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Gazakrieg - die wichtigsten Akteure

So nahe kamen sie einander selten: PLO-Chef Abbas (l.) und Israels Premier Netanyahu bei einem Treffen 2010
So nahe kamen sie einander selten: PLO-Chef Abbas (l.) und Israels Premier Netanyahu bei einem Treffen 2010EPA
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Die gespaltene Palästinenserführung, die uneinige israelische Regierung, dazu äußere Akteure wie USA und Ägypten - eine kleine Übersicht.

Seit mehr als drei Wochen toben nun die Kämpfe im und um den Gazastreifen. Oberflächlich betrachtet stehen einander Israelis und Palästinenser gegenüber. Doch auf beiden Seiten gibt es unterschiedliche Kräfte mit je eigenen Interessen. Dazu kommen noch auswärtige Akteure wie USA oder Ägypten, mit mehr oder weniger starkem Einfluss auf die direkten Konfliktparteien. Im Folgenden eine Übersicht: 

 

Israelische Seite

  • Premier Benjamin Netanjahu: Der Regierungschef vom rechten Likud stand zunächst in Bezug auf eine Bodenoffensive auf der Bremse und bevorzugte Luftschläge gegen Ziele im Gazastreifen. Einen Meinungsumschwung hat möglicherweise der Versuch militanter Palästinenser verursacht, über Tunnel aus dem Gazastreifen nach Israel vorzudringen. Und diese Tunnel können nur mit einem Bodeneinsatz zerstört werden. Nach Beginn der Offensive haben sich diese Angriffe über Tunnel allerdings intensiviert.
  • Außenminister Avigdor Lieberman: Der Hardliner von der Rechts-Außen-Partei "Israel Beiteinu" fordert eine viel härtere Gangart und spricht sich für eine vollständige Wiederbesetzung des Gazastreifens durch die israelische Armee aus, die sich 2005 aus dem Wüstengebiet ja zurückgezogen hatte, samt 8000 Siedlern. Auf der gleichen Linie ist Wirtschaftsminister Naftali Bennett von der nationalreligiösen Siedlerpartei "Jüdisches Heim".
  • Generalstabschef Benny Gantz: Israels Oberster Militär hält sich mit Äußerungen in den vergangenen Tagen auffällig zurück. Hellsichtigt hatte er bereits im Mai vor einer neuerlichen Eskalation gewarnt: "Wir wissen, dass die relative Ruhe der vergangenen Jahre nur eine Illusion ist, dass ein einziger Funke einen Großbrand auslösen kann."

 

Palästinensische Seite

  • Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas: Der PLO-Chef hat eigentlich nur im Westjordanland das Sagen, obwohl seine Fatah im Juni eine von Israel heftig kritisierte Einheitsregierung mit der Hamas gebildet hatte. Er ist nach wie vor für politische Verhandlungen der Hauptansprechpartner Israels und des Westens, hat aber auf die Geschehnisse im Gazastreifen kaum Einfluss. Zu beachten ist allerdings: Jede Schwächung der Hamas, wie etwa derzeit durch die israelische Bodenoffensive, stärkt die Position von Abbas.
  • Hamas-Exil-Chef Khaled Meschaal: Seit Jahren die wichtigste Führungsfigur der Islamisten. Er lebte lange in Damaskus im Exil, übersiedelte im Zuge des syrischen Bürgerkrieges aber 2012 nach Doha (Katar). Dies hat insofern eine Logik, als das Herrscherhaus von Katar Unterstützer der Muslimbrüder ist, und die Hamas den Ableger dieser Organisation bei den Palästinensern darstellt. Meschaal gilt zwar als weniger kompromissbereit als lokale Hamas-Führer im Gazastreifen, ein Abkommen müsste aber in jedem Fall über seinen "Schreibtisch" laufen.
  • Hamas-Militärchef Mohammed Deif: Einer der meistgesuchten Männer auf Israels Todesliste und ein ausgesprochener Hardliner. Zunächst wurde seine Position dadurch gestärkt, dass es seinen Kämpfern gelang, trotz massiver israelischer Angriffe weiterhin Raketen auf Israel abzufeuern. Mittlerweile dürfte aber, wie man in Israel schätzt, bereits mehr als die Hälfte seines Raketenarsenals entweder verschossen oder von den israelischen Soldaten zerstört worden sein. Auf Deif kommt es letztlich an: Egal was die politische Führung der Hamas aushandelt. Er kann mit einer einzigen Rakete alles wieder zunichte machen.

 

Die äußeren Akteure

  • USA: Außenminister John Kerry hatte monatelang so intensiv wie erfolglos versucht, ein dauerhaftes Abkommen zwischen Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und der israelischen Regierung festzuzurren. Im Mai gab er jedoch entnervt auf. Für das Scheitern gab es mehrere Gründe. Zum einen hat Israel seine Siedlungspläne im Westjordanland und in Ostjerusalem trotz der Verhandlungen vorangetrieben. Zum anderen hat PLO-Chef Abbas den Weg einer internationalem Anerkennung durch die UN weiter verfolgt. Im aktuellen Gaza-Konflikt wirkt es nicht so, als hätten die USA viel Einfluss auf das Geschehen.
  • Ägypten: Kairo spielte als Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern immer eine wichtige Rolle. Allerdings wird Ägypten von der Hamas im Moment absolut nicht als vertrauenswürdiger Makler wahrgenommen. Der 2013 vom Militär gestürzte ägyptische Präsident Mursi hatte wegen der Nähe seiner Muslimbruderschaft zur Hamas einen guten Gesprächskanal nach Gaza und auch Einfluss auf die dortige Führung, zumal er auch damals die Grenze Ägyptens nach Gaza öffnete, eine Hauptforderung der Hamas. Der jetzige ägyptische Machthaber Abdel Fattah al-Sisi ist indes ein strammer Gegner der Muslimbrüder und damit der Hamas. Er kann nun erste Reihe fußfrei beobachten, wie Israel den gemeinsamen Gegner schwächt.