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Banken: Ärger mit dem Stresstest

Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) dürfte wieder Geld brauchen.(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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In Österreich kritisieren Bankmanager den Stresstest der Europäischen Zentralbank. Denn die Annahmen für Osteuropa seien zu pessimistisch, heißt es. Die ÖVAG durfte durchfallen.

Wien. Es ist kein Zufall, dass die Bank Espirito Santo in Portugal ausgerechnet jetzt gerettet wird. Seit dem Frühjahr überprüft die Europäische Zentralbank (EZB) die Bilanzen von 124 Großbanken. Denn im November übernimmt sie die Oberaufsicht über die Finanzinstitute in der Eurozone. Zuvor will die EZB sicherstellen, dass alle Leichen in den Bankbilanzen beseitigt werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, beauftragte die EZB externe Wirtschaftsprüfer. Denn in einigen Ländern misstraut die Zentralbank den nationalen Aufsehern. Österreichs Banken haben mit den Instituten in Portugal eines gemeinsam: Sie sind internationalen Studien zufolge bei der Profitabilität in der Eurozone die Schlusslichter.

Dramatisches Szenario

Die EZB-Überprüfung läuft in zwei Phasen ab: Bis August läuft der Bilanzcheck, in der Fachsprache Asset Quality Review genannt. Hier geht es darum, ob die Banken genügend Vorsorgen für Risken gebildet haben. Im September läuft dann der eigentliche Stresstest. Dabei wird eine neuerliche Finanzkrise mit einem drastischen Konjunktureinbruch simuliert. Dabei müssen die Banken beweisen, dass sie auch in diesem Szenario über genügend Eigenkapital verfügen.

Der frühere Deutsche-Bundesbank-Präsident Axel Weber warnte jüngst bei einer Nationalbank-Tagung in Wien vor einem Zusatzstress für Österreichs Banken, weil diese stark in Osteuropa engagiert sind. Im Stresstest geht die EZB davon aus, dass Osteuropa von einer neuerlichen Finanzkrise wesentlich härter getroffen würde als Westeuropa.

Für Russland wird beispielsweise bis Ende 2016 ein kumulierter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 18,1 Prozent simuliert. Das wäre für Österreichs Banken schlimm, denn diese haben in Russland Kredite von 20 Milliarden Euro ausständig. Zum Vergleich: Für die Eurozone wird in dem Stresstest nur ein BIP-Rückgang von 2,1 Prozent angenommen. Hinter vorgehaltener Hand ärgern sich österreichische Bankdirektoren, dass in dem Stresstest Osteuropa schlechtgemacht werde.

Auch in Ostländern, denen es wirtschaftlich gut geht wie Polen, wird bis 2016 ein kumulierter Preissturz bei Immobilien von 19,7 Prozent angenommen. Viele Institute treffen noch während des Tests Maßnahmen, um die EZB milde zu stimmen. Bei einigen deutschen Banken gab es Kapitalerhöhungen. Und die Erste Group erhöhte die Risikovorsorgen.

Milliarden im Bankenpaket

In Österreich werden von der EZB folgende Banken unter die Lupe genommen: die Raiffeisen-Zentralbank (RZB), die Raiffeisen-Landesbanken NÖ-Wien und Oberösterreich, die Bawag, die Erste Group, die ÖVAG und über die italienische UniCredit-Group auch die Bank Austria. So gut wie fix ist, dass die ÖVAG durchfallen wird. Diese benötigt zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde Euro.

Die anderen Institute dürften den Test vermutlich bestehen, aber keinen „Schönheitspreis“ gewinnen, heißt es. Genaueres weiß man im Oktober, wenn die Ergebnisse veröffentlicht werden. Die Regierung stockte zuletzt mit dem Hypo-Sondergesetz das staatliche Banken-Hilfspaket von 15 Milliarden Euro auf 22 Milliarden Euro auf.

Im Finanzministerium heißt es, die Aufstockung sei wegen der Hypo erfolgt. Doch in Finanzkreisen wird spekuliert, dass ein Teil des Geldes abgezweigt werden könnte, falls beim Stresstest doch Probleme auftauchen.

Wie es mit dem Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG weitergeht, ist offen: Die Bankenaufsicht drängt dem Vernehmen nach auf eine Kapitalerhöhung. Doch Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) legt sich quer. Denn die ÖVAG hat vom Bund schon eine Milliarde bekommen. Mehrheitseigentümer der ÖVAG sind die Bundesländer-Volksbanken. Diese haben auch wenig Lust, Geld lockerzumachen.

Die Regierung will erst nach dem EZB-Test über die weitere Vorgangsweise bei der ÖVAG entscheiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2014)