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Vorarlberg-Wahl: SPÖ-Parteitag im Zwergenland

Vorarlberg-Wahl: SPÖ-Parteitag im Zwergenland
APA (DIETMAR STIPLOVSEK)
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Ein Gartenzwerg, genannt Cool-Man, soll das Zugpferd der SPÖ in Vorarlberg werden. Nicht jedem Delegierten gefällt die Strategie, sich klein zu machen.

Der Vorarlberger SPÖ-Chef Michael Ritsch hat beim Landesparteitag Freitagnachmittag die Basis zu motivieren versucht. Anlässlich der zugleich als Wahlkampfauftakt gestalteten Veranstaltung in der Messe Dornbirn appellierte er innig an die Delegierten, die letzten vier Wochen bis zum Urnengang zu laufen, damit sich die düsteren einstelligen Prognosen nicht bewahrheiten mögen.

Erst am Donnerstag hatten die Sozialdemokraten ihre Wahlkampagne präsentiert. Ein Gartenzwerg, genannt Cool-Man, soll das Zugpferd der SPÖ werden. 20.000 Stück von ihm wurden in Deutschland produziert. Ebenso viele Wählerstimmen möchten die Sozialdemokraten, um am 21. September ein viertes Mandat zu erobern.

Die Parteispitze ist auf ihre Zwergen-Strategie ziemlich stolz, wie in Dornbirn unschwer zu erkennen war. Beim Eintreffen zum Parteitag passierten die knapp 300 Delegierten gleich eine Zwergen-Hundertschaft und zur Einstimmung auf die Reden und Debatten gaben die "Partyjäger" den Köhlmaier/Bilgeri-Klassiker "Oho Vorarlberg, als Land bist du ein Zwerg" zum Besten.

"Alleine schaffe ich es nicht"

Nicht jedem Delegierten gefällt die Strategie, sich klein zu machen. Ritsch versuchte diesen Skeptikern in seinem ohne Sakko gehend vorgetragenen Referat Wind aus den Segeln zu nehmen. Vor fünf Jahren sei man motiviert und gut vorbereitet gewesen, habe so viele Hausbesuche wie nie zuvor gemacht und sei dann doch im schwarz-blauen Streit um den antisemitischen Sager von FP-Chef Dieter Egger sehr enttäuscht zurückgeblieben.

Deshalb habe man diesmal einen anderen Zugang gewählt, wolle die SPÖ ein bisschen Freude und Augenzwinkern in den Wahlkampf bringen. Erste Erfolge bei der Kontaktaufnahme mit dem Wähler via Zwerg hat Ritsch nach eigenem Bekunden schon verbucht.

Seine Delegierten bat er, es ebenso zu versuchen: "Alleine schaffe ich es nicht." Jeder der Anwesenden möge in den kommenden vier Wochen drei Gespräche über die Themen der Sozialdemokratie mit Bekannten und Verwandten führen, dann käme man auf 20.000 Bürgerkontakte, rechnete Ritsch vor und appellierte: "Traut euch aufzustehen und durchs Land zu gehen und zu sagen, wieso ihr Sozialdemokraten seid."

Was man den Vorarlbergern sagen muss

An Inhalten unters Volk bringen sollen die Sozialdemokraten etwa, dass in Vorarlberg jährlich mindestens 1000 leistbare Wohnungen pro Jahr geschafft werden müssten sowie dass eine hochqualitative Kinderbetreuung kostenlos sein soll. Bei der gemeinsamen Schule und der Steuerentlastung erinnerte Ritsch daran, dass diese Projekte im Bund von ÖVP und teils FPÖ verhindert würden. Das müsse man den Vorarlbergern eben sagen, dass es nicht schuld der SPÖ sei, wenn hier nichts umgesetzt werde.

Für einmal nahm Ritsch da auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in Schutz, obwohl der sich für den Landesparteitag entschuldigen hatte lassen. Auch der Bundesparteichef wolle die Steuerentlastung, "aber er hat einen Klumpfuß, den Spindelegger am Bein picken".

Ob die Rede des Parteichefs gesessen hat, wird man am Abend wissen. Bei der Wiederwahl als Parteivorsitzender hat Ritsch 92 Prozent zu verteidigen. Bevor das Ergebnis bekannt wird, gibt noch Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zum Besten, was sich die Bundespartei von den bzw. für die Vorarlberger Sozialdemokraten erhofft.

(APA)