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Israel: Vermisster Soldat im Kampf gefallen

Undated handout of Israeli soldier Hadar Goldin
Hadar GoldinREUTERS
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Der 23-Jährige wurde laut Militärangaben nicht entführt. Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg am Sonntagmorgen weiter an.

Der entführt geglaubte, 23-jährige israelische Leutnant Hadar Goldin ist nach Angaben des Militärs tot. Wie die israelischen Streitkräfte am frühen Sonntagmorgen mitteilten, wurde Goldin am Freitag beim Kampf im Gazastreifen getötet. Israel hatte seit Freitag mit einem großen Militäraufgebot nach dem Soldaten gesucht. Ganze Truppenformationen durchkämmten im südlichen Gazastreifen Häuser und verdächtige Orte, unterstützt von massivem Artilleriefeuer. Die Militärangriffe auf den Gazastreifen wurden verstärkt. Dabei wurden mehr als hundert Palästinenser getötet.

Die meisten der Ziele lagen in der südlichen Stadt Rafah und ihrem Umland. Dort, so die ursprüngliche Annahme, sollen militante Islamisten den israelischen Soldaten am Freitagmorgen entführt haben. Der bewaffnete Arm der Hamas bestritt, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben.

Nach neuesten Angaben des israelischen Militärs arbeitete die Einheit des Vermissten Soldaten an der Zerstörung eines sogenannten "Terror-Tunnels", als militante Palästinenser sie angriffen. Der unterirdische Gang reichte zwei Kilometer tief in israelisches Gebiet hinein. Die palästinensischen Kämpfer seien aus dem Tunnel heraus aufgetaucht und hätten den israelischen Trupp angegriffen, berichtete die "Jerusalem Post". Demnach zündete einer von ihnen eine Sprengstoffweste, wie sie Selbstmordattentäter verwenden. Zwei israelische Soldaten wurden dabei getötet.

Gaza: Mindestens 30 Tote bei Luftangriffen

Die israelischen Streitkräfte haben am Sonntag ihre Angriffe im palästinensischen Gazastreifen fortgesetzt. In der südlich gelegenen Stadt Rafah seien mindestens 30 Menschen getötet worden, hieß es nach palästinensischen Angaben. Neun der Opfer gehörten zu einer einzigen Familie, teilten Krankenhaussprecher mit.

Die israelische Armee begann am Sonntag laut eigenen Angaben mit dem Rückzug von Bodentruppen aus dem Gazastreifen begonnen. Zudem würden andere Truppenteile innerhalb des palästinensischen Küstengebiets verlegt, sagte Armeesprecher Peter Lerner und bestätigte damit erstmals offiziell die Einleitung eines teilweisen Abzugs der Bodentruppen. "Wir ziehen Truppenteile zurück, andere verändern ihre Position innerhalb des Gebiets, diese Operationen dauern derzeit an", erläuterte Oberstleutnant Lerner.

Netanyah: Tunnel-Zerstörung geht weiter

Am Vorabend hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu angekündigt, die Offensive werde auch nach der Zerstörung des Tunnelsystems der radikal-islamischen Hamas weitergehen. Sollte die Hamas ihre Angriffe auf Israel fortsetzen, werde sie einen furchtbaren Preis zahlen. Netanyahu kündigte eine Fortsetzung des Einsatzes an, bis das Ziel erreicht sei, den "Frieden nach Israel zurückzubringen".

 

Laut Mitteilung des Gesundheitsministerium in Gaza sind bei israelischen Angriffen seit Beginn der Militäroffensive am 8. Juli mehr als 1700 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 9000 wurden verletzt. Nach Angaben aus Gaza wurden bisher mehr als 10.000 Häuser zerstört. Israel hat den Tod von 64 Soldaten und drei Zivilisten bestätigt.

Angriff nach Beginn der Waffenruhe?

Der israelischen Armee zufolge ereignete sich der Angriff am Freitag eineinhalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe, die die Vereinten Nationen (UN) und die USA zwischen Israel und militanten Palästinensern vermittelt hatten. Israel erklärte daraufhin die Waffenruhe für gescheitert und verstärkte seine Angriffe. Ein ranghohes Hamas-Mitglied widersprach dieser Darstellung. Der Vorfall sei vor Beginn der Waffenruhe passiert, sagte Mussa Abu Marsuk, der Vize-Auslandschef der radikal-islamischen Hamas, der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Ein israelischer Regierungsbeamter hatte am Samstag nach der mutmaßlichen Entführung mitgeteilt, sein Land werde vorerst keine Delegation nach Kairo schicken, um über eine Feuerpause zu sprechen. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo traf unterdessen eine palästinensische Delegation ein, die sich im Namen der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland für Verhandlungen bereithalten will.

Letzte Soldatenentführung im Jahr 2006

Zuletzt war 2006 der Soldat Gilad Shalit von einem Kommando unter Leitung der Hamas von israelischem Boden aus durch einen Tunnel in den Gazastreifen verschleppt worden. Er kam erst mehr als fünf Jahre später frei - im Tausch gegen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge. Israel hat inzwischen eine Reihe dieser Freigelassenen wieder festgenommen.

(APA/dpa/AFP/Reuters)