Gegen den Verkauf: Bundeskanzler Gusenbauer erteilte den Überlegungen von AUA-Chef Ötsch eine klare Absage. Die Fluglinie selbst präsentierte am Montag gute Zahlen zur Passagierentwicklung.
In die Diskussion um die Zukunft der Austrian Airlines (AUA) hat sich am Montag auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SP) eingeschaltet. Die "Bundesregierung geht davon aus, dass die AUA ein österreichisches Unternehmen bleibt", sagte der Bundeskanzler am Montagvormittag vor Journalisten. Kritik übte er an der öffentlichen Diskussion über künftige Partnerschaftsszenarien. Ähnlich äußerte sich Finanzminister Wilhem Molterer (VP). Molterer sprach sich zum wiederholten Mal gegen eine Privatisierung der Fluggesellschaft aus. Allerdings räumte er ein, dass der Druck, eine Entscheidung über die Zukunft der AUA zu fällen, seit dem gescheiterten Einstieg Al Jabers noch größer geworden sei. Gusenbauer zufolge gebe es für einen mehrheitlichen Verkauf der AUA weder "Beschlüsse der Organe", noch habe sich die diesbezügliche Auffassung der Bundesregierung geändert. Kritik an der öffentlichen Diskussion
Entsprechend nahm der Regierungschef die öffentliche Diskussion um mögliche ausländische Partnerschaften der AUA in die Kritik. Die jüngsten Stellungnahmen zum Thema seien "ein wenig befremdlich", so Gusenbauer. In dieser Frage werde "in der Öffentlichkeit mit ungelegten Eiern agiert", was zu weiterer Verunsicherung beitrage. Eine Diskussion, die öffentlich und nicht auf Basis von Fakten ablaufe, sei "wenig sinnvoll". Ötsch: Die Mehrheit verkaufen
Damit ist ohne Zweifel auch AUA-Chef Alfred Ötsch gemeint. In einem Interview plädierte Ötsch gegenüber dem "Standard" klar für einen Verkauf der Merhheit. Darauf angesprochen, ob die "Stand-Alone-Variante" - also eine eigenständige AUA mehrheitlich in österreichischer Hand - möglicherweise fallen gelassen wird, antwortete Ötsch: "Wenn, dann bin ich für eine klare Lösung, also für den Verkauf einer Mehrheit." "Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher"
Er gehe "an die Überlegungen neutral heran." Das Management werde dem Aufsichtsrat im Herbst einen Vorschlag vorlegen, "ob und mit wem eine Partnerschaft gut wäre". Ötsch sagte, bis zu den extremen Ölpreissteigerungen sei er zutiefst überzeugt gewesen, dass die AUA mit Restrukturierungen so weit komme, dass sie nachhaltig positiv bilanzieren könne. "Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, jetzt ist alles anders" Die AUA selbst präzisiert
Allerdings ist man auch seitens des Unternehmens um eine Relativierung dieser Aussage bemüht. Für die AUA komme ein Mehrheitsverkauf nur dann in Frage, wenn sie alleine nicht in der Lage sein sollte, nachhaltig Gewinne zu schreiben, präzisierte am Sonntag eine AUA-Sprecherin.
Das werde jetzt in einem Projekt untersucht, dessen Ausgang völlig offen sei. "Eine Absage an eine Minderheitsbeteiligung würde es nur dann geben, falls eine Stand-Alone-Lösung nicht zu einem nachhaltig positiven Ergebnis führt", hieß es.