Schnellauswahl
Pop

Was wurde aus ... Oasis?

SWITZERLAND - GURTENFESTIVAL OASIS GALLAGHER
Damals noch Oasis-Sänger: Liam Gallagher (Archivbild aus dem Jahr 2002).(c) EPA (Alessandro Della Valle)
  • Drucken

Am 29. August 1994 veröffentlichten die großmäuligen Gallagher-Brüder ihr erstes Album, "Definitely Maybe". Was blieb von der selbsternannten besten Band der Welt?

Wie so oft bei einem Jubiläum ist auch in diesem Fall die Floskel unvermeidbar: Kaum zu glauben, ist das schon 20 Jahre her? Ja, oder besser gesagt: Yes. Am 29. August 1994 veröffentliche die britische Band Oasis ihr rauhes, kraftvolles Debüt-Album "Definitely Maybe". Es sollte ihr bester Longplayer bleiben. Das Album, das sich weltweit acht Millionen Mal verkaufte, ging in Großbritannien gleich auf Anhieb auf die eins und die britische (Boulevard-)Presse hatte mit den Gallagher-Brüdern ihre neuen "Lieblinge" gefunden, die sie später im "Battle of Britpop" gegen die gewitzte Pop-Formation Blur antreten ließ.

Die großmäuligen Brüder aus Manchester, Liam und Noel, produzierten am laufenden Band Schlagzeilen. Einige Beispiele gefällig? "Wir glauben einfach, dass wir die beste Band in der Welt sind. Wir sind nicht arrogant, das ist Tatsache". Oder: "Dieses Album (Anm.: gemeint ist "Definitely Maybe") sollte eigentlich "Best of Oasis" heißen. Ich war ein Superheld der 90er. Mein erstes Album war besser als die ersten Alben von McCartney, Townshend und Richards" (Noel Gallagher).

Noch besser verkaufte sich freilich das zweite Werk "What's the Story (Morning Glory)?", das im Oktober 1995 erschienen war: 347.000 CDs gingen in der ersten Woche über den Ladentisch. Um Noel Gallagher zu widersprechen: Eigentlich wurde der zweite Longplayer mit Hadern wie "Wonderwall" und "Don't Look Back in Anger" zum Hit-Album. Der Erfolg (rund 22 Millionen Platten wurden verkauft) stieg Liam und Noel zu Kopf. Stichwort: "Champagne Supernova". Auch die Politik entdeckte ihre Liebe zum Britpop, selbstverständlich nicht ohne Hintergedanken: Labour sollte endlich wieder regieren. Populäre Künstler wie Noel Gallagher, der mit Tony Blair posierte, waren da exzellente Wahlhelfer.

Musikalisch ging es mit der einstigen Arbeiterklasseband mit dem überproduzierten dritten Album "Be Here Now" (1997) bergab. Die Talfahrt ging mit "Standing On The Shoulder Of Giants" (2000) weiter. Letzteres war auch aus kommerzieller Sicht eine Enttäuschung. Den drei weiteren Alben erging es nicht wesentlich besser.

Der jahrelange Zwist des ungleichen Brüderpaares führte schließlich zum Ausstieg von Noel Gallagher im Jahre 2009: Es tut ihm leid, sagte er, "aber ich kann einfach mit Liam nicht einen Tag länger zusammenarbeiten", hieß es damals. Damit waren Oasis Geschichte.

Während Noel Gallagher, heute 47 Jahre alt, mit seinem Singer-Songwriter Solo-Projekt "Noel Gallagher's High Flying Birds" bislang ein Album veröffentlicht hat (2011; ein zweites soll 2015 folgen), macht sein jüngerer Brüder Liam (41) mit anderen Oasis-Kollegen gemeinsame Sache. "Beady Eye" nennt sich die Retro-Rock-Kapelle, die bislang zwei Album auf den Markt gebracht hat.

Ihre einstigen Rivalen Blur haben nach einer längeren Pause eine Reunion gefeiert. Wie steht es mit einem Oasis-Comeback? "Für 500 Millionen Pfund oder 500 Millionen Kondome", scherzt Noel Gallagher. Es ist also wohl unwahrscheinlich. Andererseits: "Es wird geschehen, wenn es geschieht. Falls die Musikgötter wollen, dass es geschieht", sagt Liam Gallagher kryptisch. Dann war das mit der Textzeile "Live Forever" also ernst gemeint, wenngleich der Satz auch schon 20 Jahre alt ist.

(mtp.)