Auf ihrer kommenden Konzertreise haben die Philharmoniker nebst großer Symphonik auch Werke wie die „Tänze aus Gálanta“ von Zoltán Kodály im Gepäck.
Immerhin geht es mit dem Dirigenten Lorin Maazel nach Budapest, wo die Gäste aus Wien manch ungarisches Kleinod zum besten geben möchten, das hierzulande kaum je gespielt wird.
Heute, Montag, erklingt im Konzerthaus zur Vorbereitung der Tournee nebst der Zweiten Brahms daher auch ein Konzertstück für Violoncello und Orchester aus der Feder Ernst von Dohnányis. Der Musikfreund stellt fest, dass sich die Philharmoniker in jüngster Zeit erfreulich weit vom gewohnten, ewiggleichen Repertoire-Kanon entfernen, beziehungsweise diesen fantasievoll erweitern.
In beinah jedem Abonnementkonzert dieser Spielzeit war auch Musik des 20. oder 21. Jahrhunderts vertreten. Ob man die einzelnen Pièçen nun schätzt oder nicht, es stellt sich, von einem Weltorchester dargeboten, jene Vertrautheit mit jener Musik ein, die nötig ist, um Spreu vom Weizen zu trennen. Was wird bleiben? Welche Kompositionen der jüngeren Vergangenheit halten der Konfrontation mit Musik von Mozart, Beethoven, Bruckner oder Mahler stand? Was aus dem kaum je live gespielten Repertoire macht Lust auf Wiederholung?
Kodály zum Beispiel – aber auch Emil Nikolaus von Rezniceks Ouvertüre zu „Donna Diana“, ein veritables Wunschkonzertstück, das Lorin Maazel heute Abend auch dirigieren wird, und das an Zeiten erinnert, in denen hochmögende Konzerte noch ganz selbstverständlich auch Musik enthalten durften, die im Grenzbereich zum Unterhaltungs-Genres angesiedelt ist – oder von Kommentatoren dorthin gedrängt wurde. Wer sich konsequent Zeitgenossen und Klassikern der Moderne widmet, darf wohl auch wieder einmal Verdi- oder Offenbach-Ouvertüren oder ungarische Rhapsodien von Liszt musizieren. Langweiliger wird das Konzertleben damit sicher nicht werden. Und Mahlers Fünfte kommt trotzdem noch oft genug dran, dessen darf man sich sicher sein.
wilhelm.sinkovicz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2008)