Die bürgerlich-konservativen 08er

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Leistung, Sparsamkeit und Heimatbewusstsein – das ist den Österreichern heute wichtig. 67 Prozent wünschen sich Reformen. Auch hier haben eher „rechte“ Themen Konjunktur.

Vierzig Jahre nach der Revolte von 1968 begehren in Österreich nur die Ärzte auf. Dabei wäre die Gelegenheit zur Rebellion günstig. Österreich ist heute ein tendenziell konservatives Land. Leistung, Sparsamkeit, Heimat, Familie, Recht und Ordnung, eine restriktive Ausländerpolitik, gutes Benehmen, Gehorsam gegenüber den Älteren – all das ist den Bürgern heute wichtig. Die Achtundsechziger haben zwar ihre Spuren hinterlassen, deren Werte werden von der Mehrheit der heutigen Bevölkerung aber kaum geteilt.

Die österreichische Gesellschaft des Jahres 2008 wird von den Bürgern mehrheitlich als bürgerlich (27 Prozent), noch stärker als kapitalistisch (42 Prozent) denn als sozialistisch wahrgenommen. 44 Prozent sehen eine bürgerliche Gesinnung als positiv an, nur neun Prozent sagen, dies spräche gegen die betreffende Person (siehe Umfrage-Grafiken).

Im Vergleich mit der Situation vor 40 Jahren sehen die Österreicher heute den häufigen Partnerwechsel und die geringere Bereitschaft zu Bindungen als die typischste Veränderung an.

67 Prozent der Bürger sprechen sich für Reformen aus, 24 Prozent davon treten gar für radikale Veränderungen ein. Die ersehnten „Reformziele“ sind großteils eher rechte Law-and-order-Themen:
•Wirksamere Bekämpfung der Kriminalität;
•mehr politische Sauberkeit;
•Verhinderung des Abwanderns österreichischer Betriebe ins Ausland;
•Verbesserung der Altenbetreuung;
•Verhinderung der Bevormundung Österreichs durch die EU;
•Verhinderung der Überfremdung Österreichs;
•Härte Strafen für Verbrecher.

All dies geht aus der umfangreichen Studie „Vierzig Jahre nach '68“ des Meinungsforschungsinstituts Imas hervor – veröffentlicht im Rahmen einer „Presse“-Serie, deren letzter Teil heute erscheint.

'68: „Kaum Spuren zu erkennen“

„Im Denken und Fühlen der Österreicher sind die Spuren der 68er heute auf den ersten Blick kaum zu erkennen“, resümiert Imas-Geschäftsführer Andreas Kirschhofer. Die heutige Lebenswelt unterscheide sich grundlegend von den Denkmustern der 68er-Bewegten. Heute verspüre die Bevölkerung vor allem Abstiegsängste. „Die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem dürfte in den Siebzigerjahren einen Höhepunkt erreicht haben.“ So sprachen im Jahre 1973 63 Prozent der Österreicher von einer „glücklichen Zeit“. 2008 sind es nur noch 34 Prozent.

Imas-Umfrage 2008, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Imas-Umfrage 2008, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)


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