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Erste Bank: Was ist schiefgelaufen?

ERSTE GROUP BANK AG - VORL�UFIGES HALBJAHRESERGEBINS 2014: TREICHL
ERSTE GROUP BANK AG - VORL�UFIGES HALBJAHRESERGEBINS 2014: TREICHL(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Unter Andreas Treichl hat es die Erste Bank zu Größe gebracht. Für das zweite Quartal 2014 musste er nun wegen Wertberichtigungen in Osteuropa einen Verlust in Milliardenhöhe bekannt geben.

Wien. Die Erste Bank hat am Donnerstag für das zweite Quartal 2014 einen Verlust von 1,033 Milliarden Euro bekannt gegeben. Trotzdem stieg die Aktie. Denn die Investoren waren vorgewarnt. Bereits Anfang Juli hatte die Erste Bank für das Gesamtjahr einen Nettoverlust von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro angekündigt. Damit wird 2014 als das schlechteste Jahr in die Geschichte der Erste Bank eingehen. Die Aktionäre müssen auf die Dividende verzichten.

Schuld am Minus sind massive Wertberichtigungen auf Kredite in Ungarn und Rumänien. Zudem gibt es eine neuerliche Abschreibung auf die Tochter in Rumänien. Bereits im dritten Quartal 2011 hatte die Erste Group mit einem Milliardenverlust geschockt. Sind noch weitere negative Überraschungen zu befürchten? Hat Treichl bei der Osteuropa-Expansion etwas falsch gemacht? Die „Presse“ bringt dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

1 Wie ging es der Erste Bank, als Andreas Treichl Chef wurde?

Als Treichl 1997 Generaldirektor wurde, war die Erste Bank eine völlig unbedeutende Wiener Sparkasse. Treichl schaffte es, den zerstrittenen Sparkassensektor auf eine gemeinsame Strategie einzuschwören. Früher nahmen sich die österreichischen Sparkassen gegenseitig Kunden weg. Heute ist die Erste Bank das Spitzeninstitut und tritt mit den Bundesländer-Sparkassen gemeinsam auf.

2 Hat die Erste Bank zu spät nach Osteuropa expandiert?

Die Sparkassen haben die Osteuropa-Expansion zunächst verschlafen. Die Pioniere im Osten waren Raiffeisen und die Creditanstalt, die später von der Bank Austria übernommen wurde. Erst unter Treichl begann die Erste Bank mit der Eroberung von Osteuropa. Das Geld dafür holte sie sich über die Wiener Börse. Weil die Erste Bank spät dran war, musste sie im Osten teilweise viel Geld ausgeben.

3 Gibt es Osteuropa-Töchter, die auch Gewinne machen?

Im Jahr 2000 kaufte die Erste Bank in Tschechien zu. Die Ceska sporitelna war damals viermal größer als die Erste Bank. Wenig später übernahm Treichl in der Slowakei die Slovenska sporitelna.

Damals waren Finanzinstitute in Osteuropa noch relativ günstig. Die Töchter in Tschechien und in der Slowakei sind seit Jahren hoch profitabel.

4 Was war in Osteuropa der riskanteste Deal von Treichl?

In den Jahren 2004 bis 2007 gab es unter den Bankdirektoren bei der Eroberung Osteuropas einen Wettlauf. Wann immer eine Bank zum Verkauf stand, überbot man sich gegenseitig. Denn in Osteuropa lockten damals hohe Wachstumsraten. Bank-Austria-Chef Willibald Cernko räumt heute ein, dass Fehler gemacht wurden. Die Bank Austria setzte in Kasachstan zwei Milliarden Euro in den Sand. Nun sucht die Bank Austria einen Käufer für die ukrainische Ukrsotsbank, für die sie einst 1,5 Milliarden Euro ausgegeben hat.

Den teuersten Zukauf im Osten tätigte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl mit der rumänischen Großbank BCR, die knapp vier Milliarden Euro kostete. Doch dann kam die Finanzkrise. Und die goldenen Jahre im Osten waren vorbei.

5 Was macht Treichl nun mit der Rumänien-Tochter?

Bei der rumänischen BCR liegt der Anteil der Problemkredite bei 29,3 Prozent. Bereits in den vergangenen Jahren wurden für die BCR Wertberichtigungen vorgenommen. Im zweiten Quartal 2014 setzte die Erste Bank noch einmal einen radikalen Schritt: In Rumänien wurden der restliche Firmenwert, der Kundenstock, die Marke sowie alle immateriellen Vermögenswerte abgeschrieben. Negative Auswirkungen gibt es auch in Ungarn. Doch dafür kann Treichl wenig. Auch andere Banken machen in Ungarn Verluste. Dies hängt mit den dortigen Sondergesetzen gegen die Banken zusammen.

6 Wie geht es mit der Erste Bank weiter? Ist die Talsohle erreicht?

Trotz des Verlusts wird die Erste Bank auch heuer beim harten Kernkapital nicht unter die Quote von zehn Prozent fallen, versicherte Treichl. Die zehn Prozent waren dem Institut von der Aufsicht im Vorjahr bei der Rückzahlung der Staatshilfe vorgeschrieben worden.

Laut Treichl lasse man mit den jetzigen Maßnahmen die Probleme der Finanzkrise hinter sich. Treichl gab sich am Donnerstag zuversichtlich, mit dem für 2014 angekündigten Verlust „eine Periode abgeschlossen zu haben, die von negativen Einmaleffekten und extrem hohen Risikokosten geprägt war“. 2015 wolle das Institut dank des Wirtschaftswachstums im Osten „endlich wieder einen adäquaten Nettogewinn“ erzielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2014)