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Die Brieftauben der „AZ“

Auf unserem Parforceritt quer durch die seltsame und schrullige Welt der Journalisten, Dichter und Denker halten wir heute bei Franz Kreuzer.

Auf unserem Parforceritt quer durch die seltsame und schrullige Welt der Journalisten, Dichter und Denker (was ja absolut nicht immer dasselbe ist) halten wir heute bei einem Chefredakteur, der für sein Blatt nahezu unersetzlich war: Franz Kreuzer. Der heute 85-Jährige leitete die „Arbeiter-Zeitung“ bis 1967, dann wurde er von Gerd Bacher für den ORF abgeworben.

Es war in den Sechzigerjahren, als der Verkehr in Wien so zu boomen begann, dass die Fotoreporter der „Arbeiter-Zeitung“ oft im Stau steckten und die Filme nicht rechtzeitig vor Redaktionsschluss zum Entwickeln in die Redaktion bringen konnten. Chefredakteur Kreuzer hatte die Glanzidee: Brieftauben! Dazu wurde im markanten Uhrtürmchen an den Rechten Wienzeile ein Taubenschlag eingerichtet. Jeder Fotograf bekam eine Taube mit auf den Einsatz und befestigte die ausgeschossene Filmrolle an den Beinen des geschulten Tieres, das auf direktem Weg, ohne Verkehrsbehinderung in den 5. Bezirk zurückflog. Einige Zeit klappte das hervorragend, bis eines Tages der Chef vom Dienst, Löwy, im Taubenschlag nur noch ein paar verendete Tiere vorfand. Man hatte vergessen, sie sie füttern. Franz Kreuzer, inzwischen schon beim TV, verteidigte seine Idee auch noch Jahre danach: „War nur ein Wartungsproblem, einfach ein Wartungsproblem.“ (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2014)