Klaus Florian Vogts umjubeltes Lohengrin-Debüt – mit Angela Denoke und Falk Struckmann.
Ein Lohengrin, wie er im Märchenbuch steht, jung, fesch – und mit einer Stimme begabt, die dank merkwürdig stetiger Beimischung des Kopfregisters wie die eines Knaben tönt, ephebenhaft: Wenn Klaus Florian Vogt vom „fernen Land“ singt, unnahbar unsern Schritten, dann glaubt man ihm, dass er von dort zu uns gekommen ist – auf eine Staatsopernbühne, die hässlicher und sinnentstellender nicht verbaut werden hätte können.
Und doch ereignet sich in der untauglichen Produktion eine stimmige „Lohengrin“-Vorstellung, wenn die Besetzung solche Atouts aufweist. Zwar hat Angela Denokes Elsa neben dem durchwegs liedhaft behutsam singenden, doch auch im Forte genügend kraftvollen Tenor Mühe, ihren farblich adäquaten, lichten Sopran jenseits des kammermusikalischen Bereichs ohne Forcierungsblessuren zum Klingen zu bringen. Doch steht mit Falk Struckmann ein Anführer der finsteren Mächte zur Verfügung, der selbst den ärgsten Anfeindungen des von Peter Schneider mit Kennerhand, doch ohne Raffinement geführten Orchesters trotzt, im Dialog mit seiner Ortrud jedoch auch gefährlich leise, immer prägnante Töne anzuschlagen weiß.
Blumen des Bösen und Kultiviertheit
Janina Baechle gibt diese Blume des Bösen in der Schlüsselszene am Beginn des Mittelaktes mit bestechender Wortdeutlichkeit als psychologisierende Charakterstudie. Doch fragt sich der Hörer spätestens bei den „entweihten Göttern“, vor allem jedoch im Finale der Oper, ob die junge Mezzosopranistin ihre Stimme hier nicht allzu sehr überfordert. Zuletzt herrscht nur noch unkontrollierter Schrei. Dem setzt Kwangchul Youn einen ungemein kultivierten, prachtvoll phrasierenden König Heinrich entgegen. Zumindest Wagners Schwarz-Weiß-Zeichnung findet auf diese Weise glaubwürdigen Widerhall. Markus Eiche verleiht dem Heerrufer mit genügend Kraft Profil. Und das Publikum jubelt von Akt zu Akt enthusiasmierter.
Jüngstes Gerücht zum fröhlichen Beschluss: Der designierte Operndirektor Dominique Meyer soll schon seine Abneigung gegen die aktuelle „Lohengrin“-Inszenierung signalisiert und mit Christian Thielemann über das Dirigat einer Neuproduktion verhandelt haben...
„Lohengrin“: 25., 28.Mai und 1.Juni.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)