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Ebola: WHO erlaubt den Einsatz experimenteller Wirkstoffe

APA/EPA/AHMED JALLANZO
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Auch die WHO erlaubt die Anwendung neuer Behandlungsmethoden. Liberia und die USA hatten sich zuvor über die Lieferung von ZMapp geeinigt.

Ein Experten-Komitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält den Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika für vertretbar. "Angesichts der besonderen Umstände dieses Ausbruchs, und vorausgesetzt, dass bestimmte Bedingungen erfüllt werden", seien derartige Behandlungen ethisch vertretbar, hieß es am Dienstag in Genf.

Dies sei auch der Fall, wenn ihre Wirksamkeit noch nicht bewiesen und mögliche Nebenwirkungen noch nicht bekannt seien. In Genf hatte zuvor ein international besetztes Ethikkomitee zu der Frage getagt. Einer Anwendung solcher Mittel müsse aber vom jeweiligen Patienten erlaubt werden. Die Empfehlung der WHO bedeutet noch nicht, dass Regierungen, in deren Zuständigkeitsbereich die Genehmigung der Verwendung oder die Arzneimittelzulassung fällt, dies auch gestatten müssen.

Bereits über 1000 Todesfälle

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle der Ebola-Epidemie in Westafrika ist auf mehr als 1000 gestiegen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ihrer Internetseite am Montag mitteilte, starben bisher 1013 Menschen. In Summe gebe es 1848 Ebola-Fälle. Und die WHO geht in der Bekämpfung der Seuche einen Schritt weiter. Sie erlaubt den Einsatz experimenteller Wirkstoffe.

Das Weiße Haus und die US-Arzneimittelbehörde FDA stimmten unterdessen einer Bereitstellung des Serums zur Behandlung infizierter Mediziner in Liberia zu, erklärte das Präsidialamt in Monrovia in der Nacht zum Dienstag. Die Entscheidung sei nach einem entsprechenden Gesuch der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf an US-Präsident Barack Obama gefallen. Ein US-Regierungsvertreter werde die Lieferung im Laufe der Woche überbringen. Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen Ebola.

Medikament bisher nur an Tieren getestet

Zuvor hatte bereits der Hersteller des experimentellen Serums erklärt, sämtliche Vorräte an dem Mittel würden nach Westafrika geschickt. In Folge der Anfrage "eines westafrikanischen Staates" seien die Vorräte an ZMapp erschöpft, hieß es am Montag (Ortszeit) auf der Website des Unternehmens Mapp Bio. Jegliche Entscheidung zur Anwendung des noch nicht zugelassenen Serums müsse vom ärztlichen Fachpersonal getroffen werden. Das Medikament werde kostenlos zur Verfügung gestellt.

ZMapp wurde bisher nur an Tieren getestet. Mangels Medikamenten gegen Ebola wurde es dennoch bei einem Arzt und einer Krankenschwester aus den USA angewendet, sie sich beim Umgang mit Ebola-Kranken in Liberia infiziert hatten. Auch ein in Liberia mit dem Ebola-Virus infizierter spanischer Missionar wurde mit dem Medikament behandelt, er verstarb jedoch am Dienstag in Madrid.

Hoffnungen verfrüht

Für den erfahrenen Wiener Tropen- und Reisemediziner Herwig Kollartisch ergibt sich aber ein klassisches Dilemma. "Erstens kann die WHO keine Medikamente zulassen. Auch wenn sie das empfiehlt, muss jeweils die Arzneimittelbehörde eines Landes, zum Beispiel die amerikanische FDA, diese Zulassung erteilen", sagte er der Austria Presse Agentur (APA).

Die Hoffnung, dass ZMapp Ebola stoppen könnte, hält Kollaritsch für verfrüht. "Dieses Gemisch aus humanisierten monoklonalen Antikörpern wurde noch nicht einmal an 'humanen' Primaten (z. B. Schimpansen, Anm.) erprobt. Es gibt nur Studien mit Primaten, die noch weit vom Menschen entfernt sind. Man weiß nicht, ob das wirkt. Es gibt keine Studie zur Dosisfindung. Man weiß nicht, wann man das Mittel am besten anwendet und wie lange", sagte Kollaritsch.

Wenn jemand nach einer Ebola-Erkrankung gesunde, der das Mittel bekommen hätte, wisse man nicht, ob es sich um einen Effekt der "Therapie" oder um eine Spontanheilung gehandelt hätte. Das könne nur in entsprechenden klinischen Studien wissenschaftlich belegt werden.

Ruf nach Impfstoff

Der Präsident von Guinea, Alpha Conde, rief unterdessen zu einer raschen Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Ebola-Virus auf. Ebola müsse zu einem "internationalen Anliegen" gemacht werden, bis ein Impfstoff bereit stehe, sage Conde am Montag in Conakry. Gleichzeitig seien zusätzliche Investitionen in das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser der betroffenen Länder notwendig.

Die WHO hatte die Ebola-Epidemie am Freitag als Internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Damit kann die Organisation nun zu außerordentlichen Maßnahmen greifen, um die Epidemie einzudämmen.

(c) APA

(APA/dpa/AFP)