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Salzburger Festspiele: Der sanfte Beitrag im Bruckner-Zyklus

(c) EPA (Daniel Hambury)
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Bernard Haitink und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks modellierten die kontrapunktisch verrätselte Fünfte unaufgeregt und klar.

Dritter Teil des Bruckner-Zyklus der Salzburger Festspiele: Es geht ja recht durcheinander in dieser Neuner-Reihe, die sich über sechs Wochen erstreckt und am 28. August mit der Dritten schließen wird.

Wiens Philharmoniker markierten den Auftakt mit  Nummer vier, die in ihrer Letztfassung zu des Komponisten Lebzeiten wohl sein größter Erfolg war. Sie spielten in der Folge auch Nummer acht in der Zweitversion, die dem auch diesbezüglich nicht eben verwöhnten Bruckner einst seinen größten Uraufführungstriumph bescherte.

Nun dirigierte Bernard Haitink eine Aufführung der Fünften mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und stellte damit eine jener Symphonien des Meisters zur Diskussion, die nur in einer einzigen Fassung existieren. Bruckner konnte dieses, von seiner ehrgeizigsten Finalkonstruktion gekrönte Werk nie von einem Orchester gespielt hören. Ungekürzt wurde es erst vier Jahrzehnte nach seinem Tod uraufgeführt! Für nachgeborene Musikfreunde jedoch zählt die B-Dur-Symphonie zu den Gipfelwerken. Der Komponist verknüpft wie nie zuvor die vier Sätze aufs Innigste miteinander und entwirft damit eine bis zu diesem Moment in der Musikgeschichte singuläre, über knapp 80 Minuten gespannte Klangarchitektur, in ihrer Geschlossenheit ist sie vielleicht nicht einmal von Bruckner selbst übertroffen worden.

Bewährte Münchner Qualität

Mit Haitink und dem Bayerischen Rundfunkorchester hatten die Festspielen bewährte Sachwalter der Partitur zur Verfügung. Die Fünfte liegt in dieser Kombination – wie übrigens auch das heurige Eröffnungskonzert mit Haydns „Schöpfung“ – sogar bereits auf CD vor.

Haitink präsentiert sich als souveräner Organisator, führt die Musiker sicher durch sämtliche Fährnisse der rhythmisch oft heikel verschachtelten, kontrapunktisch hochartifiziellen Partitur. Die ungewöhnliche Orchesterposition direkt an der Bühnenrampe und die – im Zyklus dankenswerterweise bisher von allen drei Dirigenten gewählte – alte deutsche Orchesteraufstellung mit den zweiten Violinen rechts vom Dirigenten taten das Ihrige dazu, den Klang transparent zu halten.

Dazu die eminenten Qualitäten der Münchner Musiker: Der helle Gesamtklang, die daraus uneitel, aber charakterstark hervortretenden Soli (der Oboe und der Klarinette zumal!) – und Haitinks Verzicht auf jegliche Hervorhebung persönlicher Interpretationsansätze – ermöglichten eine ruhig fließende, sachlich klar entwickelte Wiedergabe; nicht einmal der Schlusschoral der Blechbläser stach aus der allgemeinen wohlgeordneten Euphonie heraus.

Etwas mehr erzählerischer Nachdruck hätte vielleicht den Steigerungswellen im Adagio zu mehr Stringenz verholfen. Brisant, dringlich, gar dramatisch klang an diesem Abend nichts – derlei Vokabel gehören wohl gar nicht zu Haitinks Bruckner-Wortschatz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2014)