Baustellen für die Auszeit

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Wellness im Wandel. Thermen im Umbau, Angebote mit Flurbereinigung, heimische Natur im Vormarsch.

Wellness gehört zu den Begriffen, die man heute nicht immer gern in den Mund nimmt. Zu unkonkret ist manchmal das Angebot, das dahintersteht; und nicht selten haben schwarze Schafe am Erfolg des Booms mitgenascht – so ähnlich beschreibt es auch der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner: „Im hintersten Schuppen eine Sauna eingerichtet, und schon gilt das bislang biedere Dorfgasthaus als Wellness-Hotel“. Grundsätzlich habe man als Mediziner aber nichts gegen den Wellness-Trend: „Mehr Körperbewusstsein bedeutet auch bessere Gesundheitsvorsorge“.

In dem unübersichtlichen Angebot an – wie es scheint – jahreszeitlich immer neuen Körperbehandlungsmethoden, Schönheitskonzepten oder technischen Innovationen braucht der Konsument Orientierung. Gütesiegel können da zum Beispiel für überprüfbare Qualität sorgen, für „Best Health“-Geschäftsführer Max Strafinger ist dies „das wichtigste Unterscheidungskriterium im Wellness- und Gesundheitstourismus“. 150 Kriterien müssen etwa diese als „Best Health“ zertifizierten Betriebe erfüllen, wollen sie neben Adressen wie dem Moorheilbad Harbach, dem Kur- & Thermenhotel Bad Tatzmannsdorf, der Rogner Bad Blumau oder der Alpentherme Gastein, auf der Liste dabei sein.

Spitzeres Angebot

Auch Führer wie der „Relax-Guide“, der sich bekanntlich kaum ein Blatt vor den Mund nimmt, können eine Anleitung sein, die richtige Adresse für einen Urlaub zwischen Aromatherapie und Zehengymnastik zu finden. Zugleich betreiben Institutionen zunehmend eine Zuspitzung ihres Angebotes. Dass man sich auf ein paar Kernkompetenzen konzentriert – etwa Fasten und Kneippen, F. X. Mayr- und Mental-Programm, Yoga und Ayurveda, Burnout-Prävention und Schlafforschung – macht das Angebot für den Kurzzeit-Aussteiger in Sachen Wohlbefinden deutlich greifbarer. Die Tendenz: Gesundheit wird verstärkt Urlaubsthema, an vorsorgliche Investitionen in das eigene Körperkapital denken heute schon jüngere Zielgruppen als die vielzitierten 50 plus.

In Oberösterreich etwa geht man den Weg in Richtung Gesundheit seit einiger Zeit, hier wurden „elf Quellen der Gesundheit“ festgemacht; dahinter stehen ganz verschiedene Adressen – von der Therme bis zum klösterlichen Anbieter. Niederösterreich versucht sich ebenfalls als Gesundheitsland zu etablieren. Hier wurde etwa unter dem Titel „Mini Med“ eine Reise-Schiene für Gesundheitsurlauber geschaffen. „Mini Med“ ist ja eine Art Studium, bei der medizinische Experten ihr Wissen an den Laien direkt weitergeben.

Jod, Salz und schwarzer Holler

Das wachsende Interesse an Vorsorge treibt die Bautätigkeit an: Österreichs tradionelle Kur- und Thermenlandschaft hat einige aktuelle Baustellen. Gerade abgeschlossen wurde jene in Bad Gleichenberg, wo nach Plänen des norwegischen Architektenduos Jensen & Skodvin ein innovatives Kurhaus entstand. Hinter einer coolen Holz- und Glasfassade findet der Gast einen Therapiebetrieb vor, der sich auch verstärkt auf Hautprobleme wie Neurodermitis oder Psoriasis konzentriert: Ein zwei- bis drei-minütiger Besuch in der Kältekammer (110 Grad minus) soll überdies Wirkung bei Sportverletzungen oder Rheuma zeigen.

Eine Anti-Aging-Kur haben sich ebenfalls zwei Thermen in Oberösterreich verschrieben: In Bad Hall ist der Umbau noch im Gang, in der Therme mit der stärksten Jod-Sole-Quelle Mitteleuropas werden Innen- und Außenzone, Gesundheits-Kompetenzzentrum und Therapiebereich komplett neu gestaltet. Ende des Jahres soll Bad Hall als EurothermenResort wieder eröffnet werden. Schon näher dran an der Eröffnung ist Bad Ischl – nach seinem Umbau ebenfalls ein EurothermenResort. Auch hier sind Salz und Sole zentral, der Gast wird sich hier im Sommer zwischen vergrößerter Liege- und Wasserfläche, einem neu gestalteten Hotel und erfrischter Gastronomie bewegen.

Das Interesse an fernöstlichen Behandlungsmethoden hält an, wie manche Projekte zeigen: Kürzlich eröffnete in Leoben ein Haus seine Pforten, das sich programmatisch „Asia Spa“ nennt. Zugleich setzen sich aber wieder Themen durch, die in unseren Breiten immer heimisch waren. Nach Apfel, Weintrester und Kürbiskern, kommt nun der schwarze Holler (kaltgepresstes Öl) bei Bädern und Massagen zum Einsatz. Im Steirischen Thermenland wird der „Styria Sambucus“ an sechs Orten angewandt – während der Enzian in Bad Aussee an einem ausgesuchten Platz wächst. Im Erzherzog Johann geht er eine Symbiose mit der Sole. ein. Innere Reinigung schmeckt etwas bitter, zeigt aberWirkung.

ENERGIETANKSTELLEN

Info zu verschiedensten Angeboten und eine lange Liste zu Wellness- und Gesundheitshotels findet man auf www.austria.info

LifeMedicine-Resort Bad Gleichenberg: www.dasKurhaus.at

„Quellen der Gesundheit“ in Oberösterreich: www.gesundheitsurlaub.at

Eurothermen-Resorts:www.eurothermenresorts.at

Mini Med Reisen: www.minimed.at

Best Health Austria:
www.besthealthaustria.com

Steirisches Thermenland:
www.thermenland.at

Erzherzog Johann:www.erzherzogjohann.at

Hotel & Asia Spa Leoben: www.asiaspa.at

Relax-Guide: www.relax-guide.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2008)


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