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Massaker an Yeziden, die nicht zum Islam übertreten wollten

Groszer Andrang bei der Verteilung von Hilfsguetern im Fluechtlingscamp Khazir nahe der Stadt Erbil im
Flüchtlingeimago/snapshot
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IS-Extremisten richteten mindestens 80 Männer in Dorf hin. Frauen und Kinder seien verschleppt worden, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Basnews.

Erbil/Brüssel/Washington. Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat sollen im yezidischen Tel Kujo Dorf im Nordirak ein Massaker angerichtet haben. Sie hätten mindestens 80 Männer getötet, weil diese sich geweigert hätten dem Islam überzutreten. Frauen und Kinder seien verschleppt worden, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Basnews.
Die internationale Gemeinschaft macht derzeit auf allen Ebenen gegen die Extremisten des Islamischen Staats (IS) mobil. Die Luftangriffe der Amerikaner haben Wirkung gezeigt. Nach UN-Angaben sind nur noch 1000 Yeziden im Sinjar-Gebirge eingeschlossen, 80.000 sei die Flucht gelungen. Zu einem ähnlichen Schluss kam auch eine US-Erkundungsmission. Es sei kein zusätzlicher Einsatz von Bodentruppen nötig, teilte US-Präsident Barack Obama mit. Das Bombardement der Amerikaner soll jedoch auch Zivilisten getroffen haben.
Im New Yorker Sicherheitsrat legten die Briten einen Resolutionsentwurf vor, um dem IS-Extremisten den Geldzufluss abzugraben. Gegen sechs Hintermänner des IS sollen Sanktionen verhängt werden. Gleichzeitig bemühten sich die EU-Außenminister bei einem Treffen in Brüssel, ein Bündnis gegen den IS auf die Beine zu stellen, das den Iran einschließt. Großbritannien und Tschechien folgten dem Beispiel Frankreichs und gaben Waffenlieferungen an die Kurden frei. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz winkte in einem Telefonat mit Massoud Barzani, dem Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete, diesbezüglich ab – und kündigte mehr humanitäres Engagement im Nordirak an. Österreich stellt gemeinsam mit dem Roten Kreuz ein 150.000-Euro-Projekt auf die Beine, mit dessen Hilfe 100.000 Flüchtlingen im Nordirak medizinisch geholfen werden soll. Zuvor schon hatte die Republik den Vereinten Nationen eine Million Euro an Hilfsgeldern zugesagt.
Fortschritte zeichneten sich auch an der politischen Front ab. Ein Sprecher der sunnitischen Gruppierungen erklärte sich bereit, den neuen schiitischen Premier, Haider al-Abadi, unter bestimmten Bedingungen zu unterstützen. Ein Grund für die Radikalisierung der Sunniten im Irak ist, dass sie der bisherige Regierungschef Nuri al-Maliki an den Rand gedrängt hatte. Er trat nun auch offiziell zurück. (ag.)