Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Apfalter: „Die Österreicher sind nicht hungrig genug“

NEUER MANAGER BEI MAGNA: APFALTER
APFALTER(c) APA (MAGNA)
  • Drucken

Die Österreicher gäben sich damit zufrieden, was sie haben, und hofften selig, dass es so weitergeht, sagt Apfalter. Ähnlich agiere auch die Politik: Statt etwas umzusetzen, werde seit Jahren nur geredet.

Die Presse: Seit heuer wird der BMW-Mini neben Oxford und Magna Steyr Graz auch in Holland produziert. Es droht Magna, den wichtigen Auftrag ab 2016 zu verlieren. Ist es unmöglich, im Hochlohnland Österreich als Auftragsfertiger Autos zu bauen?

Günther Apfalter: Wir haben bereits einen Folgeauftrag von BMW erhalten, der das Werk in Graz über 2020 hinaus stabil auslasten wird. Wir hätten das nicht geschafft, wenn wir nicht wettbewerbsfähig gewesen wären.

Ist es schwieriger geworden?

Es ist alles andere als einfach. Das automobile Geschäft ist ein hartes Geschäft. Das wird auch immer so sein. Aber wir werden heuer wieder 150.000 Autos produzieren. Mehr als geplant.

Die Autoindustrie gilt als jene Branche, die am härtesten kalkuliert. Österreich konnte hohe Löhne lange durch Produktivität ausgleichen. Gelingt das noch?

Es ist immer schwieriger, diese Schere zu schließen. Auf der einen Seite haben wir regelmäßige KV-Erhöhungen, auf der anderen Seite wird uns am ersten Jänner jeden Jahres ein gewisser Prozentsatz von unserem Preis abgezogen, weil unsere Kunden unsere Effizienzsteigerungen fix einkalkulieren. Das ist jedes Jahr eine Schere von drei bis fünf Prozent, die wir wettmachen müssen. Irgendwann kann der Arbeiter aber nicht mehr schneller greifen und der Staplerfahrer nicht mehr schneller fahren. Österreich ist jedoch trotzdem geeignet, Autos zu bauen – wenn sich alle sehr, sehr anstrengen.

Wann ist es so weit, dass die Mitarbeiter bei Magna nicht mehr schneller können?

Unsere Mitarbeiter denken zum Glück sehr unternehmerisch. Sie kommen ständig mit Ideen, wo man optimieren kann. Da kann ich keinen Zeitpunkt nennen, wann das nicht mehr geht.

Anstrengen müssen sich aber auch die Politiker. Wo sollten die Hebel am ehesten angesetzt werden? Bei Steuern, Bürokratie...?

Politiker sollten nicht nur österreichisch denken. Unsere Kunden sitzen nicht in Österreich. Wir müssen im Konzern wettbewerbsfähig bleiben. Magna hat 130.000 Mitarbeiter in 29 Ländern. Alle Investitionen, die hierzulande getätigt werden sollen, werden mit Investitionen in Mexiko und Osteuropa verglichen.

 

Hat das die Regierung nicht ausreichend erkannt?

Parlament kommt von „parlare“, also sprechen. Es müssen aber Dinge umgesetzt werden. Es gibt genügend Reformen in allen Bereichen, die in der Schublade liegen und umgesetzt werden müssen. Das muss endlich passieren. Ich bin in diesem Arbeitskreis, den Wirtschaftsminister Mitterlehner aufgesetzt hat, und wir werden ihm im Oktober ein Papier präsentieren, in dem wir konkret aufzeigen, was notwendig ist, wie es umgesetzt und überwacht wird. Wir wollen die Leistung unserer Politiker auch im Umsetzen und nicht nur im Sprechen kontrollieren.

 

Als Vizekanzler hat Mitterlehner ja vielleicht auch mehr Durchsetzungskraft in der Regierung.

Der König ist tot, es lebe der König. Ich wünsche ihm alles Gute. Es müssen jetzt Taten folgen und Herrn Mitterlehner ist bewusst, welche das sind. Konkretes gibt es erst im Herbst. Wir wollen nicht, dass dieses Papier in der Schublade verschwindet. Wenn nichts passiert, werden wir das entsprechend laut sagen.

Drohen Sie auch mit Abwanderung, wie manche Kollegen?

Nein, wir investieren derzeit große Beträge für den BMW-Folgeauftrag in Graz. Abwanderungsdrohung gibt es daher keine. Wenn konkrete Investitionen anstehen, werden wir uns das dann aber sehr genau ansehen.

Es gibt eine andere Variante: den Einstieg in die Politik. Der Posten des Finanzministers ist vakant. Wäre das etwas für Sie?

Nein, Firmen funktionieren anders als Staaten. Das ist auch der Grund, warum es wenige Manager in die Politik zieht. Sie sind das Umsetzen gewöhnt – und das geht dort nicht mehr so einfach.

 

Wohin entwickelt sich der Standort Österreich im Magna-Konzern? Und welchen Einfluss hat die heimische Regierung darauf?

Bei Standortentscheidungen planen wir 15 Jahre voraus, weit über jede Legislaturperiode hinaus. Da gibt es die hard facts: die Steuern, die Vorrückungen im KV, das Finanzierungswesen. Und es gibt die soft facts, die auch einmal eine Erwähnung wert sind. Wir haben im Konzern eine Analyse gemacht, um den „Hunger“ der Mitarbeiter, sich ständig zu verbessern, zu messen. Und Österreich muss aus der Komfortzone heraus. Ich sage immer: Leute, die in Graz arbeiten, arbeiten dort, wo andere Urlaub machen.

 

Die Österreicher sind zu locker?

Die Österreicher sind nicht hungrig genug. Im Vergleich mit Osteuropa, den USA, Kanada oder Mexiko rangieren wir ziemlich hinten. Wir geben uns mit dem zufrieden, was wir haben, und hoffen selig, dass es so weitergeht.

 

Jetzt kann man den Magna-Mitarbeitern nicht absprechen, dass sie zu Einschnitten bereit sind. Magna ist 2012 aus dem Metaller-KV ausgeschert und hat die KV-Erhöhungen so gedrosselt.

Das war eine gute Zusammenarbeit mit Politik und Sozialpartnern. Wenn wir den Standort behalten wollen, sind diese Einschnitte notwendig. Es gibt keine Lohnreduktionen, aber geringere Fortschreitungen und eine höhere Flexibilität. Parallel dazu haben wir die Kosten per Effizienzprogramm um 15 Prozent gesenkt.

Welchen Beitrag können Politiker nun konkret leisten?

Der Kapitalmarkt in Österreich muss gestärkt werden. Aktien und Venture-Capital darf nicht mit Spekulation verwechselt werden. Wir haben ein gutes Ingenieurswesen. Aber die jungen Leute, die Ideen haben, sollen nicht ins Ausland gehen, sondern hier bleiben und arbeiten. Und es braucht mehr Rechtssicherheit. Es kann nicht sein, dass man nachträglich Steuern verändert, die zu Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe führen.

Veröffentlichen auch Sie Ihre besten Ideen für Österreich: diepresse.com/99ideen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2014)