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Schule: Zäher Kampf um Ethik-Lehrer

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Das Unterrichtsressort verzögert Eröffnung neuer Ausbildungsgänge.

WIEN(ewi). Das Unterrichtsministerium unterlaufe den Ethik-Unterricht, indem es die Ausbildung geeigneter Lehrkräfte behindere. Diese Meinung verfestigt sich im oberösterreichischen Landesschulrat, nachdem das Ministerium rotes Licht für die Eröffnung eines neuen Lehrgangs zur Ausbildung von Ethik-Lehrern an der Pädagogischen Hochschule Linz gab. Genauer: Das Ministerium verweigerte die Finanzierung der viersemestrigen Ausbildung. Für Pädagogik-Hochschulen ist das Unterrichtsressort zuständig.

Nach Protesten von Landesschulratspräsidenten Fritz Enzenhofer (ÖVP) hat nun Sektionschef Anton Dobart (vorerst) mündlich die weitere Finanzierung der Lehrerausbildung zugesagt. „Wir brauchen Ethik-Lehrer“, sagt Enzenhofer zur „Presse“, wobei der Landesschulratspräsident im selben Atemzug betont, „dass keine Konkurrenz zum Religionsunterricht geplant ist“.


Genehmigung erforderlich

Am 8.April präsentierte die ÖVP den Text einer Gesetzesnovelle, in dem ein Ethik-Unterricht dann verpflichtend vorgesehen ist, wenn Schüler nicht an „Religion“ teilnehmen. Das betrifft auch jene, die sich vom Religionsfach abmelden und in dieser Stunde die Schule verlassen können. Dieses Thema „steht im Augenblick nicht auf meiner Agenda“, hat als Reaktion Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in einem „Presse“-Interview gemeint.

Tatsächlich kann derzeit das Unterrichtsministerium die Eröffnung von Ethik-Klassen bremsen, da diese als Schulversuch gelten und jede neue Eröffnung vom Ministerium genehmigt werden muss. Auch in Oberösterreich gibt es Anträge, die abgewiesen wurden. Derzeit sind in ganz Österreich an den 1065 mittleren und höheren Schulen nur 139 Ethik-Schulversuche eingerichtet (der Schulversuch ist zurzeit nur an den mittleren und höheren Schulen möglich).

In der SPÖ sucht man eher Argumente, die gegen die Überführung des Schulversuchs Ethik in die Regelschule sprechen. Von Eltern- und Lehrerseite kommt wiederum Unterstützung. So verwies am vergangenen Wochenende die Christliche Lehrerschaft Wiens auf die Notwendigkeit dieses Gegenstandes: „Die Zunahme an Aggressivität gepaart mit der sinkenden Konfliktlösekompetenz steht im direkten Zusammenhang mit den Fehlen wertorientierter Erziehung“, so das Argument.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2008)