MotoGP: Der unbesiegbare Márquez ist geschlagen

Winner Honda MotoGP rider Pedrosa of Spain celebrates next to third-placed Yamaha MotoGP rider Rossi of Italy after the Czech Grand Prix in Brno
Winner Honda MotoGP rider Pedrosa of Spain celebrates next to third-placed Yamaha MotoGP rider Rossi of Italy after the Czech Grand Prix in BrnoREUTERS
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Im elften Saisonrennen hieß der Gewinner erstmals nicht Marc Márquez. Im GP von Tschechien wurde er nur Vierter, den Sieg holte sich Dani Pedrosa.

Brünn/Wien. Beinahe unheimlich war die Erfolgsserie von Marc Márquez, der die ersten zehn Saisonrennen allesamt gewonnen hatte. Der Grand Prix in Tschechien hätte die ultimative Krönung werden sollen, denn mit dem elften Triumph in Folge hätte der Spanier Giacomo Agostini hinter sich gelassen und wäre zum alleinigen Rekordhalter der längsten Siegesserie in der MotoGP-Klasse aufgestiegen. Der Italiener hatte die Gelegenheit auf einen elften Erfolg 1968, 1969 und 1970 gleich dreimal verpasst, dasselbe Schicksal ereilte Márquez nun in Brünn. Erstmals in dieser bis dahin eintönigen Saison gab die Konkurrenz ein Lebenszeichen, für den jüngsten Weltmeister aller Zeiten und überlegenen WM-Spitzenreiter reichte es nicht einmal zu einem Platz auf dem Podest. Márquez wurde nur Vierter, an seiner Stelle jubelte sein spanischer Honda-Teamkollege Dani Pedrosa, der vor Jorge Lorenzo und Valentino Rossi gewann.

Dabei war Márquez zum neunten Mal aus der Pole-Position gestartet, doch es lief von Anfang an nicht nach Wunsch. Nach einem ungewohnt schlechten Start musste der 21-Jährige noch in der ersten Runde die Führung abgeben. Anschließend fuhr er lange Zeit hinter Pedrosa und Lorenzo, die Zuschauer warteten vergeblich auf die Aufholjagd. Stattdessen lieferte er sich ein spannendes Duell mit dem Ducati-Piloten Andrea Iannone, um sich dann zehn Runden vor Schluss doch noch im Kampf um das Podest gegen Rossi geschlagen geben zu müssen. Kopfschüttelnd fuhr der Spanier über die Ziellinie und verschwand anschließend wortlos in seiner Box. Doch es dauerte nicht lang, bis er zu seiner gewohnten Fröhlichkeit zurückfand. „Zumindest eine Last ist von mir abgefallen. Damit hat sich die Frage, ob ich alle 18 Rennen gewinnen werde, von selbst beantwortet“, scherzte Márquez. „Vielleicht ist das ja der Beginn meiner Krise.“ Von einer solchen ist der Titelverteidiger freilich noch weit entfernt, zumal er in der Gesamtwertung weiterhin klar voranliegt. Bei sieben noch ausstehenden Rennen beträgt sein Vorsprung auf Pedrosa stolze 77 Punkte.

Pedrosa beendet Durststrecke

Für Pedrosa endete in Brünn eine zehnmonatige Durststrecke. „Ich habe das Rennen nicht so geplant. Dieser Sieg ist etwas ganz Besonderes, denn es war ein schwieriges Rennen“, sagte der 28-Jährige, der auf den letzten Runden noch hart von Lorenzo attackiert wurde, den Vorsprung aber über die Ziellinie brachte. „Jorge war sehr stark, sodass ich gezwungen war, ans Limit zu gehen.“ Auch Lorenzo konnte mit dem zweiten Platz ganz gut leben und brachte zum Ausdruck, was sich wohl die meisten im Fahrerlager dachten. „Endlich haben wir Marc geschlagen“, meinte der Spanier. „Leider habe nicht ich gewonnen, sondern Dani. Das war eine große Chance auf den Sieg, vielleicht habe ich zu spät attackiert.“ Für Rossi bedeutete der dritte Platz ein versöhnliches Ende für ein zuvor unglücklich verlaufenes Wochenende. Im letzten Training war der Rekordweltmeister gestürzt und musste das Rennen mit einer Fingerverletzung antreten. „Ich hatte große Schmerzen, bin aber ein gutes Rennen gefahren“, befand der Italiener. „Es ist eine Freude, Marc einmal zu schlagen. Ich bin stolz, auf dem Podest zu stehen.“

Das interne Duell der Familie Márquez endete unentschieden. Denn auch Bruder Alex war in der Moto3-Klasse aus der Pole-Position gestartet, belegte aber am Ende nur den vierten Rang. Der Franzose Alexis Masbou feierte vor Enea Bastianini (ITA) und Danny Kent (GBR) den ersten Sieg seiner Karriere. In der Moto2 gewann der Spanier Esteve Rabat vor Mika Kallio (FIN) und dem Deutschen Sandro Cortese.

ERGEBNIS GP VON TSCHECHIEN

1. Dani Pedrosa (ESP) Honda 42:47,800 Min.
2. Jorge Lorenzo (ESP) Yamaha + 0,410 Sek.
3. Valentino Rossi (ITA) Yamaha +5,259
4. Marc Márquez (ESP) Honda +10,454, 5. Andrea Iannone (ITA) Ducati +17,639, 6. Andrea Dovizioso (ITA) Ducati +17,834.

WM-Stand: 1. Márquez 263, 2.Pedrosa 186, 3. Rossi 173.

Nächstes Rennen: GP von Großbritannien (31. August).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2014)

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