„Die Weberischen“ sind in der Wiener Volksoper gelandet und kennen nur einen Star: Robert Meyer.
Und schon wieder ist Mozartjahr! Zwei Jahre nach den mehr oder weniger gelungenen Huldigungen zum 250. Geburtstag gibt es ein Wiedersehen mit einer leichteren Produktionen von 2006. Die Vereinigten Bühnen hatten damals mit „Die Weberischen“ großen Erfolg, einer Art Life Ball für Traditionalisten. Regisseurin Stephanie Mohr kam mit ihrer Inszenierung 2007 sogar zu einem Nestroy-Spezialpreis. Das Geheimnis des Erfolgs: Die gut zwei Stunden dauernde Show ist gefällig. Felix Mitterer hat ein Libretto geschrieben, dessen Frauenfeindlichkeit zu aberwitzig ist, um ernst genommen zu werden, Christian Kolonovits hat die passenden Ohrwürmer arrangiert, die Mozart zum Urvater des Kitsches machen, das bestens disponierte Orchester erfüllt ihm den Wunsch. Und die Tiger Lillies aus London sorgen für den nötigen schwarzen Humor, der die Farce ernst genug macht.
Der ganze Abend aber steht und fällt mit dem einzigen Superstar der Volksoper, der auch bei der Premiere am Samstag glänzte. Kein anderer Mann stöckelt so elegant über die Bühne wie Direktor Robert Meyer, der anfangs Mozarts Librettisten Schikaneder gibt, um alsbald in Frauenkleider zu schlüpfen und Mutter Weber zu spielen. Seine Interpretation der Cilly, die mit ihren Töchtern Geschäfte macht, Konstanze an Mozart verklopft, hat etwas Bedrohliches. Hoffentlich springt diese Person, denkt man sich, nicht auch als Direktor so mit dem Personal um. Meyer hat die Damen, die seine Töchter mimen, jedenfalls an die Wand gespielt. Mit seinem Furor können Ulrike Beimpold (als kettenrauchende Josefa), Anne Weber (Aloisia), Tanja Schleiff (Konstanze) und Ruth Brauer-Kvam (berührend als Sofie) nicht mithalten, nicht einmal gesanglich.
Die Lieder werden ohnehin von den Tiger Lillies dominiert – wer Martyn Jacques (Gesang, Akkordeon), Adrian Huge (Schlagzeug) und Adrian Stout (Kontrabass) mag, für den lohnt sich der Abend auch ohne die halbseidene Weberei: „Life's a Bitch“, heißt es in Neonschrift, und der böse Jacques singt das auch, er singt „Screw You“ oder „Love for Sale“. Um das vor allem geht es bei den Bildern aus Mannheim, München und Wien, die zwischen 1778 und 1791 spielen (das Bühnenbild von Miriam Busch hat den Charme des Wiener Südbahnhofs). Ein kleines Requiem beschließt die Show: „Death Song“, „Murdered Mozart“, „Nothing“. So endet das Göttliche im Nihilismus.
Ein beinahe Brechtscher Gag lässt das Abgründige an diesem sonst so harmlosen Stück durchschimmern, das für die Volksoper Hit-Qualitäten hat: Cilly fummelt an Josefa herum. „Aber Herr Direktor!“, tadelt sie. Cilly und Josefa singen Papageno, Papagena: „Nicht schlecht, Frau Beimpold!“, komplimentiert der Direktor. So viel Meta-Ebene ist für die Weberischen erstaunlich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2008)