Der Deal mit Al Jaber ist vom Tisch, nun meldete sich die Lufthansa zu Wort.
wien/London. Seit Mittwoch darf offiziell nach einem strategischen Partner für die AUA gesucht werden: Da Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber auch die von der AUA gesetzte Nachfrist bis Mittwoch 24 Uhr verstreichen hat lassen, ohne die Bankgarantie für die Finanzspritze über 250 Mio. Euro vorzulegen, ist der Deal endgültig geplatzt. Just am Mittwoch hat sich – möglicherweise nicht ganz zufällig – der aussichtsreichste Kandidat für eine Partnerschaft mit der AUA erstmals offiziell zu Wort gemeldet: die Lufthansa. „Wir wären bereit, sie uns anzuschauen“, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber in London zur Nachrichtenagentur Reuters.
Mayrhuber will allerdings gebeten werden. „Sie (die AUA, Anm.) muss aber auf uns zukommen“, meinte der Lufthansa-Boss. Die deutsche Fluglinie habe bisher kein Gebot für die österreichische Fluggesellschaft abgegeben. Dem Vernehmen nach hat Mayrhuber erst kürzlich durchblicken lassen, dass er die AUA übernehmen würde – allerdings nur ohne den Schuldenberg von rund einer Mrd. Euro.
Für ein offizielles Angebot ist es auch zu früh. Jetzt muss zuerst die „Privatisierungs-Maschinerie“ in Gang kommen. Das heißt, die ÖIAG braucht einen Privatisierungsauftrag für die AUA. Dazu ist ein Ministerrats-Beschluss notwendig. Dann muss die ÖIAG, die mit 42,75 Prozent größter AUA-Aktionär ist und in einem Syndikat mit Banken und Versicherungen die für internationale Flugrechte notwendige nationale Mehrheit an der Fluglinie hält, ein EU-weites Ausschreibungsverfahren aufsetzen. Vorausgesetzt es herrscht politischer Konsens, dürfte dies frühestens im Herbst erfolgen.
Ungeachtet dessen ist die öffentliche Diskussion über die Zukunft der AUA voll entbrannt. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) schließen einen Partner für die AUA nicht aus. Allerdings deponierten beide Politiker, dass eine „starke Austrian Airlines“ (Molterer) „unter relevantem österreichischem Einfluss“ (Gusenbauer) von strategischer Bedeutung für den Standort sei. Das Beispiel Al Jaber habe gezeigt, wie eine Lösung aussehen könne, die eine österreichische Mehrheit sicherstelle, betonte Gusenbauer. Sollte sich die Regierung tatsächlich darauf festlegen, nur eine Minderheit an der AUA zu verkaufen, würde dies die Partnersuche drastisch einschränken.
Im Kanzleramt werden dem Vernehmen nach derzeit drei Varianten für die AUA diskutiert: Ein Einstieg des Flughafens Wien, an dem Wien und Niederösterreich beteiligt sind. Diese Idee wurde schon vor zwei Jahren überlegt und wieder verworfen. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hält davon wenig. Weiters die Lufthansa – und die Aeroflot. Letztere gehört allerdings einer anderen Allianz – dem SkyTeam um Air France/KLM – an.
Keine Klagen
Zwischen AUA, ÖIAG und Al Jaber zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung ab. Als „Streitschlichter“ soll wieder Molterer fungiert haben, erfuhr die „Presse“ aus dem Umfeld Al Jabers. Der Vizekanzler hatte sich zuvor persönlich für eine Einigung zwischen ÖIAG und Al Jaber eingesetzt – vergeblich. Schadenersatzklagen und lange Rechtsstreitigkeiten sind damit vom Tisch.
AUF EINEN BLICK
Die Lufthansa will sich die AUA „anschauen“, sagt der Chef der deutschen Fluglinie, Wolfgang Mayrhuber. Nach dem Scheitern des Einstiegs von Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber ist die Suche nach einem strategischen Partner für die AUA eröffnet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2008)