Konservative Annahmen im EZB-Stresstest für die Volkswirtschaft und die Qualität der Aktiva in mehreren CEE-Staaten machen österreichische Banken verletzlicher als viele westeuropäische Konkurrenten, meint Fitch.
Wien/Frankfurt. Die Ratingagentur Fitch sieht das große Engagement der österreichischen Banken in Osteuropa weiter als Risiko. Dieses werde die Gewinne 2014 belasten und mache die Institute vor dem EZB-Stresstest verwundbarer, meint Fitch in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Insbesondere stünden die Banken vor "geopolitischen Risiken".
Die Gewinne der österreichischen Banken seien bedroht durch Abwertungen, Kreditausfälle und ein nur langsames Kreditwachstum. Insbesondere in Ungarn drohen weitere Eingriffe des Gesetzgebers, in einigen Märkten sind hohe Bankenabgaben zu entrichten. Dazu komme das nur langsame Wachstum in Österreich mit geringen Gewinnmargen.
Die drei größten österreichischen Banken, Bank Austria, Erste Group und RBI, verlassen sich für ihren Profit auf einige Ost-Märkte, insbesondere Russland, die Türkei und Tschechien, schreibt Fitch. Die Bankgeschäfte in diesen Ländern laufen zwar rund, aber das hohe Engagement von RBI und Bank Austria in Russland setzt sie einem hohen geopolitischen Risiko aus. Die beiden Banken sind - mit je 20 Milliarden Euro - im Verhältnis zu ihrem Kapital die in Russland am stärksten aktiven westeuropäischen Institute. Angesichts der Ukraine-Krise könnten ein langsameres Wachstum in Russland und eine Rubel-Abwertung die Gewinne belasten.
Konservative Annahmen im EZB-Stresstest für die Volkswirtschaft und die Qualität der Aktiva in mehreren CEE-Staaten machen österreichische Banken verletzlicher als viele westeuropäische Konkurrenten, meint Fitch. Am wenigsten Probleme dürfte die Bank Austria haben, da sie weniger Fremdwährungskredite und Wohnungs-Hypotheken in den Ländern habe, die von der EZB am strengsten bewertet werden.
Für die Erste Group könnte der Stresstest härter werden, aufgrund der Konzentration auf CEE und der hohen fremdwährungsfinanzierten Hypothekarkredite in Rumänien. Die RBI wiederum könnte am meisten durch Fremdwährungskredite in Ungarn und Hypothekarkredite in Polen getroffen werden. Allerdings habe die 2,8 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung im Februar ihre Fähigkeit Stressszenarien zu überstehen deutlich gestärkt.
Die Ratingagentur glaubt, dass der Volksbanken-Verbund das Risiko eines "technischen Scheiterns" beim EZB-Stresstest habe. Ein allfälliger Kapitalmangel könne aber durch bereits angekündigte Maßnahmen aufgefüllt werden. Auch habe der Verkauf von Immobilien im ersten Halbjahr dazu beigetragen, den potenziellen Kapitalmangel aufzufangen.