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Klima: Deutschland sagt rülpsenden Kühen den Kampf an

Rund zwei Millionen Kühe gibt es in Österreich. Sie sorgen für 6,5 Prozent der gesamten Klimagas-Emissionen.(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Kühe sind fast so klimaschädlich wie Autos. Deutschland experimentiert daher mit neuen Futtermethoden, um die Abgasmenge der Wiederkäuer zu senken. Bio-Viehzucht hilft nicht.

Wien. Während Österreich alle Hände voll damit zu tun hat, seine Almkühe von weiteren Attacken auf wandernde Touristen abzuhalten, plagen Deutschland ganz andere Sorgen mit den Wiederkäuern. Dort genügt es schon, wenn die Kühe ganz friedlich am Weidezaun stehen, um sie zum Fall für die Politik zu machen. Denn die Tiere grasen nicht nur. Etwa einmal in der Minute rülpsen oder furzen sie auch. Und das Methangas (CH4), das dabei entweicht, wirkt zwanzig Mal schädlicher für das Weltklima als Kohlendioxid (CO2).

Eine einzige Milchkuh erzeugt 300 bis 500 Liter Methangas täglich, immerhin der globale Klimakiller Nummer zwei, schätzt die Weltbank. Das ist Grund genug für die deutsche Bundesumweltministerin, Barbara Hendricks (SPD), den Kuhabgasen den Kampf anzusagen. An 48 Kühen in einem Versuchsstall in Nordrhein-Westfalen experimentieren die Landwirte der Bundesrepublik mit unterschiedlichen Futtermethoden und Böden, um den Methanausstoß zu reduzieren. Werden die Tiere etwa vermehrt mit Mais gefüttert, sinken die Emissionen um zehn Prozent. Ähnliche Projekte gibt es rund um die Welt. Antibiotika, Impfungen und spezielle Kraftfutter waren bereits im Einsatz. Selbst US-Präsident Barack Obama hat im März einen Aktionsplan vorgelegt, um den Methanausstoß in seinem Land zu reduzieren. Dort sind allerdings nicht die Kühe das große Problem, sondern das Methan, das bei der Gasförderung entweicht.

 

Weniger Rinder, weniger Gas

Der Kampf gegen den vermeintlichen Klimakiller Kuh mutet komisch an. Er hat aber einen durchaus ernsthaften Hintergrund. In Österreich wurden laut Angaben des Umweltbundesamts im Jahr 2012 etwa 252.400 Tonnen Methangas emittiert. Umgerechnet in CO2-Äquivalente summiert sich das immerhin auf 5,3 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht einem Anteil von 6,5Prozent der Gesamtemissionen oder rund einem Viertel der Emissionen des heimischen Verkehrs. Mehr als die Hälfte der Methanemissionen sind dabei auf die Landwirtschaft – und dabei wiederum vor allem auf die Verdauung in Rindermägen – zurückzuführen. Im Vergleich zu 1990 sanken die Methanemissionen bis 2011 allerdings um 36Prozent. Ein drastischer Rückgang, der allerdings vor allem durch den Rückgang des Viehbestands bedingt ist. Die zwei Millionen Rinder, die 2011 in Österreich gezählt wurden, waren um 607.387 Stück (oder knapp ein Viertel) weniger als 1990.

Drastischer ist die Lage, wenn man sie global betrachtet: Die Weltbank schätzt, dass 2010 Methan im Volumen von 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent emittiert wurden. Einheitliche Zahlen fehlen, die Schätzungen variieren mitunter stark. So beziffert das World Resources Institute (WRI) den Anteil von Methan an den globalen Emissionen mit 14Prozent, ein Drittel davon komme aus Viehzucht und Düngerwirtschaft.

 

Subventionen „klimaschädlich“

In einem sind sich die Experten jedoch einig: Die Prognosen sehen düster aus. In vielen Industrieländern ist der Ausstoß von Methangas zwar in den jüngeren Jahren aufgrund des Bedeutungsverlusts der Landwirtschaft gesunken. Global gesehen wird der steigende Hunger auf Fleisch in Schwellenländern wie China diesen Trend aber umkehren. Auch die USA rechnen damit, dass die Methanemissionen im Land bis 2030 wieder ansteigen werden, wenn sich nichts ändert.

Neue Futtermethoden können ein hilfreiches Puzzleteil sein. Die Lösung wird noch gesucht. Und eines scheint klar: Bio-Viehhaltung ist diesmal kein Ausweg. Der größere Flächenbedarf und der erhöhte Methanausstoß bescheren Bio-Rindfleisch eine um 60Prozent schlechtere Klimabilanz als Fleisch aus herkömmlichen Betrieben, so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch.

Das größte Problem sahen die Experten im Agrar-Subventionssystem in Europa. Dieses sei „extrem klimaschädlich“ und am besten durch Umweltabgaben und CO2-Steuern zu ersetzen. Fleisch müsse stark im Preis steigen, dann werde die klimaschädliche Tierhaltung von selbst zurückgehen.

AUF EINEN BLICK

Deutschland sagt den klimaschädlichen Methanemissionen von Kühen den Kampf an. Weltweit sind die Abgase aus den Rindermägen bereits der Klimakiller Nummer zwei hinter Kohlendioxid (CO2). Spezielle Futtermethoden und Böden sollen nun helfen, die Emissionsmengen der Tiere um bis zu 30Prozent zu senken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2014)