Kurioses
''Abgesandelt'', private Köche und Sklaverei
In Alpbach treffen die Spitzen aus Politik und Gesellschaft zusammen. Oft haben sie skurrile Ansichten, deftige Sager und unerwartetes Lob mit im Gepäck.
Überraschenden Besuch bekam Alpbach im Jahr 2013. Der tansanische Staatspräsident Jakaya Mrisho Kikwete hatte spontan beschlossen, dem Europäischen Forum einen Besuch abzustatten. Mit dabei über 30 Begleiter – inklusive eines eigenen Kochs – für die innerhalb weniger Stunden ein Quartier organisiert werden musste. Passend zum Alpbach-Motto in diesem Jahr: „Clash of Civilizations“. Doch die Liste an Kuriositäten ist weitaus länger. Ein Überblick. Von Christoph Kinast
EPA
Die ÖVP-Gerüchteküche begann in Alpbach im Jahr 2012 heftig zu brodeln. Es wurde gemunkelt, dass Spindelegger eine Regierungsumbildung plane. Das angebliche Ziel: sich selbst als Finanzminister einzusetzen und Maria Fekter als Ministerin abzulösen. Im Presse-Interview dementierte der ÖVP-Chef damals die Gerüchte: „In einer gesamteuropäischen Krise wechselt man nicht die Pferde – schon gar nicht in den Schlüsselressorts.“
EPA
„Der Sozialstaat ist eine Art von Sklaverei.“ Mit dieser provokanten These sorgte der konservative britische Vordenker Phillip Blond im Jahr 2013 für Aufregung in Alpbach. Im "Presse"-Interview zeigte er sich überzeugt, dass die konservativen Parteien von ihrem Weg abgekommen sind. Als Lösung sah der Brite eine neue Form von Kapitalismus und eine radikale Abkehr von bisherigen Politikkonzepten.
ResPublica
Ungewohntes Lob für die österreichischen Banken gab es von einer US-Ratingagentur. Ein Vertreter von Moody´s Deutschland lobte 2013 in Alpbach das Engagement der heimischen Banken in Osteuropa. Trotz des erhöhten Risikos habe sich das Osteuropageschäft ausgezahlt. Das Thema ist bis heute heftig umstritten: Von „einmaliger Geschäftschance“ bis hin zu „wahnsinnigem Leichtsinn“ sind alle Meinungen vertreten.
RZB
„Ein Teil der Politik ist am besten Weg, die Zukunft zu verspielen“. Sonja Hammerschmid, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, stellte in Alpbach im Jahr 2011 klar, was sie von der aktuellen Politik hält. Einer kam ungeschoren davon: der damalige Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle wurde ausdrücklich von der Kritik ausgenommen.
Die Presse
„Österreich ist abgesandelt.“ Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl brachte seine Meinung über den Standort Österreich in Alpbach auf den Punkt. Ein Sager, der den Kammerchef bis heute begleitet. Gemeinsam mit der damaligen Finanzministerin Maria Fekter forderte er 2013 eine Senkung der Lohnnebenkosten - und sorgte für einen Schlagabtausch im aufflammenden Wahlkampf.
Die Presse
„Wir werden morgen keine Vereinigten Staaten von Europa bekommen. Aber wir können bis Ende des Jahres die Bankenunion haben.“ So stellte EU-Kommissionspräsident 2012 in Alpbach den Plan der Europäischen Kommission vor. Scharfe Kritik kam damals von der Finanzmarktaufsicht. Diese warnte vor „schnellen und schmutzigen Lösungen“.
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