Energie. Die Österreicher jammern über die Preissteigerungen. Das Konsumverhalten ändert sich aber nicht.
Wien. Wenn der Preis steigt, dann sinkt die Nachfrage. Diese grundsätzliche Regel der Wirtschaft lernen Schüler bereits in der ersten Klasse der Handelsakademie. Beim Erdöl sieht die Sache in der Realität aber ganz anders aus. Seit Monaten steigt der Preis für das Schwarze Gold und der daraus destillierten Produkte stetig – die Nachfrage verändert sich indes aber kaum.
Rund 11,75 Mrd. Liter Benzin und Diesel verbrannten die Österreicher im Jahr 2007 in den Motoren ihrer Autos und Lkw. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 11,6 Mrd. Liter. Dies, obwohl der Ölpreis zwischen Jänner und Dezember 2007 von knapp über 50 auf fast 100 Dollar angestiegen ist und in seinem Windschatten auch die Preise an den Tankstellen nach oben geschnellt sind.
Am Donnerstag erreichte der Ölpreis mit 135 Dollar einen neuen Höchststand. Die Experten erwarten, dass noch heuer zumindest die 150- und nächstes Jahr die 200-Dollar-Marke überschritten wird. Als Gründe für den Ölpreisanstieg gelten die verstärkte Nachfrage aus Ländern wie China und Indien, die schwieriger werdende Produktion und Spekulationen. So wird Öl verwendet, um sich gegen einen schwächeren Dollarkurs abzusichern, was zu einem weiteren Anstieg des Ölpreises und zu einer weiteren Schwächung des Dollars führt. Ein Grund für den hohen Preis dürfte aber auch das Fehlen eines Nachfrageeinbruchs sein. Die Opec bezeichnete noch vor wenigen Jahren ein Preisband zwischen 20 und 30 Dollar als optimalen Ölpreis. Inzwischen hob sie diesen Preis immer wieder auf nunmehr über 60 Dollar an. Tendenz steigend.
„Da es heißt, dass der Ölpreis aus spekulativen Gründen so hoch ist, werden die Konsumenten ihr Verhalten nicht sofort ändern“, sagt Gustav Oberwallner, Obmann des Fachverbands der Autohändler. Die Sparsamkeit der Autos sei beim Kauf zwar ein Thema, teure Spritspar-Technologien wie Hybridantriebe „haben aber nur in den teureren Fahrzeugsegmenten Chancen, wo das ein bisschen trendig ist.“ Obwohl auch beim öffentlichen Verkehr die Fahrgastzahlen wuchsen, ließen die Österreicher ihre Autos trotz hoher Treibstoffpreise bislang nicht öfter stehen.
Etwas anders sieht die Situation beim Heizöl aus. Dort gab es im Jahr 2007 einen kräftigen Einbruch um rund 28 Prozent. Allerdings spielte dabei auch der warme Winter 2006/07 eine Rolle. Im ersten Quartal legte der Heizölverbrauch laut Fachverband der Mineralölindustrie wieder leicht zu. Bei neuen Heizungen greifen die Österreicher aber immer öfter zu Pellets-Anlagen. „Seit zwei Jahren werden in Österreich bereits mehr Pellets- als Öl-Heizungen verkauft. Die Kostendifferenz beim Brennstoff beträgt derzeit rund 65 Prozent. Heuer werden wir doppelt bis dreimal so viele Anlagen verkaufen“, sagt Christian Rakos von Pro-Pellets.
Preise sorgen für politischen Aktionismus
Laut dem Wirtschaftsforscher Kurt Kratena kostet die Verdoppelung des Ölpreises im vergangenen Jahr in Österreich 0,3 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums. Dadurch seien „9000 Arbeitsplätze dauerhaft weg“, sagte Kratena zur Austria Presseagentur. Genutzt werden die hohen Preise wieder einmal auch für politischen Aktionismus. So forderte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider Wirtschaftsminister Martin Bartenstein auf, einen bundesweiten Preisstopp zu verfügen. Dafür sei er laut Gesetz berechtigt. Im Wirtschaftsministerium heißt es dazu: „Wir können nur tätig werden, wenn der Anstieg deutlich über dem internationalen Niveau liegt. Und Österreich liegt darunter.“
Dennoch will sich die Bundeswettbewerbsbehörde das Verhalten der Ölkonzerne am heimischen Treibstoffmarkt „näher ansehen“. Bis zum Sommer soll es erste Ergebnisse über eine allfällige „abgestimmte Verhaltensweise“ der Ölkonzerne geben.
AUF EINEN BLICK
Der Ölpreis erreichte am Donnerstag mit 135 Dollar je Fass (159 Liter) einen neuen Rekordstand. Der Verbrauch von Ölprodukten sinkt hierzulande aber dennoch kaum. Im Verkehr wurde 2007 in Österreich sogar mehr verbraucht als im Jahr zuvor. Lediglich beim Heizöl gab es – auch bedingt durch den warmen Winter – einen Einbruch.
Für die Politik bietet der Ölpreis eine Möglichkeit für politischen Aktionismus. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider forderte einen staatlich verordneten Preisstopp.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)