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100 Jahre Ampel: Als der Polizist beim Farbwechsel klingelte

Die Ampel wird 100 Jahre alt.
Die Ampel wird 100 Jahre alt.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die erste elektrische Verkehrsampel hat nur die Farben rot und grün. Erst später setzen sich die dreifarbigen Ampeln durch. Eine kurze Zeitreise.

Am 5. August 1914 geht in der US-Stadt Cleveland die erste elektrische Verkehrsampel in Betrieb. Sie hat die zwei Lichter rot und grün. Heute unvorstellbar: Ein Verkehrspolizist betreibt die Ampel von einer kleinen Hütte aus. Mit einer Klingel macht er auf den Farbwechsel aufmerksam. Zudem steht er in ständigem Kontakt mit Feuerwehr und Polizei, um die Kreuzung notfalls für Einsatzfahrzeuge räumen zu können.

Es soll allerdings weitere sechs Jahre dauern, ehe 1920 die US-Städte Detroit und New York die ersten dreifarbigen Ampelanlagen einführen werden. Die drei Farben Rot, Grün und Weiß stammen übrigens von Eisenbahnsignalen: Ende des 19. Jahrhunderts stand Rot für "Halt", Grün für "Vorsicht" und Weiß für "Freie Fahrt". Doch schon bald offenbart sich ein Nachteil: Zerbricht das rote Glas, zeigt die Ampel weißes Licht. Um Verwechslungen zu vermeiden, setzt sich daher die bekannte Reihenfolge Rot - Gelb - Grün durch.

Experiment Ampel gilt 1868 als gescheitert

Die Geburtsstunde der Ampel liegt aber eigentlich noch weiter zurück. Bereits 1868 wurde am Londoner Parliament Square die allererste Ampel aufgestellt. Am Tag regelten Signalflügel den Verkehr. In der Nacht leuchtete eine Gaslaterne mit den Farben Rot und Grün. Die Anlage wurde von einem Polizisten bedient, der entschied, wann er das Signal wechselte. Dann explodierte die mit brennbarem Gas betriebene Ampel nur drei Wochen nach der Inbetriebnahme. Der Polizist wurde schwer verletzt und die Ampel war Geschichte.

Die ersten elektrischen Ampeln in Europa werden erst 1922 in Paris (Rue de Rivoli/Boulevard de Sébastopol) und Hamburg (Stephansplatz) aufgestellt. In Wien leuchtet 1926 die erste Ampel an der Opernkreuzung.

Bis zur Einführung der ersten Fußgängerampeln vergeht weitere Zeit. 1933 wird in Kopenhagen die erste davon in Betrieb genommen, 1951 in Wien am Stock-im-Eisen-Platz (der ja heute nicht mehr befahren wird). Und erst im Februar 1952 heißt es erstmals in New York "Don’t Walk".

Wussten Sie, dass...

... das Grünblinken am Ende der Grünphase 1959 in Österreich eingeführt wurde.

... Autofahrer im Durchschnitt etwa zwei Wochen ihres Lebens an roten Ampeln warten.

... es während der Kulturrevolution in China Versuche gab, die Ampelfarben zu tauschen: Autofahrer sollten nicht bei Rot anhalten, da die Farbe für Kommunismus und somit Fortschritt steht. Der Versuch endete allerdings im Verkehrschaos.

Eine Welt ohne Ampeln?

Der Siegeszug der Ampel ist aber gefährdet. Immer öfter lösen auch in Städten Kreisverkehre Ampelanlagen ab. "Das funktioniert aber kaum in der Innenstadt", sagt Siemens-Ingenieur Wilke Reints, der für "Intelligente Verkehrssysteme" zuständig ist. Dabei kann sich der Experte laut "Kleine Zeitung" eine ampelfreie Welt gut vorstellen: "Weil alle Autos miteinander kommunizieren und selbst den idealen Verkehrsfluss errechnen. Aber es gibt ja noch Radfahrer und Fußgänger. Deshalb bleibt das auf absehbare Zeit wirklich nur ein Traum."

>>> Zum "Kleine Zeitung"-Bericht

Der Kreisverkehr ist auch sicherer. "Bei Ampeln geben viele Autofahrer noch mal Gas und fahren mit 70 Stundenkilometer durch", sagt etwa der Duisburger Verkehrsforscher Michael Schreckenberg - durchaus auch bei Rot. Beim Kreisverkehr müssen Autofahrer zwangsweise abbremsen. Ein weiteres Argument contra Ampel sind die Kosten. Kostet laut Schreckenberg der Bau eines Kreisverkehrs einmalig rund 200.000 Euro, kostet die Wartung einer Ampel jährlich rund 5000 Euro.

>>> Zum "Spiegel Online"-Bericht

Es geht auch ohne Ampel

Dass es auch auf hochfrequentierten Kreuzungen tatsächlich ganz ohne Ampel geht, zeigt folgendes Video, das eine Kreuzung Meskel Square in der äthiopischen Stadt Addis Abeba zeigt (Zeitraffer-Aufnahme):