Die netteste deutsche Punkband hat ein neues Album. Der „Presse“ erklärten die Beatsteaks bei Marillenkuchen, warum es so bunt klingt.
Sie sind wohl die Vorzeigefamilie unter den deutschen Rockbands: Die Beatsteaks sind stets gut aufgelegt, geben mitreißende Konzerte, wirken sogar im geringelten Herrenbadeanzug cool und pflegen, wie sie erzählen, im Studio eine gesunde Konfliktkultur.
Heute veröffentlichen sie ihr siebtes Studioalbum. Dafür, dass der Vorgänger „Boombox“ (2011) höchst erfolgreich war (in Deutschland wochenlang auf Platz eins, in Österreich auf Platz drei), geben sie sich erstaunlich entspannt, was das neue Album betrifft. Warum es schlicht „Beatsteaks“ heißt? „Uns fiel stumpf nichts ein“, erklärt Sänger Arnim Teutoburg-Weiß der „Presse“. Ob das Album mit Urlaubsfoto auf dem Cover und einigen kurzweiligen Feel-good-Liedern ein Sommeralbum sein soll? Nein, nur die Stimmung im Studio sei „ganz gut“ gewesen, so habe sich das ergeben. Warum überhaupt ein neues Album? „Weil wir nicht viele andere Sachen können“, so Gitarrist Peter Baumann.
So einfach kann das sein. Zu sagen gäbe es über das neue Album dennoch einiges: Etwa, dass sich die Beatsteaks darauf – ganz in der Tradition ihrer letzten Alben – weiter vom Punkrock, ihrer Stammdisziplin, mit dem sie 1995 begannen (immerhin spielten sie im Vorprogramm der Sex Pistols) wegbewegen und sich allerlei anderen Genres zuwenden. „Gentleman Of The Year“ ist eine lauwarme Discobeat-Nummer: Dass ausgerechnet dieses Lied als erste Single ausgekoppelt wurde, überrascht – das Album hätte mehr zu bieten. „Be Smart And Breathe“ etwa, eine punkige Powerpop-Nummer mit kraftvollen Gitarrenwänden und melodiöser Dynamik. Oder „Pass The Message“, einen fröhlichen Offbeat-Song, der mit seinen Bläsersätzen und der Beinahe-a-cappella-Einlage zwar gar nicht nach dem klingt, was man von der Band gewohnt ist, aber ordentlich mitreißt. Dazwischen hört man noch ein paar Neunzigerjahre-Popsounds, sanfte Instrumentals wie aus einem Disneyfilm und natürlich einige Gitarrenriffs (sogar im 6/8-Takt).
Insgesamt dennoch eine etwas weichgespülte Angelegenheit, die erlösende Härte geht in der Poplauge unter, die großen Hits fehlen. Durchdringend ist da nur die unverkennbare Stimme von Teutoburg-Weiß. Wohl ihretwegen klingt die Band immer noch klar nach sich selbst – trotz stetigen Stilbruchs. Den der Sänger freilich gut findet. „Für uns muss ein Album bunt sein“, sagt er, im Schatten einer Koje auf dem Deck des Wiener Badeschiffs sitzend und Marillenkuchen essend. „Wir wollen uns nichts entgehen lassen.“
Steckt dahinter nicht das Kalkül, massentauglicher zu werden? Das bestreitet die Band: Sich gegenseitig zu überraschen und dabei Spaß zu haben, nur darum gehe es. „Das ist nichts anderes, als wir auf der ersten Platte gemacht haben. Da kannten wir zwar nur diese drei Akkorde, aber wir haben auch versucht, das Beste rauszuholen“, so Baumann. Und Teutoburg-Weiß schießt nach: „Die Beatsteaks von 1995 würden die Band von heute ziemlich cool finden.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2014)