

Varianten. Um einen Kredit aufzunehmen, können sich Verbraucher mehrerer Varianten bedienen. Einerseits haben sie die Möglichkeit, sich zwischen einem fixen oder variablen Zinssatz zu entscheiden. Auch eine Mischung aus beidem ist möglich. Bauspardarlehen – mit Zinsober- und Untergrenze – sind andererseits auch eine Option.

Tipp 2

Rechnen. Einen Kredit aufzunehmen, setzt die Leistbarkeit eines solchen voraus. Das Kreditvergleichsportal creditnet.at empfiehlt, mindestens 20Prozent Eigenmittel einzubringen. Abgesehen davon spielt auch die Höhe der monatlichen Kreditrate eine Rolle. Geht sich die Rückzahlung nur knapp aus, sollte man von einem Darlehen wohl lieber absehen.

Tipp 3

Finanzierung. Diese Rückzahlung des Kredits sollte laut creditnet.at noch vor Pensionsantritt erfolgen. Wer vorher einmal in finanzielle Nöte gerät, sollte mit der Bank lieber über eine Stundung der Rate sprechen, anstatt es auf einen Zahlungsverzug ankommen zu lassen. Im Zweifelsfall muss das Haus oder die Wohnung verkauft werden.

Tipp 4

Verhandeln. Verhandeln kommt für viele nicht infrage. Als Kunde sollte man nichts unversucht lassen. Denn die Banken haben sehr wohl Verhandlungsspielraum, wenngleich man sich nicht zu viel erwarten sollte. Wer sich traut, mit dem kreditgebenden Institut über den Zinsaufschlag zu verhandeln, kann aber über 20 Jahre hinweg viel einsparen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2014)