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„Die Polizei ist einfach mein Leben“: Andreas Lust trägt weiter Uniform

Drehpause: Schauspieler Andreas Lust am Wiener Vogelweidplatz.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Schauspieler Andreas Lust über sein jüngstes Filmprojekt, in dem er einen Polizisten spielt, der einen 14-jährigen Einbrecher erschießt.

Möglichst trostlos soll der Treffpunkt sein, hat sich Andreas Lust gewünscht. Ein Ort, der von einer verschwendeten Jugend erzählt, von perspektivenlosen jungen Menschen. Irgendwo zwischen Lugner City und dem Vogelweidpark im 15. Bezirk ist der Schauspieler fündig geworden. Triste, graue Wände, zwischendurch mit Graffiti besprayt, die von der Wut auf die Gesellschaft erzählen, vom Zorn auf die Polizei. Hier, findet Lust, gebe es die passenden Fotomotive zu der Geschichte, die er erzählen möchte.

Und die handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die aus Langeweile im Einkaufszentrum einer Kleinstadt abhängt, tagein, tagaus, bis zwei von ihnen eines betrunkenen Abends auf die Idee kommen, in das Lager des Supermarkts einzubrechen. „Wir waren da“ heißt der erste Kinofilm von Stephan Richter, der auf den wahren Begebenheiten von 2009 beruht, als in einem Kremser Supermarkt Polizisten auf zwei jugendliche Einbrecher schossen, einen dabei schwer verletzten, den anderen, gerade 14 Jahre alt, tödlich in den Rücken trafen.

Andreas Lust spielt in dem Film, der 2015 in die Kinos kommt, jenen Polizisten, der die tödlichen Schüsse abgibt. „Da bin ich natürlich mit mir selbst im Konflikt“, erzählt Lust. „Als Schauspieler versuche ich, die Tat nachvollziehbar zu machen, Emotionen reinzulegen, die erklären, wie es so weit kommen konnte. Als Privatperson verachte ich das, was der Polizist getan hat, zutiefst.“ Dass er „einem kleinen, schmächtigen Buben, der wegläuft, von hinten in den Rücken schießt, darf einfach nicht passieren“.

„Schnell ermittelt“ wieder

An den realen Fall erinnert sich der Wahlberliner noch gut. Kurz davor hatte er sich mit dem „Post-Shooting“-Trauma beschäftigt – als Vorbereitung für seine Rolle in „Revanche“, in dem er ebenfalls einen Polizisten spielt, der versehentlich die Komplizin eines Bankräubers erschießt.

Das milde Urteil für den Kremser Polizisten – acht Monate bedingt, er arbeitet heute nach wie vor bei der Polizei – kann der „Gerechtigkeitsfanatiker“ Lust nicht nachvollziehen. Auch nicht, wie es überhaupt so weit kommen konnte. „Wenn du mit deinem Leben zufrieden bist, passiert dir so etwas nicht. Der Mann muss unter irgendeinem psychischen Stress gestanden sein.“ Gerne hätte er den Polizisten getroffen, um zu erfahren, „was das für ein Typ ist“. Weil das nicht möglich war, studierte er die Gerichtsakten. „Es war wahrscheinlich so, dass ich in der Situation überreagiert habe“, hat der Polizist vor Gericht gesagt. Lust wiederholt die Worte, die Ablehnung ist spürbar.

Vielleicht wird er diesen Satz demnächst auch vor der Kamera sagen: Denn auch Regisseur Florian Flicker plant einen Film über den Kremser Fall, bei dem die Polizisten im Fokus stehen. Auch bei diesem Projekt soll Lust den Polizisten spielen, eine (ungeplante) Fortsetzung sozusagen. „Wir waren da“ ist jedenfalls eben abgedreht, in Kürze steht Lust in Innsbruck wieder vor der Kamera – hier spielt er ebenfalls einen Polizisten in der Verfilmung der „Metzger“-Krimis von Thomas Raab. Davor, im Frühsommer, hat er für den ORF-Krimi „Kreuz des Südens, ebenfalls einen Polizisten verkörpert, der nach einem missglückten Einsatz in Wien ins Burgenland kommt. Ein Film (Ausstrahlung: 2015) über Wurzeln, Heimat, Familie. Daneben läuft auch das „Schnell ermittelt“-Rad weiter: Im September wird der vierte 90-Minüter der Serie gedreht. Lust spielt darin bekanntlich zwar keinen Polizisten, aber den Gerichtsmediziner Stefan Schnell.

Ziemlich viele Polizistenrollen, oder? „Die Polizei ist einfach mein Leben“, sagt Lust und lacht. Um dann kurz ernst zu werden: „In den Angeboten überwiegen diese Rollen, aber das ist kein Wunder: 80 Prozent der Filme, die gedreht werden, sind Krimis.“ Der Rest sei zum  Großteil „Schmonzetten, die ich versuche zu umschiffen.“ Stört ihn die Schublade „Ermittler“ nicht? „Na ja, nein. Wobei ich gerne auch etwas anderes machen würde.“ Komödien etwa. „Es gibt da diese Schublade, in der die Lustigen drinnen sind. Da bin ich halt nicht drinnen. Wahrscheinlich, weil ich lange Zeit immer die dramatischen Figuren gespielt habe.“

Zur Person

Andreas Lust, Jahrgang 1967, hat eben „Wir waren da“ abgedreht. In diesem Kinofilm spielt er jenen Polizisten, der 2009 einen 14-Jährigen nach einem Einbruch in einen Supermarkt erschossen hat. Demnächst steht der gebürtige Wiener für die Verfilmung der „Metzger“-Krimis an der Seite von Robert Palfrader vor der Kamera. Im September wird eine weitere 90-Minuten-Folge von „Schnell ermittelt“ gedreht. Mit dieser Serie und dem für einen Auslands-Oscar nominierten Film „Revanche“ sowie „Der Räuber“ wurde Lust einem breiten Publikum bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2014)