Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Forum Alpbach 2015: Gleich oder ungleich?

Das Forumspräsidium will 2015 über „UnGleichheit – InEquality“ diskutieren. Der Auftakt erfolgt schon kommende Woche bei den Alpbacher Wirtschaftsgesprächen.

Alpbach 2014 ist noch voll im Gange – und schon sind die Weichen für den Kongress 2015 gestellt. „UnGleichheit – InEquality“ wird das Gesamtthema lauten, „weil wir irgendwie diese Spannung zwischen Ungleichheit und Gleichheit zum Ausdruck bringen wollen“, wie Forumspräsident Franz Fischler zur „Presse“ sagt. Dabei sollen die vielen Facetten dieses Themas bis hin zu den Fragen der Chancengerechtigkeit beleuchtet werden. Für Fischler steht es außer Frage, dass die Ungleichheit in Europa und noch stärker in der Welt zunimmt und dass zunehmend auch die jüngere Generation davon betroffen ist.

Neu ist, dass der Auftakt zu einem Tagungsthema schon im Jahr zuvor erfolgen wird. So wird während der diesjährigen Wirtschaftsgespräche (26. bis 28. August) die neu gebildete Alpbach-Laxenburg-Gruppe, also Leute aus dem Forum und dem International Institute for Applied Systems Analysis, in Alpbach zusammentreten. Dazu Franz Fischler: „Das sind ungefähr 20 wirklich internationale Spitzenleute, die hier die Ungleichheit im Zusammenhang mit zwei Aspekten – der eine ist Demografie, der andere Energie – diskutieren werden.“

Der Alpbach-Präsident spricht bereits von einem neuen globalen „Think Tank“. Mitbegründer der Gruppe ist der US-Amerikaner Jeffrey Sachs, Direktor des Earth Institute der Columbia University. Die Gruppe wird in geschlossenem Rahmen tagen. Da die Spitzenleute aber schon in Alpbach sind, werden sie auch bei den Wirtschaftsgesprächen Vorträge halten. Zum Think Tank gibt es kommende Woche eine Pressekonferenz.

In der neuen Alpbach-Laxenburg-Gruppe sollen neben Wissenschaftlern Intellektuelle aus anderen Bereichen, Wirtschaftsleute und Künstler mitarbeiten. Sie sollten nicht einfach Analysen erstellen, sondern gezielt Konzepte entwickeln, in denen sie ihre Lösungsvorschläge zu bestimmten Problemfeldern darlegen. Ergebnisse, die schon nach der kommenden Woche vorliegen, sollen auch in die Gestaltung der Alpbachtagung 2015 einfließen. „Wenn sich in den kommenden Diskussionen herausstellt, dass man da und dort sozusagen weiße Felder hat, in denen mehr Research notwendig ist, haben sich die IIASA-Experten bereit erklärt, bis zum nächsten Jahr entsprechende Studien zu machen“, sagt Fischler. Dann seien wirklich fundierte Aussagen möglich.

 

Kunst und Kultur einbeziehen

2015 wird mit „70 Jahre Alpbach-Gespräche“ auch ein Jubiläumsjahr. 2012 haben Franz Fischler und sein damals völlig neu zusammengesetztes College-Präsidium die Leitung übernommen und sich eine Aufbauzeit von drei Jahren vorgenommen. In kleinen Schritten habe man nun diese Wegstrecke gemeistert, schon dieses Jahr habe man einige Neuerungen vorgenommen.

So gibt es keine von der Wirtschaftskammer organisierten Perspektivengespräche mehr („Wir müssen in allen Gespräche perspektivische Ansätze wählen.“), und das FH-Symposium und die Uni-Veranstaltung wurden in den zweitägigen Hochschulgesprächen zusammengefasst. Ab dem kommenden Jahr soll die künstlerische und kulturelle Welt einbezogen werden. Damit knüpft das Präsidium an die Tradition der ersten Jahrzehnte an, als Kunstschaffende aller Disziplinen nicht nur Gäste, sondern vor allem Diskutanten und Vortragende waren.

„Im Zusammenhang mit jedem Gesprächsteil wird es künstlerische Interventionen geben“, kündigt Fischler an. Das Ziel sei, dass sich mehr Künstler in den Diskussionsprozess einbringen. „Weil ich überzeugt bin, dass die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts die Frage sein wird, wie wir mit komplexen Fragestellungen umgehen werden.“ Künstler könnten mir ihrer Denkweise hier viel beitragen.

AUF EINEM BLICK

Alpbach 2014 ist die 69. Tagung des Europäischen Forum Alpbach. Franz Fischler, früherer Landwirtschaftsminister und EU-Landwirtschaftskommissar, steht seit zwei Jahren an der Spitze des Forums. Das Generalthema für 2015, dem 70. Forum, steht bereits fest: „UnGleichheit – InEquality“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2014)