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Unis: Frauen studieren erfolgreicher

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Studienabschlussquote liegt bei Frauen bei 50,5 Prozent, bei Männern hingegen nur bei 43,7 Prozent. An der Musik-Uni Wien gibt es die größte Kluft zwischen den Geschlechtern.

Wien. Das Geschlechterverhältnis an den Universitäten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: Frauen sind mittlerweile nicht nur bei den Studienanfängern und Absolventen in der Überzahl – sie studieren auch erfolgreicher als Männer.

Die Studienabschlussquote – also das Verhältnis der Abschlüsse zu den Abbrüchen in einem Fach in einem Jahr (ohne die ersten zwei Semester) – liegt bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Im Studienjahr 2012/13 pendelte sich die Abschlussquote bei Frauen bei 50,5 Prozent ein, bei Männern dagegen bei nur 43,7 Prozent. Insgesamt haben damit 47,5 Prozent all jener, die nicht mehr weiter studieren, das Studium auch erfolgreich abgeschlossen. Der Rest hat es hingegen abgebrochen. Das zeigt ein Blick auf die Studienabschlussquote in den Wissensbilanzen der Universitäten.

An den drei größten Unis Österreichs liegt die Erfolgsquote der Studentinnen sogar um jeweils rund zehn Prozentpunkte über jener der Studenten. An der Uni Wien sind es 51,5 gegenüber 41,2 Prozent, an der Uni Graz 43 gegenüber 34,5 Prozent und an der Uni Innsbruck 54,9 gegenüber 47,3 Prozent. Auch an den meisten anderen Unis sind Geschlechterunterschiede zwischen fünf und zehn Prozentpunkten auf der Tagesordnung. Die größte Kluft zwischen den Geschlechtern gibt es an der Musik-Uni Wien, wo die Frauenabschlussquote bei 70,4 Prozent und jene der Männer nur bei 49,5 Prozent liegt. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: An der Wirtschaftsuniversität (WU), der Technischen Universität (TU) Wien, der Medizin-Uni Innsbruck und der Montanuni Leoben sind die Erfolgsquoten der Geschlechter gleich hoch. An der Uni Linz sind die Männer sogar etwas erfolgreicher.

Zugangshürden helfen

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine eindeutige Erklärung, warum Frauen meist erfolgreicher sind: „Wir können hier nur spekulieren“, sagt Martin Unger vom Institut für Höhere Studien (IHS) im Gespräch mit der „Presse“. Zwar seien Männer etwas häufiger erwerbstätig als Frauen. Das allein könne das Phänomen aber nicht erklären, so Unger. Auffällig sei jedenfalls, dass Frauen nicht nur häufiger ein Studium abschließen, sondern auch schneller studieren.

Nach Unis betrachtet verzeichnen jene Hochschulen die höchsten Abschlussquoten, an denen es Zugangsbeschränkungen gibt: Die Med-Uni Wien kommt (Männer und Frauen zusammen) auf 81 Prozent, das Mozarteum auf 72 Prozent, die Veterinärmedizinische Universität auf 71,5 Prozent und die beiden Medizin-Unis in Graz und Innsbruck auf je 68 Prozent.

Berechnung wird kritisiert

Von solch hohen Abschlussquoten können andere Unis nur träumen: An den Unis Wien, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt sowie der TU Graz liegen diese um die 50-Prozent-Marke. Besonders niedrige Studienabschlussquoten gibt es an der WU (45 Prozent), der Montanuni Leoben und der TU Wien (je 41 Prozent) und der Uni Graz (40 Prozent). Am seltensten erfolgreich sind die Studierenden in Linz. Dort liegt die Abschlussquote gerade einmal bei 36 Prozent.

Die Uni Linz verteidigt sich: Es sei nur „bedingt zulässig“, eine Erfolgsquote über alle Fakultäten und die unterschiedlichsten Zielgruppen zu berechnen. An der Uni Linz geht man davon aus, dass die Abschlussquote unter anderem deshalb so gering ist, da es einen hohen Anteil an berufstätigen Studierenden gibt und vermehrt längere Diplom- und nicht kürzere Bachelorstudien angeboten werden.

Für die Unis könnten die Abschlussquoten noch zu wichtigen Indikatoren werden. Um Geld vom Bund zu bekommen, werden sie zunehmend am Output gemessen. Bei einem neuen Modell der Uni-Finanzierung könnte es nicht nur mehr Geld für einen höheren Anteil prüfungsaktiver Studenten geben, sondern auch für eine höhere Absolventenquote. (j. n./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2014)