Festtage für die Tudor-Knechte

Es ist ganz einfach: rote Rose Lancaster, weiße Rose York. Und die Römer tragen Toga.

Endlich schreit er es hinaus in die böse Welt: „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!“ Sollte Ihnen dieser Vers ab 29.Mai zu Ohren kommen, dann haben Sie es schon fast geschafft. Dann gehen im Burgtheater sieben, acht oder neun Stunden Rosenkriege zu Ende. RichardIII. irrt über die Bühne, gleich ist er tot, und alles wird gut. Ein anderer Bösewicht übernimmt die Macht in England, aber immerhin ist HeinrichVII. ein Tudor, der Opa von ElizabethI., und so hat alles seine rechte Ordnung bei William Shakespeare.

Davor aber herrscht so viel Verwirrung, dass man sie wieder einmal klären sollte. Wer ist denn schon wirklich firm im Spätmittelalter? Zehn Historien hat Shakespeare geschrieben, die wenigsten Könige darin sind vorbildlich. Es beginnt mit dem bösen König John, den wir aus Robin-Hood-Filmen und von der Magna Charta 1215 kennen, setzt sich fort mit dem verweichlichten RichardII., der vom knallharten HeinrichIV. 1399 gestürzt wird. Dem sind sogar zwei Dramen gewidmet. Wenigstens zeigen dort Falstaff und Prinz Hal, dass es auch sympathische Höflinge gibt und bemerkenswerte Trinksprüche: „We few, we happy few, we band of brothers.“

Aber sobald dieser Hal als HeinrichV. tot, sobald der heldenhafte Laurence Olivier von der Bühne abgetreten ist, bricht wieder Chaos aus. 30 Jahre „War of the Roses“. Worum geht es? Nur um eines: Den Tudor-Knechten soll eingebläut werden, wie stolz sie darauf sein können, Engländer zu sein, ElizabethI. zu dienen und nicht irgendeiner Tunte, einem Fiesling aus den Häusern Lancaster oder York.

HeinrichVI. (ja, das ist der, der Johanna von Orleans anzünden lässt) ist ein schwacher König, das zieht sich über drei Dramen hin, bis die nationale Katastrophe, RichardIII., kommt. So böse wie der ist nicht einmal der Räuber Hotzenplotz. Sein Wappentier war das Wildschwein. Allerdings muss man gestehen: Wie dieser Richie die junge Witwe Anne noch am Sarg ihres Gatten rumkriegt, den er gerade erst ermordet hat – reinste Elmayer-Schule!

Es wird aber mehr gemordet als geliebt, selbst Witwen und Waisen sind nicht sicher. Man merke: Wer mit der Krone achtlos spielt, ist schon tot. Rote Rose Lancaster, weiße Rose York. Der schönste Satz bei HeinrichVI.: „For here, I hope, begins our lasting joy.“ Welch ein Irrtum! Nur der dritte Teil ist aus. Das Wildschwein kommt.

Wer nach den Rosenkriegen im Burgtheater noch nicht genug hat vom Morden, für den sorgen ab 6.Juni die Wiener Festwochen; sechs Stunden Römische Tragödien nach Shakespeare von der Toneelgroep aus Amsterdam – Coriolan, Caesar, Antonius. Und vielleicht sogar ein bisschen Cleopatra. Verwirrend? Geradezu simpel im Vergleich zu Heinrich. Worum es geht? Um eine Art Rosenkrieg mit Toga. Und es gibt auch eine echte Bar wie im Globe Theatre.


norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)

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