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Nicht verzehrte Lebensmittel brauchen Drittel der Agrarfläche

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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In Europa und Nordamerika entstehen 60 Prozent der Lebensmittelverluste, noch ehe sie zum Konsumenten gelangen. In Afrika sind es sogar 94 Prozent.

Ist der Im- oder Export von Waren durch Wartezeiten an Grenzen, durch mangelnde Infrastruktur und durch Korruption verzögert, so kostet das Milliarden. Nicht alleine bilaterale Handelsabkommen führen zu einem weiteren Wirtschaftswachstum, es gilt auch international integrierte Waren- und Wertschöpfungsketten zu schaffen. Das geht aus der Studie "Enabling Trade: From Valuation to Action" der internationalen Managementberatung Bain & Company in Zusammenarbeit mit dem World Economic Forum hervor.

Vieles ist bereits ausgereizt. Fast überall auf der Welt bewegen sich die Zölle bereits im einstelligen Prozentbereich. Der nächste Schritt muss deshalb darüber hinausgehen. Nach Berechnungen von Bain könnte die Beseitigung von Hemmnissen in internationalen Lieferketten weltweit ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von knapp fünf Prozent bewirken. Dies entspricht dem Sechsfachen dessen, was die Abschaffung sämtlicher Zölle generieren würde. In Südostasien wäre durch nahtlos funktionierende Lieferketten ein Wachstumsplus von acht Prozent, in Afrika sogar von zwölf Prozent möglich.

Nahtlose Lieferketten für Lebensmittelversorgung

Kämen Feldfrüchte einen Tag schneller in die Geschäfte, entspräche das einer Zollsenkung um 1,1 Prozent, ergibt die Analyse von Bain. Produzierte, aber nicht verzehrte Lebensmittel benötigen nahezu 30 Prozent der weltweiten Agrarflächen. Während in Europa und Nordamerika 40 Prozent der Lebensmittelverluste nach dem Kauf in den Haushalten anfallen, sind es in Afrika nur sechs Prozent. Dort stellen sich 94 Prozent der Verluste zwischen Ernte und Distribution ein.

Die Grenzabfertigung zwischen Ruanda und der Republik Kongo dauert ähnlich lange wie eine Transportstrecke von 1600 Kilometern. Optimierte Lieferketten könnten helfen, Armut und Hunger zu bekämpfen und Lebensmittel erschwinglicher zu machen. Höhere Effizienz wird zu einem Schlüsselfaktor, denn in den nächsten Jahrzehnten wird sich die weltweite Agrarproduktion verdoppeln müssen. Es gilt nicht nur eine wachsende Erdbevölkerung zu ernähren, sondern auch die steigenden Ernährungsansprüche einer zunehmenden Zahl wohlhabender Verbraucher zu bedienen. Hinzu kommt die größer werdende Nachfrage nach Biobrennstoff.

Zeitverlust bekämpfen

Auch würde nahtlose Lieferketten in der Landwirtschaft dem Umweltschutz zugutekommen. Immerhin steht der Agrarsektor für 14 Prozent der auf der Erde produzierten Klimagase und für 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs. Bislang konzentrieren sich fast alle Bemühungen der Branche darauf, die Lebensmittelproduktion zu erhöhen. Die nächste Herausforderung wird sein, Verschwendung durch Zeitverlust und Lieferprobleme zu bekämpfen.

Leichterer Marktzugang, bessere Transport- und Kommunikationsinfrastruktur, effizientere Grenzabfertigung und höhere Investitionen in die Lebensmittelverarbeitung vor Ort sind das Gebot der Stunde. In Indien helfen einfache Lösungen, beispielsweise moderne Transportcontainer aus Plastik, die jährlichen Ernteverluste deutlich zu verringern.

Wollen politische Entscheidungsträger den Welthandel für mehr Wohlstand in ihren Ländern nutzen, müssen sie den freien Warenverkehr unterstützen, statt ihn zu blockieren. "Wie brandaktuell dieses Thema ist und welche Konsequenzen Handelsbeschränkungen haben, zeigen einmal mehr die politischen Akteure in der aktuellen Ukrainekrise", so Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company. "Was diese Entwicklung an Wohlstandsverlust für alle betroffenen Länder bedeutet, bleibt noch abzuwarten.

(red.)