Vor dem letzten Major des Jahres bestätigte der Nordire seine Bestform. Tiger Woods quält erneut der Rücken, sein Antreten ist fraglich.
Akron/Wien. Rory McIlroy ist zurück auf dem Thron. Zwei Wochen nach seinem Galaauftritt bei den British Open triumphierte der Nordire auch beim Bridgestone Invitational in Akron mit 265 Schlägen (15 unter Par) vor Sergio Garcia (ESP/267). Der 14. Tour-Sieg seiner Karriere brachte dem 25-Jährigen nicht nur umgerechnet 1,2 Millionen Euro Preisgeld ein, sondern hievte ihn erstmals seit März 2013 wieder an die Spitze der Weltrangliste, wo er den Australier Adam Scott ablöste.
Zudem feierte McIlroy einen durchaus seltenen Erfolg, war es doch zuletzt Tiger Woods 2006 gelungen, unmittelbar nach einem Major auch bei einem Turnier der WGC-Serie zu gewinnen. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich mich nicht auf dem Sieg in Hoylake ausgeruht, sondern konsequent nach vorn geschaut habe“, erklärte McIlroy. „Das werde ich diesmal genauso halten. Am Ende des Jahres bleibt mehr als genug Zeit zum Feiern.“ Schließlich geht es bereits ab Donnerstag für ihn um den vierten Major-Sieg, gilt er doch nicht erst seit Sonntag als großer Favorit auf das PGA Championship in Louisville, Kentucky. „Mir geht es nicht darum, das Jahr als Nummer eins abzuschließen, sondern möglichst viele Titel zu holen. Und so wie ich im Moment spiele, sind heuer noch einige drin“, lautete seine Ansage, auch im Hinblick auf den diesjährigen Ryder Cup.
Volle Konzentration auf Golf
Nach dem sieglosen Seuchenjahr 2013 hat McIlroy wieder zur Bestform gefunden. Die Abstimmung mit dem Nike-Material ist endlich gefunden, der gewaltige Druck des 200-Millionen-Dollar-Rekorddeals scheint abgeschüttelt. Einen weiteren Erfolgsgrund vermuten Experten in der überraschenden Trennung von seiner Verlobten, der dänischen Tennisspielerin Caroline Wozniacki, Ende Mai. Seither dreht sich in McIlroys Leben wie in früheren Jahren alles nur noch um Golf. „Mein Fokus liegt voll und ganz darauf“, erzählte dieser. „Ich möchte mein Leben auf meine eigene Art leben. Schon als Kind habe ich nicht von einem normalen Leben, sondern von Siegen bei den großen Turnieren geträumt.“
Bei Tiger Woods haben sich die Prioritäten hingegen längst verschoben. „Meine Kinder sind das Wichtigste, erst danach kommt der Sport“, erklärte der zweifache Vater, der den letzten seiner 14 Major-Siege 2008 und damit im Jahr vor der Geburt seines Sohnes feierte. Ob er ab Donnerstag um den 15. Titel mitspielen kann, ist äußerst fraglich, musste er in Akron doch als Titelverteidiger die Schlussrunde wegen Rückenproblemen vorzeitig abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Woods auch beim dritten Turnier seit seinem Comeback nach der Rückenoperation Ende Juni mit dem Sieg längst nichts mehr zu tun.
Immer lauter werden inzwischen die Zweifel, ob der 79-fache PGA-Sieger überhaupt noch einmal zu alter Stärke finden wird. Denn Woods steht zunehmend sein eigener Körper im Weg. Zu vier Knie-Operationen gesellen sich wiederkehrende Probleme mit Nacken und Ellbogen, im März quälte den 38-Jährigen dann ein eingeklemmter Nerv im Rücken. Stellvertretend für viele hofft auch US-Kollege Phil Mickelson: „Wir lieben es, mit ihm und gegen ihn zu spielen und wollen ihn bald zurück auf dem Platz haben.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2014)