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Polizei erschießt erneut Afro-Amerikaner bei Ferguson

Polizei erschießt erneut Afro-Amerikaner bei Ferguson
Polizei in Fergusonimago (Xinhua)

Nur drei Kilometer neben dem Tatort, an dem Michael Brown starb, haben Polizisten einen jungen Mann erschossen. Er habe die Beamten mit einem Messer bedroht. Die Polizei nahm erneut 47 Personen fest.

Unweit der von Protesten erschütterten US-Stadt Ferguson haben Polizisten am Dienstag einen Afro-Amerikaner erschossen. Der 23-Jährige habe die Beamten mit einem Messer bedroht, sagte der Polizeichef Sam Dotson bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige habe sich unberechenbar verhalten und die Polizisten aufgefordert, ihn zu erschießen.

Obwohl sie ihn mehrfach ermahnt hätten, das Messer abzulegen, sei er trotzdem weiter auf sie zugekommen, sagte Dotson. Als der Mann nur noch gut einen Meter von den Beamten entfernt gewesen sei, hätten sie auf ihn geschossen. Die genauen Umstände des Vorfalls würden noch untersucht. Der Verdächtige soll zuvor Lebensmittel aus einem Geschäft gestohlen haben.

Waffen bei Demonstranten gefunden

Der Tatort liegt gut drei Kilometer von Ferguson entfernt, berichtete der TV-Sender CNN. In der Kleinstadt gibt es seit mehr als einer Woche teils gewalttätige Demonstrationen, nachdem ein weißer Polizist den 18-jährigen Michael Brown erschossen hatte, obwohl dieser unbewaffnet war. Auch an dem Tatort in St. Louis sammelte sich nach Angeben des TV-Senders NBC bereits eine Gruppe von Demonstranten.

In der Nacht auf Mittwoch hat die Polizei erneut 47 Personen festgenommen. Zudem seien bei den Demonstranten drei Waffen sichergestellt worden, wie die Polizei mitteilte. Der Sender CNN hatte zuvor berichtet, dass Demonstranten vereinzelt Wasserflaschen aus Plastik in Richtung Polizei geworfen hätten. Die Polizei rief die Protestierenden auf, nach Hause zu gehen.

Beerdigung am Montag

Michael Brown soll am kommenden Montag beerdigt werden. Es sei eine öffentliche Gedenkveranstaltung geplant, berichtete die Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" unter Berufung auf den Anwalt der Familie. Er rechne damit, dass ranghohe Persönlichkeiten anwesend sein werden. Zu den Teilnehmern und dem Ort gab es noch keine näheren Angaben. Laut Medienberichten soll der Bürgerrechtler und Baptistenprediger Al Sharpton die Grabrede halten.

Am Mittwoch beginnt auch die juristische Aufarbeitung des Falles. Eine Grand Jury soll dann mit der Beweisaufnahme beginnen und klären, ob der Polizist Darren Wilson das Gesetz brach, als er Brown erschoss. Auch Justizminister Eric Holder wird am Mittwoch in Ferguson erwartet, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI ermitteln.

Chronologie der Unruhen

9. August: Ein weißer Polizist erschießt den 18-Jährigen in dem Vorort von St. Louis. Während einer nächtlichen Auseinandersetzung soll Brown den Beamten gegen ein Polizeiauto gedrängt haben, dann sei mindestens ein Schuss abgegeben worden.

10. August: Auf den Straßen der 20.000-Einwohner-Stadt gibt es erste Proteste. In der Nacht zum 11. August werden bei Unruhen zwölf Geschäfte geplündert. Die Polizei nimmt dutzende Menschen fest.

12. August: Die Unruhen dauern an. In der Nacht zum 13. August soll ein Polizist nach TV-Berichten einen Mann angeschossen haben.

14. August: Die Polizei setzt Tränengas und Rauchbomben gegen Demonstranten ein. Gouverneur Jay Nixon nennt die Lage besorgniserregend. Präsident Barack Obama ruft zur Ruhe auf. Nach weiteren Zusammenstößen zieht Nixon die örtliche Polizei aus Ferguson ab. Für die Sicherheit wird die Polizei des US-Staates Missouri zuständig. Am Abend versammeln sich erneut Hunderte zu einem Protestmarsch. Es bleibt friedlich.

15. August: In vielen anderen US-Städten gehen Menschen aus Solidarität mit Brown auf die Straße. Zu ihrem Erkennungszeichen werden die erhobenen Hände der Demonstranten. Diese spielen darauf an, dass auch Brown vor seinem Tod die Hände gehoben haben soll. Die Polizei nennt erstmals den Namen des Todesschützen. Laut Polizeibericht wurde Brown eines Überfalls auf ein Geschäft verdächtigt, bevor es zu den Schüssen kam. Später wird klargestellt, dass der Beamte, der auf ihn feuerte, nichts von dem Verdacht wusste.

16. August: Die Polizei setzt Nebelgranaten und Tränengas ein, um eine Gruppe Protestierender zu vertreiben. Die Behörden von Ferguson rufen den Notstand aus und verfügen eine nächtliche Ausgangssperre.

17. August: Das Justizministerium, das sich in die Ermittlungen eingeschaltet hat, ordnet eine zweite Obduktion der Leiche an. Der Schritt wird mit den "außergewöhnlichen Umständen des Falles" und einem entsprechenden Ersuchen der Familie Brown begründet.

18. August: Bei neuen Krawallen bewerfen Demonstranten Polizisten mit Molotowcocktails, nach Behördenangaben fallen auch Schüsse. Es gibt neue Plünderungen. Gouverneur Nixon ruft die Nationalgarde zur Hilfe. Die Soldaten sollen helfen, "Leben und Eigentum" der Bevölkerung vor "gewalttätigen kriminellen Handlungen einer organisierten und zunehmenden Anzahl Personen" zu schützen. Obama unterbricht seinen Urlaub für zwei Tage, um mit Justizminister Eric Holder über die Lage in Ferguson zu sprechen. Ein neuer Obduktionsbericht wird veröffentlicht, dem zufolge sechs Kugeln Brown trafen, zwei davon in den Kopf. Bei ihrer Berichterstattung über die Proteste wurden die drei deutschen Journalisten Ansgar Graw, Lukas Hermsmeier und Frank Herrmann von der Polizei vorübergehend festgenommen. Herrmann ist auch Korrespondent der österreichischen Tageszeitung "Der Standard".

(APA/Reuters)