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Erwin Pröll:„Es gibt eine Sehnsucht nach Autorität“

Erwin Pröll
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Es habe nun keine Alternative zu Reinhold Mitterlehner gegeben, sagt ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll. Michael Spindelegger sei an seine Grenzen gestoßen.

Die Presse: Wissen Sie, der wievielte ÖVP-Obmann das nun für Sie als Landeshauptmann ist?

Erwin Pröll: Erhard Busek, Wolfgang Schüssel, Wilhelm Molterer, Josef Pröll und dann Michael Spindelegger als Fünfter.

 

Der ja Ihr Mann war.

Alle Parteiobmänner waren mein Mann. Oder ich war ihr Zuträger.

 

Sind Sie enttäuscht von Spindelegger?

Emotionen haben in einer derartigen Situation wenig Platz. Ich habe nicht damit gerechnet, aber ich habe es seit geraumer Zeit befürchtet.

 

Warum?

Weil Spindelegger schon sehr herausgefordert war mit drei Funktionen. Und der politische Partner in bestimmten Phasen einfach nicht gemerkt hat, dass Führen in der Politik auch Zusammenführen heißt. Da muss man nach dem Motto „Leben und Leben lassen“ arbeiten.

 

Die ÖVP-Landeshauptleute von der Westachse waren also nicht schuld?

Ich würde gar nicht Schuld verteilen. Das ist nicht meine Aufgabe. In spannungsgeladenen Zeiten tauchen eben auch die Problemfelder pointierter auf – und sind schwieriger zu behandeln. Und da ist es manchmal so, dass jemand an seine Grenzen stößt. Das war bei Michael Spindelegger der Fall.

 

Da war es dann doch emotional.

Hinzugekommen ist sicher, dass Michael Spindelegger in der Woche, nachdem sein Vater verstorben war, natürlich emotional sehr bewegt war. Als ich mich am Sarg von seinem Vater verabschiedet habe, ist Michael Spindelegger in der Kirche zu mir gekommen, und da habe ich gemerkt, dass ihm das alles schon sehr nahegeht. Der Tod des Vaters und die politischen Enttäuschungen. Und dass zu befürchten ist, dass eine Entscheidung ansteht.

 

Wurden Sie vorinformiert?

Ja. Ich kann es zwar nicht beweisen, aber er hat mir gegenüber beteuert, dass ich der Erste war.

 

Beim Wechsel von Josef Pröll zu Michael Spindelegger im Jahr 2011 waren Sie noch der Königsmacher. Nun sind Sie einfach in Ihrem Urlaubsdomizil in Grado geblieben, während in Wien der ÖVP-Bundesparteivorstand zusammentrat, um über den neuen Obmann zu befinden.

Ja, da gibt es mehrere Gründe. Jeder weiß, dass ich mich selbst nicht schone und auch meine Familie ein Recht darauf hat, dass ich ein paar Tage mit ihr urlaube. Meine Frau und ich hatten uns vor einigen Wochen entschlossen, mit unseren Enkelkindern nach Grado zu fahren. Und dann ist noch Folgendes dazugekommen: Ich habe am Dienstag erst gegen Mittag erfahren, dass am Abend Parteivorstand ist – und das wäre sich einfach nicht ausgegangen. Und drittens ist ja mittlerweile das Telefon erfunden, und ich habe an diesem Tag drei Akkus vertelefoniert.

 

Was darauf schließen lässt, dass die Entscheidung doch nicht so eindeutig war.

Dieser Rückschluss ist nicht zulässig. Es war von vornherein klar, dass es keine Alternative zu Reinhold Mitterlehner gibt.

 

Sebastian Kurz wäre keine gewesen?

Er ist ein unglaublich großes Talent, wie man es nur alle paar Jahrzehnte einmal findet. Allerdings: Talente kann man auch kaputt machen, wenn man sie zu früh ins Feuer schickt.

 

Beim letzten Obmannwechsel waren Sie ja noch gegen Mitterlehner.

Nein, das ist eine Fehlinterpretation, diese Frage hat sich in der Form nicht gestellt. Es stimmt, dass Mitterlehner beim letzten Mal eine Alternative von mehreren war. Aber die Mehrheit, die sich in den Gesprächen, die ich damals im Auftrag von Josef Pröll führte, abzeichnete, war eben eine andere. Von meiner Seite hat nichts gegen Mitterlehner gesprochen.

 

Trotzdem zeigt sich im Fall Spindelegger einmal mehr, dass der jeweilige Bundesparteiobmann am Gängelband der ÖVP-Landeshauptleute hängt. Kann das ewig so weitergehen?

Warum glauben Sie das? Ich glaube das nicht. Reinhold Mitterlehner hat sich nun alle Freiheiten bei den Personalia ausbedungen – und alle Landesparteiobleute haben ihm das auch zugesagt. Denn auch ich pflege den Grundsatz: Personalia sind Chefsache.

 

Das heißt, Reinhold Mitterlehner hat Ihre hundertprozentige Loyalität?

Es hat schon Phasen gegeben, da hätte es geheißen, wenn ich das behaupte, wäre der Parteichef in großer Gefahr. Ich behaupte es trotzdem. Es gibt eine Sehnsucht der Menschen nach Autorität und Orientierung. Nicht in Rambo-Manier, sondern indem ein Politiker klar sagt, wo es langgeht. Reinhold Mitterlehner ist so ein Typ, er erfüllt meiner Ansicht nach diese Anforderungen. Er hat intensive Regierungserfahrung und ist mit seiner sozialpartnerschaftlichen Gesinnung in der Lage, Konsens auch in schwierigen Phasen herzustellen. Er ist ein harter Arbeiter und hat die Nähe zum Bürger. Und ich traue ihm zu, die unterschiedlichen Interessen, die in einer föderalen Parteistruktur zusammenkommen, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Es gibt das Gerücht, Sie hätten ein Problem mit dem möglichen neuen Finanzminister Hans Jörg Schelling, weil dieser als Chef der Sozialversicherungen immer wieder auf das Negativbeispiel zu nah aneinanderliegender Spitäler in Niederösterreich verwiesen hat.

Mir ist das gar nicht mehr präsent. Es war eine Diskussion in einer Sachfrage. Aber nichts, was man ewig mitträgt.

 

Ihre Vertraute Johanna Mikl-Leitner soll, so hört man, Gottfried Haber bevorzugen.

Das ist ihr gutes Recht. Ich glaube, der Name Haber spielt auch im Kopf des Reinhold Mitterlehner eine Rolle.

 

Ist die Entscheidung über den Finanzminister schon gefallen?

Nein, das glaube ich nicht.

 

Mit Doris Bures scheint Ihre Gegenkandidatin für die Bundespräsidentenwahl festzustehen.

Ein schöner Versuch. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es einen Gegenkandidaten zu mir gibt. Und zwar deswegen, weil meine Lebensplanung eine andere ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2014)