High-Performer: Ein Sammler von Malern und Hotels

(c) Die Presse (Teresa Zötl)
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Franz Jurkowitsch, 59, Vorstandsvorsitzender Warimpex AG.

Sell one – develop three.“ Scheinbar simpel ist das Erfolgsrezept der Warimpex. „Die Erlöse aus dem Verkauf eines Projektes verwenden wir dazu, drei neue entwickeln“, sagt Vorstandsvorsitzender Franz Jurkowitsch. Die Gruppe besitzt 16 Hotels mit mehr als 3400 Zimmern sowie sieben Office-Buildings im CEE-Raum. Weitere neun Hotelimmobilien sowie Prestige-Projekte wie die Airport-City in St. Petersburg sind gerade in der Pipeline.

Während andere Immo-Unternehmen sich gerade in einer Flaute befinden, fährt die Warimpex mit vollen Segeln hart am Wind. Laut aktuellem Geschäftsbericht stiegen die Umsatzerlöse von 58,8 auf 81,2 Mio. Euro, der Jahresgewinn 2007 um 59 Prozent auf 33,7 Mio. Euro. Die für die Branche wichtige Kennzahl des Triple Net Asset Value, der den inneren Wert der Gruppe darstellt, wuchs um 26 Prozent auf 387,4 Mio. Euro.

Internationale Sales-Skills

„Developer“ waren ursprünglich jedoch weder Jurkowitsch noch die Warimpex. Sowohl seine als auch die Wege der Gruppe verliefen eher zufällig in den Sektor. „Das Unternehmen hat alle fünf bis sieben Jahre seinen Zweck erweitert und sich vom reinen Handelsunternehmen über einen Anlagenbauer, der sich auch um die Finanzierung kümmert, hin zu einem Entwickler und Investor verändert.“ Analog zu diesen Stationen verlief auch der Karrierepfad des promovierten Betriebswirtes. Jurkowitsch heuerte nach seinem Studium an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien bei einer deutschen Armaturenfirma als Exportreferent an. Nach rund eineinhalb Jahren bot ihm sein ehemaliger WU-Kommilitone und nunmehriger Vorstandskollege Georg Folian an, in die von dessen Vater gegründete Warimpex – damals noch eine Handelsgesellschaft mit Schwerpunkt Ungarn – als Geschäftsführer und Partner einzusteigen.

Die „Export-, Import-Transithandelswarengesellschaft m.b.H.“ (dafür steht der Firmenname) weitete zunehmend ihre Geschäftsfelder aus. Jurkowitsch war aufgrund seines Fachwissens und seiner Erfahrung im länderübergreifenden Verkauf die richtige Verstärkung für die mittelfristige Neuausrichtung des Unternehmens. Gemeinsam mit Folian war er bereits lange vor dem Fall des Eisernen Vorhanges im Anlagenbau (meist inklusive Finanzierung und Abrechnung über Gegengeschäfte) tätig.

Pioniere im Ostgeschäft

Mit der Öffnung des ungarischen Marktes für Tourismusinvestitionen Ende der 1970er Jahre eröffnete sich für die Warimpex ein neuer Geschäftszweig. Jurkowitsch konnte hier seine im Armaturengeschäft erworbenen Erfahrungen bei der Abwicklung von Projekten einsetzen. „Es gab zu diesem Zeitpunkt praktisch keine Hotels in der Region. Der enorme Nachholbedarf war unsere Chance.“

Trotz großer Aufträge wie der Revitalisierung des sechsten Bezirks in Prag wurden die Hotels das neue Kerngeschäft. Die ehemalige Warengesellschaft hatte sich zu einer „hybriden“ Immobiliengesellschaft, welche sich sowohl als „Developer“ als auch als „Asset-Manager“ versteht, entwickelt. Durch die gemeinsam mit dem Verkehrsbüro gegründete Vienna International Hotelmanagement AG aber auch durch Global Player wie der Intercontinental Hotel Group wird das Tagesgeschäft „gemanagt“ und „reife“ Immobilien dann zum bestmöglichen Zeitpunkt verkauft.

Auch privat spielt die Warimpex eine wichtige Rolle: Sein Sohn Alexander Jurkowitsch ist ebenfalls Vorstandsmitglied. „Wir verstehen uns allerdings nicht als Familienunternehmen.“ Mit seiner Frau verbindet ihn die Liebe zur Kunst. „Schon als Student habe ich das Geld aus Sommerjobs dafür verwendet, Bilder zu kaufen.“ In seinem Büro hängen Werke des Kokoschka-Schülers Georg Eiselt. „Ich bin ein malerbezogener Sammler“, beschreibt sich Jurkowitsch selbst. An einen Rückzug aus dem Unternehmen denkt er, der am 5. Juni seinen 60. Geburtstag feiern wird, nicht. „Es gibt noch genügend Raum zur Entwicklung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)

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