Euro 2008: Kick it like Eva Glawischnig

(c) APA (Roland Schlager)
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Fußball gegen Rassismus: Ein Promi-Match im Parlament – und eine Präsidentin beim Schuss-Training.

WIEN. Die „Fußballgöttin“ trägt rotes Trikot und weiße Turnschuhe – und ist doch eine Grüne. Eva Glawischnig, die Dritte Nationalratspräsidentin, hat sich sportlich herausgeputzt am Dienstag, es war ja auch ihre Idee, die 18 Tage vor Beginn der Euro Eingang gefunden hat ins Parlament. „Fußball verbindet! – Fußball. Versteht sich!“ ist kein Gesetzesantrag, der Fußballspiele dauerhaft in der Säulenhalle etablieren soll. Sondern ein Anti-Rassismus-Event.

Wobei das mit dem Tore schießen im Parlament so eine Sache ist. Vor 30 Jahren haben angeblich junge Abgeordnete eines Nachts den Ball durch die geheiligten Hallen gedonnert. Geheim natürlich. Am Dienstag ist das anders: Da wird hochoffiziell gekickt, wo sonst nur geredet wird. Und weil es dazu auch ein Spielfeld braucht, wurden zwischen den Säulen eigens Rasenziegel verlegt: 15-mal fünf Meter mit Bande und Netzen, damit nur ja nichts kaputt geht.

Bauchweh hat Parlamentspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) trotzdem: „Ich denke, es wird so gespielt, dass das Glasdach danach noch heil ist – zumindest hoffe ich das.“ Hinter dem sportlichen Ereignis stehe vor allem aber ein politisches Signal: „Dass Rassismus im Fußball keine Chance hat.“

Alsdann pfeift Bundesliga-Schiedsrichter Fritz Stuchlik das Match auch schon an. Das „rote“ Promi-Team mit Peter Schöttel (ehemals Rapid), Toni Pfeffer (früher Austria) und Rapid-Kapitän Steffen Hofmann trifft auf eine Migranten-Auswahl in „Weiß“. Bestückt mit Spielern der New African Football Academy Wien und des Vienna Türkgücu zum Beispiel.

Ein Duell, das sich auch etliche Politiker nicht entgehen lassen. Wann wurde etwa Fritz Verzetnitsch, Gewerkschafts-Präsident außer Dienst, zuletzt gesichtet? Er steht in der ersten Reihe, bewaffnet mit einer Kamera, und hat es auf die Rapidler abgesehen. Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) hält die Stellung für den Sportminister: Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) musste krankheitshalber absagen. Dafür verfolgt BZÖ-Chef Peter Westenthaler das Geschehen an der Seite eines Schwarzafrikaners – auch das eine Art Statement, wenn man so will.

Das Spiel selbst? Fair, vor allem. Einmal abgesehen von einem Hofmann-Pass, der sich mitten ins Gesicht der Moderatorin verirrt (das Sprachzentrum wird nicht beschädigt). Am Ende haben die Migranten Nachsicht mit den Promis und besiegeln den 4:4-Endstand per Eigentor. So schön kann Fußball sein, wenn es die Regie so haben will.

Der Funke springt über, auch auf die selbst ernannte „Fußballgöttin“. Eva Glawischnig übt sich zwischenzeitlich im Schießen. Der erste Freistoß geht daneben, obwohl kein Tormann zwischen den Pfosten steht. Erst den Elfmeter (oder eher: Fünfmeter) verwandelt sie. Immerhin, 18 Tage bleiben noch zum Üben – und einen Trainer hätte sie sogar daheim: Ihr Ehemann Volker Piesczek hat in den 90er-Jahren rund 30 Bundesliga-Spiele für den Wiener Sportklub absolviert. Als Profi nämlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2008)

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