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Waldviertel: Die krude Welt der Österreich-Leugner

Ackerlandschaften.
(c) BilderBox
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine sektenähnliche Gruppe von Verschwörungstheoretikern.

Waidhofen/Thaya. Wussten Sie, dass wir alle mit einem Treuhandfonds geboren worden sind, den sich der Staat nach internationalem Seerecht mit Ablauf unseres siebenten Lebensjahrs angeeignet hat? Und dass wir seit diesem Zeitpunkt nur noch bloße Waren sind, die nach dem US-Handelsrechtskodex UCC als Sklaven gehandelt werden?

Willkommen in der skurrilen Gedankenwelt der „OPPT“. Diese lose, erst 2012 in den USA gegründete Vereinigung, die sich „One People's Public Trust“ nennt, hängt einer wilden Ansammlung von Verschwörungstheorien, Erlösungslehren und pseudoreligiösen Dogmen an und behauptet, durch finanzjuristische Spitzfindigkeiten einen Weg aus der „Sklaverei“ aller Menschen gefunden zu haben.

Was ja grundsätzlich recht nett wäre – würden sich die Mitglieder der OPPT im Zuge dieser Befreiung nicht auch als über jede staatliche Autorität erhaben sehen. Die Republik Österreich sei nur ein Vasallenkonstrukt, ein kleines Unternehmen im System der internationalen Finanzherrschaft.

Konsequenterweise sei auch das staatliche Gewaltmonopol hinfällig, dachten sich auch über hundert OPPT-Mitglieder, die in einem Hof in Hollenbach im Waldviertel (Gemeinde Waidhofen a. d. Thaya) ihr Lager aufgeschlagen hatten – und begannen kurzerhand, ihr eigenes „Justizsystem“ einzurichten.

 

Verfahren nach Naturrecht

Ausgangspunkt war ein (ordentliches) Verfahren am Bezirksgericht in Waidhofen, bei dem für ein Mitglied der sektenähnlichen Gruppe eine Sachwalterin bestellt wurde.

Das ist aber mit dem von der Gruppe als einzig verbindlich anerkannten „Common Law“, einer Art Naturrecht, nicht vereinbar – und nur ein weiterer Aspekt der „Sklaverei“, die es abzuwehren gelte.

Unter Vorgabe, Organ eines „International Common Law Court of Justice“ zu sein, hätte die Gruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig als „Souverän“ oder „Sheriff“ titulieren, „Vorladungen“, „Handlungsaufforderungen“ und „Haftbefehle“ gegen die Sachwalterin, eine Waldviertler Anwältin, ausgestellt, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems. Darin sei der Sachwalterin mit Gefangennahme und der Einziehung ihres Vermögens gedroht worden.

Mit dem „Haftbefehl“ wandte sich die OPPT unter anderem an Beamte der Polizeiinspektionen Waidhofen und Dobersberg mit der Aufforderung, bei deren Vollzug zu helfen. Zuvor hätten zwei Mitglieder der OPPT der Sachwalterin auf deren Grundstück eine „Vorladung“ zu einer „Gerichtsverhandlung“ am vergangenen Montag übergeben, „wobei eine Person deutlich sichtbar ein Messer am Gürtel trug“.

 

Nötigung, Amtsmissbrauch?

Statt der OPPT-„Verhandlung“ kam es am Montag – rund 100 Menschen waren zu dem Zeitpunkt auf dem Hof versammelt – aber zu einer anderen Amtshandlung: Beim einer Hausdurchsuchung vor dem Termin ist ein mutmaßlicher Anführer der Gruppe festgenommen worden. Seine Identität konnte mangels staatlicher Papiere nicht festgestellt werden.

Es habe bei der Durchsuchung außerdem zwei Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt gegeben, hieß es seitens der zuständigen Staatsanwaltschaft. In einem Auto sei eine (zugelassene) Pistole sichergestellt worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere OPPT-Mitglieder wegen versuchter schwerer Nötigung, beharrlicher Verfolgung und versuchter Anstiftung zum Amtsmissbrauch. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2014)