Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

MH17-Absturz: "Niemand macht mehr den Mund auf"

Forensic experts look at a makeshift marker denoting evidence during recovery work at the site of the downed Malaysian airliner near the village of Rozsypne
ArchivbildREUTERS
  • Drucken

Russlands Außenminister kritisiert fehlendes Interesse an dem Unglück. Kiew wirft Moskau indes vor, eine neue Front in der Ostukraine zu eröffnen.

Mehr als fünf Wochen nach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine hat Russland ein abnehmendes Interesse an dem Fall kritisiert. "Wir versuchen als einzige, die Aufmerksamkeit auf dieses ernste Problem zu lenken", sagte Außenminister Sergej Lawrow bei einer Pressekonferenz am Montag in Moskau.

Nach all den Vorwürfen gegen Russland und die Aufständischen mache "niemand mehr den Mund auf", sagte er. Russland werde weiter nach der Wahrheit suchen. Separatistenführer Andrej Purgin sagte, die Wrackteile lägen weiterhin an der Absturzstelle bei Grabowo herum. "Niemand sammelt sie ein. Offenbar braucht sie niemand mehr", kritisierte Purgin der Agentur Interfax zufolge. Die internationalen Experten seien schon lange nicht mehr auf dem Trümmerfeld gewesen.

Flug MH17 der Malaysia Airlines war am 17. Juli über der Ostukraine abgestürzt, möglicherweise nach Raketenbeschuss. Die ukrainische Regierung und die Aufständischen machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Eine Expertenkommission untersucht den Absturz.

Neuer Hilfskonvoi angekündigt

Mit Blick auf das für morgen, Dienstag, avisierte Spitzentreffen zwischen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und seinem ukrainischen Amtskollegen Petro Poroschenko bietet eine Ankündigung Lawrows Zündstoff: Trotz scharfer internationaler Kritik an einem ersten Hilfskonvoi für die Ostukraine will Russland demnach noch diese Woche eine zweite Wagenkolonne ins umkämpfte Krisengebiet schicken. Die Ukraine sei über den neuen Hilfskonvoi informiert worden, sagte Lawrow am Montag in Moskau.

Die Lastwagen sollen noch diese Woche auf derselben Route wie beim ersten Mal fahren, erklärte Lawrow. Er rief die Ukraine und das Internationale Rote Kreuz auf, bei der nächsten Hilfsaktion mitzuarbeiten. Mit Problemen wie beim ersten Hilfskonvoi rechne Moskau nicht. "Die Tatsache, dass die erste Ladung letztendlich ohne Zwischenfälle (in Lugansk) ankam, gibt Anlass zu der Annahme, dass es mit der zweiten Lieferung viel glatter laufen wird", erklärte er.

Kiew wirft Russland Eröffnung neuer Front vor

Die ukrainische Regierung wirft Russland unterdessen auch die Eröffnung einer neuen Front im Krieg mit den Separatisten im Osten des Landes vor. Als Rebellen verkleidete russische Kräfte hätten mit zehn Panzern und zwei gepanzerten Mannschaftswagen im Südosten die Grenze zur Ukraine überschritten, erklärte ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte am Montag in Kiew.

Diese Kräfte wollten eine zweite Front gegen die Regierungstruppen eröffnen, so der Sprecher. Nach Angaben regierungsnaher Milizen drangen Dutzende Panzerwagen über die Grenze vor. Die Kolonne bestehe aus rund 50 Fahrzeugen, sagte ein Milizkommandant. Sie hätten die Grenze nahe der Stadt Nowoasowsk überquert, die meisten seien auf dem Weg in den Ort Mariupol. Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte kam es nahe Nowoasowsk zu Gefechten mit Regierungstruppen. Grenzschützer hätten die Kolonne kurz vor der Stadt aufgehalten.