Technologie: Wird Wien EU-Forschungszentrale?

(c) AP (Andre Penner)
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Gemeinsam mit Pressburg bewarb sich Wien um das Prestigeprojekt.

WIEN. Österreich und die Slowakei wollen die Brücke zur Zukunft bilden, die Wien und Pressburg (Bratislava) entlang der Donau verbindet: Anfang April gaben Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Ministerpräsident Robert Fico die gemeinsame Bewerbung als Standort des „Europäischen Instituts für Innovation und Technologie“ (EIT) bekannt.

Die Idee für ein „Europäisches Institut für Technologie“ – noch ohne Innovation – wurde im Februar 2005 von EU-Kommissionspräsident Barroso vorgestellt. Nach langen Vorbereitungsarbeiten war es im November 2007 so weit: Der Wettbewerbsrat einigte sich auf die Gründung des „Europäischen Instituts für Innovation und Technologie“. Das zweite „I“ wurde im Kürzel eingespart.

Wien hat sich mit Pressburg nicht nur wegen der Attraktivität von Doppelbewerbungen zusammengetan – siehe Fußball-EM. Der Hauptgrund dürfte sein, dass die noch bis Ende Juni amtierende slowenische EU-Präsidentschaft entschlossen ist, das EIT einem der 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten zukommen zu lassen. Die Staats- und Regierungschefs haben das vereinbart. Damit hätte Wien allein keine Aussicht.

Dem Vernehmen nach werden bei den Bewertungen drei grundlegende Dinge berücksichtigt. Neben der Tatsache, dass in der kandidierenden Stadt möglichst noch keine Unionsinstitution tätig sein sollte, sowie der größenmäßigen und Infrastruktur-Eignung müsste auch der Kohäsionsaspekt stimmen. Das bedeutet, dass die Standortwahl den Aufholprozess der Region fördern sollte.

Ungarn warb dieser Tage in Brüssel mit der Flexibilität, die Forscher in der KP-Ära notgedrungen erwerben mussten: Budapest stelle sich ein kleines, flexibles Institut vor, das ein umfangreiches Netzwerk in Bewegung halten könnte. Nach ungarischen Vorstellungen soll es „den Unionsgeist repräsentieren“ und sich „vollständig in die Kohäsionsbestrebungen einpassen“, meinte der neue ungarische Entwicklungs- und Wirtschaftsminister Gordon Bajnai.

Entscheidung könnte diese Woche fallen

Das Zweigestirn Pressburg/Wien sowie Budapest sind bei der Bewerbung um das Institut mit der ostdeutschen Optik-Stadt Jena, Breslau (Wroclaw) in Südwestpolen und dem spanischen Sant Cugat del Valles bei Barcelona konfrontiert. Die Entscheidung soll nach den bisherigen Planungen im Wettbewerbsrat fallen. Sollte dies bis 30. Mai nicht möglich sein, so müssten die Staats- und Regierungschefs beim Gipfel im Juni eine Wahl treffen.

Nach den bisherigen Plänen soll das EIT am 1. Jänner 2009 eröffnet werden und etwa 60 Mitarbeiter beschäftigen. Das EU-Budget von 309 Mio. Euro bis 2013 ist bereits beschlossen. Weitere Mittel sollen aus staatlichen Subventionen, von der Europäischen Investitionsbank sowie aus der eigenen Tätigkeit kommen. Insgesamt würde das Institut über 2,4 Mrd. Euro verfügen.

Laut „Missionspapier“ soll das EIT als „innovationsorientiertes Weltklasse-Referenzmodell“ den Wandel in Bildung und Forschung „inspirieren und vorantreiben“. Denn: „Obwohl Europa bereits exzellente Bildungs- und Forschungsinstitutionen hat, sind ihre Vertreter oft von der Geschäftswelt isoliert und erreichen nicht die ,kritische Masse‘, die für Innovationen notwendig ist.“

Die Aktivitäten werden sich auf „Knowledge and Innovation Communities“ (KICs) – öffentlich-private Partnerschaften von Universitäten, Forschungsorganisationen und Unternehmen – stützen. Da die EU-Strategen wissen, dass dieses ehrgeizige Vorhaben schwer durchzusetzen sein wird, wollen sie es stufenweise aufsetzen. In der ersten Phase würden nur zwei oder drei KICs gegründet. Die ersten Aktivitäten sollen Klimawandel, erneuerbaren Energien sowie der nächsten Generation der Informations- und Kommunikationstechnologien gewidmet sein.

AUF EINEN BLICK

Das Europäische Institut für Innovation und Technologie soll 60 Mitarbeiter beherbergen und über ein Budget von 309 Mio. Euro (bis 2013) verfügen. Diese Woche könnte die Entscheidung über den Standort fallen. Wien hat sich gemeinsam mit Pressburg beworben. Die beiden Städte zählen zu den aussichtsreichsten Kandidaten. Das Institut soll am 1. Jänner 2009 eröffnet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2008)

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