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Deutschland: Ruf nach "Grundrecht auf Urlaubsreisen"

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APA/EPA/MARCO DE SWART
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Jeder fünfte Deutsche kann sich keine Urlaubsreise leisten. Das soll sich nun ändern, wenn es nach den Linken geht. Sie wollen Sozialhilfe-Empfänger mit Gutscheinen in den Urlaub schicken.

In drei ostdeutschen Bundesländern - Sachsen, Thüringen und Brandenburg - wird bald gewählt. Und die Linke hat ein Thema gefunden, das perfekt in den hochsommerlichen Wahlkampf passt: Parteichefin Katja Kipping forderte im Interview mit der "Welt am Sonntag" ein "Grundrecht auf Urlaubsreisen". Jeder fünfte Deutsche (und rund drei Millionen Kinder) können nicht auf Urlaub fahren, so Kipping. Sie sprach sich deshalb dafür aus, Urlaubsgutscheine im Wert von 500 Euro pro Jahr für Sozialhilfe-Empfänger auszustellen.

Zwei Wochen Ferienlager für Kinder

"Alle Menschen mit niedrigem Einkommen, also Sozialleistungs- und Wohngeld-Berechtigte, sollten Gutscheine erhalten, die sie für Urlaubsreisen einlösen können", so Kipping. Und weiter: "Kindern sollten wir grundsätzlich anbieten, zwei Wochen kostenfrei Urlaub im Ferienlager oder in Ferienfreizeiten zu machen".

Die Grundidee der Linken findet im Urlauberland Deutschland durchaus Anklang. Allerdings gibt es Kritik an den Details. So warnte etwa Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, vor einem "neuen Gutscheinmurks". Stattdessen sollte die Förderung mehr vor Ort geregelt werden, Jugendverbände sollten laut Schneider eine Schlüsselrolle einnehmen. Auch bei Erwachsenen seien 500-Euro-Gutscheine kaum zielführend. Bestehende Angebote, wie zum Beispiel Mutter-Kind-Kuren, sollten stattdessen ausgebaut werden.

Bisherige staatliche Leistungen

Das Bildungs- und Teilhabepaket der Regierung sieht vor, dass bedürftige Familien für Ferienfreizeiten ihrer Kinder Anspruch auf zehn Euro pro Monat haben, die angesammelt eingelöst werden können. Die Veranstalter nehmen die Gutscheine als Zahlungsmittel entgegen und rechnen mit der jeweiligen Kommune ab.

"Sozialistische Einheitsbeglückung"

Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, sieht grundsätzlich Handlungsbedarf. Es sei wichtig, dass "Kinder aus sozial und finanziell schwachen Familien ausreichend Erholung auch von ihrem schwierigen Lebensumfeld bekommen", sagte der CDU-Politiker der "Welt". Er warnte aber vor "sozialistischer Einheitsbeglückung durch den Staat".

In den Sozialen Netzwerken wird das Grundrecht auf Urlaubsreisen bereits heftig diskutiert:

>>> Artikel auf "Welt.de"

(Red.)